1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis

Kurt Förster zu Gast: Wenn die Posaune nicht posaunt

Erstellt:

Kommentare

myl_NeujahrskonzertKraus_4c_1
Zwei Interpreten, die sich absolut mit ihren Instrumenten identifizieren: Katrin Anja Krauße und Kurt Förster. © Elfriede Maresch

Weich und verspielt statt laut und dominierend - beim Neujahrskonzert für Posaune und Orgel in der Niddaer Stadtkirche erlebten die Besucher die andere Facette des Blasinstruments.

Beim Neujahrskonzert für Posaune und Orgel in der Niddaer Stadtkirche war der große Raum unter Berücksichtigung der 2G-Regel gut besucht. Wieder konnte Dekanatskirchenmusikerin Katrin Anja Krauße, die die Eule-Orgel spielte, einen sehr guten zweiten Interpreten gewinnen: Kurt Förster, Posaunist am Stadttheater Gießen. Er studierte an den Musikhochschulen Nürnberg und Heidelberg-Mannheim, spielt auch Tenorhorn und Euphonium. Er war bis zu diesem Jahr Mitglied im Festspielorchester Bayreuth und beim Bayreuth-Backstage-Posaunenquartett, ist in verschiedenen Blechbläserensembles aktiv und war als Gast bei mehreren Rundfunksymphonieorchestern zu hören. Bewusst spielte er zusammen mit Katrin Anja Krauße beim Neujahrskonzert Werke aus mehreren Epochen, zu denen er den Zuhörern kurze Informationen gab.

Plötzlich sakral und gar romantisch

Die Posaune gilt als hell, laut, dominierend - und nun hier bei kleinen, zum Teil kammermusikalischen oder sakralen Kompositionen? Förster zeigte die andere Seite seines Instrumentes, die weiche, klangfarbenreiche, manchmal verspielte Posaune, die auch romantische Kompositionen einfühlsam zur Geltung brachte. Mit einer Ausnahme setzte er bei allen Stücken die Tenorposaune ein. Allerdings war die Eule-Orgel ein starkes musikalisches Gegenüber mit ihrer Fülle an ganz unterschiedlichen Registern.

Zu Beginn stand die Sonata in C des barocken Komponisten Johann Ernst Galliard. Schon im Larghetto-Satz war die Posaune in tiefen Lagen zu hören, rhythmische Akzente setzend und von der Orgel lebhaft umspielt. Eher gedämpft, sogar langsam folgte das Allegro mit ansteigenden Läufen der Posaune vor dem helleren leichteren Hintergrund der Orgelstimmen.

Die Sarabande mit ihrem deutlichen Schreitrhythmus, das Menuett mit Dur-Moll-Wechseln und melodischen Wiederholungen schlossen in tänzerischer Anmut das Werk ab. Krauße trug einen an Variationen reichen Orgel-Part beim Bach-Satz »Wachet auf, ruft uns die Stimme« vor, während Förster die gewohnte, schöne Choralmelodie übernahm. Hier klang die Posaune hell, drängend, auffordernd, war durchaus vorstellbar als Instrument der »Wächter sehr hoch auf der Zinne«.

Hauch französischer Leichtigkeit

César Franck, großer Orgelkomponist und -virtuose im Frankreich des 19. Jahrhunderts, schrieb ein »Offertoire«, zu spielen während des Messopfers. Statt ernster Feierlichkeit lag ein Hauch französischer Leichtigkeit über dem Werk. Katrin Anja Krauße unterstrich mit unterschiedlicher Registrierung den Orgelpart vom hellen, fast triumphierenden Beginn zum Wechsel von sanften und kräftigen Abschnitten, während Förster mit zurückhaltender Melodik und virtuos gespielten Arpeggien auf der Posaune eher weiche Elemente einbrachte.

Für Franz Liszts »Hosannah!« setzt Förster die Bassposaune ein, die er zuvor lächelnd als Lautstärkenwaffe vorgestellt hatte. Aus den Akkorden der Orgel baute sich der Klanghintergrund auf. Die Posaunenstimme in großem melodischem Umfang schien tatsächlich die Kirche zum Vibrieren zu bringen. Wohlgemerkt: zwar dunkel und voll, aber nicht beherrschend, sondern in harmonischer Ergänzung der Orgel.

Erst 2007 verstarb der ungarische Komponist Frigyes Hidas, dessen »Domine, Dona nobis pacem« überraschend verspielt und schmeichelnd, ja romantisch klang, im Kontrast zum ernsten Text.

Am Schluss stand eine spätromantische Komposition, Alexandre Guilmants »Morceau symphonique«, ursprünglich für Klavier und Posaune geschrieben, in Moll, reich an Variationen und Imitationen der beiden Instrumente, effektvoll endend.

Der Applaus war zu lang, zu demonstrativ, um jetzt schon abzubrechen und so spielten die beiden Interpreten lautmalend »Der Schwan« aus Camile Saint-Saëns »Karneval der Tiere«, wobei Förster den schmeichelnden Ton, sonst von Streichern ausgeführt, auch mit der Posaune überzeugend wiedergab.

Ausgehungert nach der Musik

Das Publikum applaudierte längst stehend und und eine weitere kurze Zugabe folgte. »Die Leute sind wie ausgehungert nach Musik und haben hier zwei Interpreten erlebt, die absolut identifiziert mit ihren Instrumenten sind!«, sagte eine Besucherin. Präziser hätte man die Stimmung während des Konzertes nicht beschreiben können.

Auch interessant

Kommentare