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Kulturhistorische Aus- und Einblicke

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Von: red Redaktion

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Die Wandergruppe legt unter einer uralten Eiche eine Rast ein. © pv

Bindsachsen (red). Großen Anklang und viel Lob fand die Maiwanderung der NABU-Gruppe Bindsachsen. Mehr als 40 Erwachsene sowie einige Kinder und Jugendliche hatten sich an der Vogelschutzhütte eingefunden, um an der Tour unter der Leitung von Alfred Leiß, dem langjährigen Leiter der Gruppe, teilzunehmen. Dort klang die Runde auch bei Speisen und Getränken aus.

Kefenröder Holzweg

Nach einem Anstieg in Richtung Keckenstein gab es einen ersten Halt auf dem Kefenröder Holzweg. Vor der Zusammenlegung der hessischen Kommunen wurde dieser Feldweg als Abkürzung genutzt, um in das zu Kefenrod gehörige Waldgebiet zu gelangen, ohne dass die Fahrzeuge durch die Bindsächser Ortslage fahren mussten. Daher stammt auch der Name. Leiß erklärte, dass man bei geeignetem Wetter genau diese Stelle vom Hoherodskopf aus deutlich sehen könne. Ein markant geformter Baum in der benachbarten Wiese sei ein sicherer Anhaltspunkt dafür.

Als sich der Blick auf das Dorf öffnete, erläuterte Alfred Leiß einige geschichtliche Daten zur Wehrkirche St. Walpurgis, die sich von dort oben aus ortsbildprägend und dekorativ präsentiert. Ihre Ursprünge seien wohl in heidnischer Zeit zu sehen. Aus der Erde ragende Felsbrocken, auf denen die Grundmauern der Kirche gegründet seien, sprächen tatsächlich dafür. Sicher sei das Bauwerk in seinen Anfängen deutlich kleiner gewesen, vielleicht nur ein kleinerer Turm. Im Lauf der Geschichte seien offensichtlich immer wieder bauliche Erweiterungen vorgenommen worden. So seien heute gleichzeitig romanische und gotische Fenster zu sehen. Die ursprünglich einheitlich aus Basaltsteinen bestehende Mauer, die das Kirchen- und Friedhofsareal umrundete, sei Mitte des 15. Jahrhunderts im Zuge der Fuldaer/Mainzer Stiftsfehde (1461/1462) zum Schutz vor Übergriffen errichtet worden. In diesem Konflikt sei auch Graf Diether von Isenburg-Büdingen beteiligt gewesen, der am 5. Oktober 1463 im Zeilsheimer Vertrag auf das Erzbistum Main verzichtete.

Übrig geblieben sei aus dieser Zeit bei älteren Einwohnern des Dorfes noch das Wissen für die Dialekt-Bezeichnung »Fulder« - Fuldaer. Damit wurden besonders brutale und rohe Verhaltensweisen von Zeitgenossen bezeichnet, ein Hinweis darauf, dass sich die gegnerischen Parteien bei den damaligen Auseinandersetzungen wohl keinesfalls mit Samthandschuhen angefasst haben.

Bedeutung von Photovoltaik

Als Gegensatz zu den historisch geprägten Ausführungen erläuterte Leiß die Bedeutung von Warmwasser- und Photovoltaik-Anlagen, die auf einigen Dächern zu sehen sind. Die NABU-Gruppe habe bereits vor Jahren Ausstellungen mit Experten organisiert, um deren Installation voranzutreiben, zumal Dreiviertel der Dächer des Dorfes fast genau nach Süden ausgerichtet seien. »Leider sind es im Zeichen des Klimawandels und der notwendigen möglichst abgasfreien Energieerzeugung immer noch viel zu wenige«, so Leiß.

Die Wandergruppe wechselte über die Bergkuppe. An geeigneter Stelle bot sich von dort ein guter Einblick in das Steinbachtal zwischen Bindsachsen und Wolferborn. »Dieses landschaftlich und biologisch außergewöhnliche Juwel wird demnächst als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden«, konnte Alfred Leiß auf der Wanderung mitteilen. Zwar sei durch die Pandemie im Verfahren ein Stillstand eingetreten, man hoffe aber auf einen zügigen Fortgang des Vorhabens. Ein wichtiger Punkt werde die Einführung des Qualitätssiegels »Lebensmittel aus dem Naturschutzgebiet« sein, von dem man sich erhoffe, dass den beteiligten Landwirten dadurch höhere Entgelte für ihre Produkte ermöglicht werden.

Der Blick der Gruppe auf die Aussiedlerhöfe und die dahinter am Horizont installierten Windkraftanlagen waren ein weiterer Anlass, um eine Rast einzulegen. Auch zu diesen Themen konnte Alfred Leiß aufschlussreiche Informationen geben, so dass eine rege Diskussion und ein interessanter Austausch von Argumenten möglich waren.

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