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Kultur zur Sonnenwende

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Landartkünstlerin Tanja Leonhardt erläutert ihre aus bedruckten Seidentüchern geschaffenen Kunstwerke. © Stefan Weil

Zu einem Kulturfest am Tag der Sommersonnenwende hatte die Kulturinitiative »TraVogelsberg« mit Unterstützung des Vogelsberger Kultur- und Geschichtsvereins eingeladen. Schauplatz war der Alteburgskopf, ein markanter Ort an der Bundesstraße nach Gedern, rund drei Kilometer vom Schottener Stadtzentrum entfernt.

Der Alteburgskopf mit seiner beeindruckenden Felsformation ist nicht nur ein Geotop, sondern auch ein anschauliches Zeugnis der vulkanologischen Vergangenheit des Vogelsberges. Die durch Verwitterung freigelegten mächtigen Säulen und Blockhalden mit ihren Rissen und Klüften zeugen intensiv vom erkalteten Lavastrom.

Der Ort bot den passenden Rahmen für ein Kulturprogramm, das die beiden Projektkoordinatorinnen von »TraVogelsberg« Katja Niebuhr und Lilian Lamadieu anlässlich der Sommersonnenwende organisiert hatten.

Im Mittelpunkt standen das Theaterduo »Bien & Blum - die Laufmaschen« und Tanja Leonhardt. Die Landartkünstlerin hatte zwischen den Buchenstämmen ihre Textilobjekte aufgespannt. Die aus Seide hergestellten Tücher hat sie mit Tier- und Pflanzenmotiven sowie mit Textfragmenten bedruckt - als Ausdruck ihrer Wahrnehmungen an unterschiedlichen Orten. Ihre Objekte hat sie in verschiedenen Ländern geschaffen, etwa in Norwegen, in den Highlands im Norden Schottlands, in den USA oder im kriegsverwüsteten Bosnien.

»Der Alteburgskopf ist ein toller Ort, bestens geeignet, um in einen Dialog mit der Natur einzutreten«, betonte Tanja Leonhardt. »Die Bewegungen des Windes aus unterschiedlichen Richtungen und die langsam wandernden Sonnenstrahlen bilden eine Symbiose mit den wehenden Tüchern.« Die Gestaltung von Schrift hat für die Künstlerin eine besondere Bedeutung.

Skurriles Musiktheater

Tanja Leonhardt hat Kunst mit Schwerpunkt Schrift und Germanistik studiert, seit zehn Jahren ist sie als Landartkünstlerin tätig. »Die Menschen unterscheiden sich durch ihre Sprache«, sagt sie. Leonhardt sucht Orte, die ihre eigene Geschichte erzählen. »Mit diesen Orten trete ich in Kontakt.«

»Überleben« heißt das skurrile Musiktheater von »Bien & Blum - die Laufmaschen«. Dahinter stecken die Schauspielerin und Musikerin Beatrice Hutter sowie die Jongleurin, Komikerin und Poetin Daniela Daub. Das mit viel Witz, Situationskomik, ausdrucksstarkem Gesang, aber auch akrobatischen Einlagen präsentierte Stück handelte von einem aktuellen Thema: dem Insekten- und dem Bienensterben. »Am Anfang schuf Gott die Blumen. Saubere Luft, Blumenwiese überall und Wasser im Überfluss« - so begann das rund 35 Minuten lange Freiluftstück. Beatrice Hutter, in ein originelles, grell-buntes Gärtnergewand gehüllt, bediente einen lauten Rasenmäher, dem Daniela Daub als staksige Arbeiterbiene auf dem kleinen, kreisrunden Naturtanzplatz vor dem ausladenden Felsenhintergrund auszuweichen versuchte. Die Folgen waren bereits zu ahnen. Das Bienensterben nahm seinen Lauf. Doch die Arbeiterbiene schaffte es, sich zur Königin krönen zu lassen. Sie machte sich schön, doch die Drohnen kamen nicht.

Der Hochzeitsflug drohte auszufallen, der Untergang des Bienenvolkes rückte näher. »Die Königin stirbt. Ist es das, was ihr wollt«, fragte Beatrice Hutter in das dichte Dach der sonnendurchfluteten Buchen. Endlich kamen die »Superdrohnen«, doch die Exemplare »eins bis drei« versagten ihren Dienst. Schließlich fand sich eine geeignete Superdrohne. »Und wenn sie nicht gestorben sind, überleben sie noch heute«, sagten die beiden Schauspielerinnen zum Schluss mit unerschütterlichem Lebensmut. Mit langem Applaus wurden sie von den etwa 40 Besuchern auf dem Alteburgskopf für ihren Auftritt belohnt.

Begonnen hatte der Kulturtag bereits am Vormittag. Vulkan- und Naturparkführer Klaus Emrich hatte die Schulkinder der Kita »Am Schloss« zum Alteburgskopf geführt und ihnen dabei Spannendes über den Vogelsberg und das besondere Geotop erzählt. »Das hat den Kindern viel Spaß gemacht«, freute sich Emrich, der am Abend Interessierte über das Gelände des Alteburgskopfes führte. Kräuterfrau Tanja Adam lud zu einer Kräuterwanderung ein. Als die Sonne unterging, zog Tanja Leonhardt die Besucher noch einmal in ihren Bann. Mit ihrer beeindruckenden Feuerperformance »Himmelsscheibe« endete das Programm.

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Das Theaterduo »Bien & Blum - die Laufmaschen« begeistert mit viel Komik und ausdrucksstarkem Gesang. © Stefan Weil

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