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Lange Dorheimer Sanges-Tradition

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Von: Harald Schuchardt

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Die New Tones feiern 2022 ihr 20-jähriges Bestehen. © Loni Schuchardt

In Dorheim gibt es eine lange Sanges-Tradition, die in diesem Jahr gefeiert werden soll. 175 Jahre ist es her, dass der Vorgänger der Sängergemeinschaft gegründet worden ist. Und seit 20 Jahren gibt es die New Tones. Gründe genug, um in die Geschichte des Dorheimer Gesangs zu blicken.

Vor 175 Jahren, am 15. November 1847, wurde der Singverein Dorheim gegründet, aus dem später die Sängergemeinschaft Dorheim hervorging. Dessen aktueller Chor New Tones besteht nunmehr 20 Jahre, sodass in diesem Jahr ein Doppeljubiläum gefeiert werden kann.

»Der Zweck des Vereins ist Bildung und Veredlung des Gesanges überhaupt und insbesondere des Kirchengesanges, nebenbei auch Erhöhung der geselligen Freuden«, heißt es in der Präambel der ersten Satzung des Vereins, der von einer »Anzahl junger Leute« gegründet wurde - »mit dem Wunsche, den früher bestandenen Singverein wieder neu aufleben zu lassen«. Über diesen ersten Verein ist allerdings nichts bekannt.

Ein Streit um die Vereinsfahne

In der Satzung wurden strenge Regeln festgeschrieben, darunter die Zahlung von »einem Kreuzer für Zuspätkommen«. Erhalten ist auch ein Protokoll, aus dem hervorgeht, dass 52 Männer am 10. Januar 1860 erneut einen Singverein gegründet haben. Zwei Jahre später wurde bei einer Hanauer Firma die erste Vereinsfahne in Auftrag gegeben. Sie kostete 190 Gulden, für die damalige Zeit eine große Investition des Vereins, der im März 1863 bekannt gab, wegen drohender »Überfüllung« keine »wirklichen Sänger« mehr aufzunehmen. Gleichzeitig wurde der Verein in »Germania Dorheim« umbenannt. Ende der 1860er Jahre geriet er in Schieflage und übergab die Fahne dem Kriegerverein. Der Verein »constitiuierte« sich jedoch neu und wollte die Fahne zurück haben. Vereinswirt Konrad Reuß IV, der die Fahne inzwischen besaß, verweigerte die Herausgabe, die vor Gericht erstritten wurde. Im Jahre 1952 entschloss sich der Verein dazu, die Fahne seinem Vorsitzenden Adam Sattler mit ins Grab zu geben.

In Zeiten der Arbeiterbewegung hatten einige Arbeiter 1908 den Gesangverein Maiengrün gegründet. Im Ersten Weltkrieg ruhten die Aktivitäten beider Vereine, die in den 1920er Jahren unter anderem Operetten aufführten und das 80-jährige Bestehen der Germania feierten. Der Arbeiterverein wurde nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 verboten. Nach dem Tod von Germania-Chorleiter Wilhelm Hachenberger im August 1943 kam auch in diesem Verein die ohnehin verringerte Tätigkeit vollständig zum Erliegen.

Nach Kriegsende gründeten 90 Aktive aus beiden Gesangvereinen im Jahre 1946 die heutige Sängergemeinschaft. Im März 1950 entstand unter der Leitung von Blindenoberlehrer Friedrich Funk der gemischte Chor mit 26 Männer- und 51 Frauenstimmen. Zum 110-jährigen Bestehen 1957 verlieh die Landesregierung im Rahmen eines Liedertages dem Verein die silberne Plakette. Funk leitete den Chor bis 1968, ihm folgte Kurt Hofmann, der zeitweise auch als Zweiter Vorsitzender aktiv war. 2006 beendete Hofmann seine Dirigententätigkeit. Mit einem dreitägigen Sängerfest wurde im Juli 1972 das 125-jährige Jubiläum groß gefeiert. Im Jahre 1980 übernahm mit Magdalena Donabauer erstmals eine Frau den Vereinsvorsitz. Seit 1995 steht Helga Urban an der Spitze.

Fünf Jahre später wurde der Kinderchor »Die Notenkünstler« gegründet, mit dabei war der heutige Chorleiter Tobias Lipka. Eine Zäsur gab es im Jahre 2006: Da kaum noch Männer aktiv waren, wurde mit 17 Sängerinnen der Frauenchor ins Leben gerufen, der sich schließlich 2017 auflöste. Bestehen blieb der 2001 gegründete »Junge Chor«, aus dem die New Tones mit aktuell 26 aktiven Mitgliedern wurden. Seit 2007 fungiert Lipka als Chorleiter, der somit auf bisher 15 Jahre als Dirigent zurückblicken kann.

Große Feier am 12. Juni

Bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie haben die New Tones unzählige erfolgreiche Auftritte absolviert und viele gemeinschaftliche Aktivitäten unternommen. Während der Lockdowns gab es Online-Proben und -Programme, doch nun freuen sich die Aktiven auf das gemeinsame Proben und Singen »live« und nicht am Bildschirm.

Das Doppeljubiläum in Dorheim wird am Sonntag, 12. Juni, ab 11 Uhr in der Kleingartenanlage groß gefeiert.

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