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Landesgartenschau 2027: Es ist an der Zeit, mutige Entscheidungen zu treffen

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Von: Laura Eßer

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Die Büdinger Landschaftsarchitektin Anette Schött verbindet mit der Landesgartenschau 2027 die große Chance, ihre Heimatstadt sowie die gesamte Region nachhaltig zu entwickeln. © Björn Leo

Welche Rolle Büdingen bei der Landesgartenschau 2027 spielen wird, darüber entscheiden die Stadtverordneten. Für die Landschaftsarchitektin Anette Schött liegen die Chancen auf der Hand.

Im Zusammenhang mit der interkommunalen Landesgartenschau, die elf Städte und Gemeinden in fünf Jahren ausrichten wollen, wird sehr viel über Nachhaltigkeit und Regionaliät gesprochen. Die Landschaftsarchitektin Anette Schött füllt die abstrakten Begriffe mit Leben. Die Büdingerin macht deutlich, wie sich die Stadt, ihre Dörfer und das Zusammenleben im Büdinger Land künftig verändern können, wenn mutige Entscheidungen getroffen werden.

Welche Bedeutung hätte ein Bürgerpark auf dem Gelände der Bruchwiese aus Ihrer Sicht?

Mit Blick auf die Innenstadt wird schnell klar: Es geht hier um die grüne Lunge Büdingens. Der Klimawandel lehrt uns, dass jede innerstädtische Grünfläche ein Gewinn ist. Die Lage der Bruchwiese ist zudem eine besondere. Sie liegt direkt am Seemenbach. Der Kindergarten in der Brunostraße und die Stadtschule befinden sich in der Nachbarschaft. Stadtentwicklung ließe sich mit einem Bürgerpark sinnvoll und innovativ vorantreiben. Es gibt in Büdingen keinen Zugang zur Seeme. Dort wäre er möglich, zudem vielleicht ein weiteres Kneipp-Becken, Verweilflächen, Ruhe- und Freizeitbereiche für alle Generationen. Ich denke auch an ein Sportgelände, das vor allem für die Kinder so wichtig ist. Im Park könnten eine 100-Meter-Laufbahn oder eine Weitsprunganlage entstehen, die für die Grundschule von enormer Bedeutung wären.

Es ist an der Zeit, mutig zu handeln, sich von alten Denkmustern zu verabschieden und das wahre Potenzial Büdingens zu heben, das weit über die Altstadt hinausgeht. Der Bürgerpark, in dem es zum Beispiel eine Open-Air-Bühne geben könnte, die Raum für Kulturveranstaltungen bietet, wäre Anziehungs- und Treffpunkt für Büdinger und Touristen gleichermaßen. Er würde der Stadt zudem ein neues Image verpassen. Ganz wichtig ist jedoch: Egal, wie sich die Stadtverordneten entscheiden: Die Bruchwiese sollte als eine zusammenhängende Fläche gesehen werden. Stückwerk, bei dem am Ende ein Fußballplatz an den Dohlberg verlegt wird und der zweite bleibt, würde eine sinnvolle Stadtentwicklung verhindern.

Apropos: Ist die Verlagerung der Sportplätze auf den Dohlberg denn sinnvoll?

Ja - und zwar aus mehreren Gründen. Die beiden Schulen mit etwa 2000 Schülern würden davon profitieren. Zudem braucht Büdingen eine Anlage, die den Bedürfnissen vieler Vereine gerecht wird und eine Vielzahl an Freizeit- und Bewegungsmöglichkeiten bietet. Wenn dieser Schritt jetzt nicht gegangen wird, erleben wir jahrelangen Stillstand.

Dabei ist mir wichtig zu betonen, dass der Fußballverein, die SG 1905, eine hervorgehobene Rolle in der Stadt spielt. Jedes Training, die Spiele und sämtliche Freizeitaktivitäten bringen sozialübergreifend zumal junge Menschen zusammen. Es es aber zweitrangig, ob an der Bruchwiese oder auf dem Dohlberg Fußball gespielt wird. Ein solches Areal darf nicht einer Sportart exklusiv überlassen werden.

Kritiker vermuten ein Unterfangen mit vielen Fallstricken. Sie warnen vor allem vor den Kosten.

Natürlich stehen die politischen Gremien vor keiner einfachen Entscheidung. Es handelt sich jedoch um Investionen in die Zukunft. Wenn wir das Geld, zu dem auch erhebliche Fördermittel zählen werden, klug einsetzen, zehren viele Generationen von den Ergebnissen. Die Landesgartenschau ist zudem eine interkommunale Herausforderung, der sich Büdingen nicht alleine stellt. Jede Gemeinde für sich ist doch verwaltungstechnisch mit einer Großveranstaltung dieser Art völlig überfordert. Es gilt, weniger in Stadtgrenzen, sondern überregional zu denken und zu handeln. Es es angezeigt, die Stärken aller elf beteiligten Kommunen zu bündeln. Die Landesgartenschau bringt Vorteile für jedes Dorf. Davon bin ich überzeugt.

Können Sie das an einem Beispiel verdeutlichen?

Die Mobilität wird eine große Rolle spielen. Und zwar die auf dem Land. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zum Idealbild junger Menschen (25 Jahre) belegt, dass sich die allermeisten ein Leben auf dem Land wünschen. Sie wollen eine Familie gründen, in Ruhe im Grünen leben, aber nicht von den Ballungszentren abgekoppelt sein. Deshalb steht und fällt das Landleben der Zukunft mit der Mobilität.

Die Landesgartenschau bietet dafür beste Möglichkeiten. Vor allem für die Dörfer, wo es viele Klagen gibt, abgehängt zu sein. Jetzt ist die Chance gekommen. Radwege können entstehen, Lücken geschlossen werden. Dem autonomen Fahren gehört die Zukunft. Ich halte einen dauerhaften Bus-Pendel, der die Ortschaften an die Kernstadt anbindet, für möglich. Solche Themen mögen für viele Menschen noch sehr theoretisch klingen. Deshalb muss zeitnah die Bürgerbeteiligung forciert werden, damit in jedem Dorf ein Gespür dafür entsteht, welches Potenzial die Landesgartenschau für die Menschen bietet. Oberhessen kann zur Modellregion für ganz Hessen werden.

Damit entkräften Sie sehr eindrucksvoll das Bild der althergebrachten »Blümchenschau«.

Es geht um Regionalentwicklung vor dem Hintergrund der einzigartigen oberhessischen Landschaft. Für Büdingen halte ich die Themen Mobilität, die Entwicklung einer neuen Grünstruktur und die Schaffung von zeitgemäßen Sportstätten am richtigen Ort für die zentralen. Die Ideen leben von Nachhaltigkeit. Was wir umsetzen, soll einen lokalen Anstrich bekommen. Im Ergebnis können das eine in Teilen begehbare Stadtmauer sein oder eine Blühfläche, in deren Mitte Gemüse wächst und gedeiht. Im Herbst feiern wir dann ein Erntefest, zuvor wird im »La Porta« gekocht.

Ich möchte keineswegs unsere schöne Stadt schlecht reden, aber mit der Landesgartenschau erhält sie die Chance, aufgeweckt zu werden. Stadtbild und Zusammenleben werden sich zum Positiven verändern. Daran glaube ich!

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