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Landesgartenschau 2027 ohne »Stockheimer Lieschen«?

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Der Bahnhof in Stockheim soll zur Landesgartenschau laut Machbarkeitsstudie die »zentrale Mobilitätsdrehscheibe in der Region« sein. Wegen der geplanten Elektrifizierung der Bahnstrecke kann es jedoch passieren, dass 2027 dort überhaupt keine Züge halten. © Judith Seipel

Der Bahnhof in Stockheim soll zur Landesgartenschau die »zentrale Mobilitätsdrehscheibe in der Region« sein. Wegen der geplanten Elektrifizierung der Bahnstrecke kann es jedoch passieren, dass 2027 dort überhaupt keine Züge halten.

Es ist ein Zielkonflikt, von dem momentan offenbar niemand weiß, wie er zu lösen ist. Die von den Anrainerkommunen seit Jahren geforderte Elektrifizierung der Niddertalbahn kommt endlich voran und wird in fünf Jahren mit dem oberhessischen Großereignis Landesgartenschau kollidieren. Zumindest spricht derzeit alles dafür.

Denn der Bau der Oberleitung und der abschnittweise zweigleisige Ausbau der 31 Kilometer langen Pendlerverbindung zwischen Stockheim und Bad Vilbel sollen 2027 beginnen, so eine Bahn-Sprecherin auf Anfrage. Das könnte bedeuten, dass der Zugverkehr stark eingeschränkt oder sogar komplett eingestellt wird, wenn Oberhessen sich herausputzt für die Landesgartenschau.

»Das wäre der Worst Case«, räumt Rolf Hartmann ein, stellvertretender Vorsitzender des Vereins Oberhessen, in dem die elf Gartenschau-Kommunen von Schotten bis Limeshain zusammengeschlossen sind. Mit 500 000 Besuchern rechnen die Planer von Planstatt Senner, die im Auftrag des Vereins Oberhessen die Machbarkeitsstudie für die Landesgartenschau erstellt haben. Das »Stockheimer Lieschen«, wie die Niddertalbahn im Volksmund genannt wird, gilt als wichtiger Zubringer aus dem Süden mit dem Bahnhof Stockheim als »zentrale Mobilitätsdrehscheibe in der Region«. Wie das aussehen könnte, zeigt eine Darstellung in der Studie: Fahrgäste steigen direkt am Bahnhof vom Zug um auf E-Bikes oder in einen Shuttlebus, um so die Gartenschau zu besuchen.

100 Millionen Euro

für Elektrifizierung

Das Vorhaben Niddertalbahn befinde sich derzeit noch in einer frühen Phase, so die Bahn-Sprecherin. »Zurzeit führen wir entlang der Strecke umfangreiche Erkundungsarbeiten durch.« Zum Jahresende soll die Vorplanung stehen. Eine belastbare Aussage zu den für die Bauphase erforderlichen Streckensperrungen sei derzeit nicht möglich. Grundsätzlich würden in diesem Fall Alternativen für den ÖPNV angeboten.

An beide Projekte, die Modernisierung der Bahnstrecke wie die Ausrichtung der Landesgartenschau, knüpfen sich große Hoffnungen. 100 Millionen Euro kostet der ersehnte Ausbau. Durch mehr und schnellere Züge sollen Kapazitätsengpässe beseitigt werden, denn das Fahrgastaufkommen wächst kontinuierlich. Zudem könnte der strukturschwache Ostkreis den Siedlungsdruck aus dem Ballungsraum aufnehmen, wenn es eine gute Bahnanbindung gibt.

Auch von der Landesgartenschau, die das Land Hessen mit 3,5 Millionen Euro fördert, soll die Region langfristig profitieren. Von Identitätsstärkung über einen Aufschwung des Tourismus bis hin zur Vernetzung von Wegen und Orten reichen die Erwartungen, um die Lebensqualität in den Kommunen zu verbessern.

Für kaum jemanden dürfte das Dilemma größer sein als für Henrike Strauch, denn die Glauburger Bürgermeisterin ist auch Vorsitzende des Vereins Oberhessen. Kann man da überhaupt Prioritäten setzen? »In meiner Brust schlagen zwei Herzen«, bekennt die Sozialdemokratin, »zum einen wünsche ich mir natürlich, dass die Baumaßnahmen am Bahnhof Stockheim sowie die Elektrifizierung baldmöglichst durchgeführt werden, zum anderen weiß ich, dass wir den Anschluss an die Bahn für die Landesgartenschau benötigen.« Sie sei in ständigem Austausch mit den verschiedenen Projektleitern, um stets aktuell informiert zu sein. Die Gemeinde jedenfalls werde ihre Hausaufgaben machen und an dem Ausbau des Busparkplatzes vor dem Bahnhof arbeiten, damit der auf jeden Fall zur Gartenschau tadellos ist.

Busbahnhof

vorantreiben

Wann die beabsichtigte Modernisierung des Stockheimer Bahnhofes beginnt, vermag die Sprecherin der Bahn ebenfalls nicht zu sagen. Auch diese befinde sich noch »in einer frühen Phase der Planung«.

Bei der Arbeitsgemeinschaft Nahverkehr Niddertal (AGNV), in der die Anrainerkommunen zusammengeschlossen sind, weiß man um das Problem. Allerdings: »Das Projekt Elektrifizierung ist so wichtig, da sollten wir keine Verzögerungen riskieren. Den Ausbau zu verschieben, wäre nicht zielführend. Wir warten darauf seit 1983«, sagt Rainer Vogel (Grüne), Erster Stadtrat von Nidderau und Geschäftsführer der AGNV.

Dass der Ausbau rechtzeitig zum Startschuss der Landesgartenschau fertig wird, hält er »für illusorisch«. Im Übrigen spricht er sich dafür aus, die Bahnstrecke während der Bauphase komplett zu sperren, das sei unter dem Strich kostengünstiger und auch nervenschonender. VON JUDITH SEIPEL

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