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Das Urteil des Landgerichts Gießen gegen den ehemaligen Limeshainer ist bereits rechtskräftig, weil sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung auf die Möglichkeit der Revision verzichten. SYMBOLFOTO: IMAGO/ALEXANDER LIMBACH

Drogenhandel in der Wetterau

Bewährung für Mann mit neuer Identität außer Reichweite

Der ehemalige Limeshainer erhielt zwar eine neue Identität, doch da der 35-Jährige selbst gleich in 18 Fällen des Handelns mit Betäubungsmitteln angeklagt war, war eine Bewährung für ihn nicht drin.

Staatsanwältin Mareen Fischer wusste vor der 2. Großen Strafkammer den mutigen Schritt des Beschuldigten zu würdigen, der als Belastungszeuge gegen Mitglieder der internationalen Bandenkriminalität große Bedeutung erlangte.

»Doch wegen seiner eigenen Verstrickung in so vielen Fällen lässt sich beim besten Willen keine Bewährung vertreten, zumal der Mann nicht nur mit leichten Drogen, sondern auch mit Kokain gehandelt hat.«

Wegen Rauschgifthandelns in 18 Fällen verurteilte das Landgericht Gießen den ehemaligen Limeshainer schließlich zur milden Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten.

In ihrem Plädoyer ließ Fischer in dem Zusammenhang aber auch wissen, dass bei einer ganz normalen Ausgangslage eine Haftstrafe von mehr als fünf Jahren den rechtlichen Spielraum bestimmt hätte, wobei der Vorsitzende Richter Jost Holtzmann während seiner Urteilsbegründung hinzufügte, das Ganze hätte sich sogar auf den Bereich von sieben Jahren erhöhen können, wenn der Beschuldigte ganz und gar geschwiegen hätte.

Drogenhandel in der Wetterau: Zwei Jahre und zehn Monate Haft

So also fand das Gericht unter den tatsächlich gegebenen Bedingungen mit zwei Jahren und zehn Monaten Haft eine Lösung, die allen Seiten gerecht wurde. Allerdings wurde dem Angeklagten auch eine Zahlung von etwa 84 000 Euro auferlegt, die sich aus den umgesetzten Rauschgiftmengen ergeben.

Das Urteil ist deswegen bereits rechtskräftig, weil sowohl Verteidigung als auch Staatsanwaltschaft schon im Gerichtssaal auf die Möglichkeit der Revision verzichteten.

Der ehemalige Limeshainer lebt mittlerweile an einem geheimen Ort in Deutschland, geht einem normalen Job nach und soll nach Angaben von Holtzmann auch mit Antritt der Haft in einer JVA untergebracht werden, die weit weg von hiesigen Gefilden angesiedelt ist. Denn im speziellen Milieu ist seine Person »verbrannt« und wäre bei Wiedererkennung großen Gefahren ausgesetzt.

Der Richter wies noch einmal darauf hin, welchen Wert die Aussagen des ehemaligen Dealers für Polizei und Justiz aufweisen. In Rauschgiftkreisen von Wetterau und Main-Kinzig habe der Angeklagte gute Kontakte »auf sehr hoher Ebene« gepflegt.

Erst versah er als Buchhalter für einen befreundeten Dealer seinen Job, doch als dieser zunehmend überfordert war mit dem Ganzen, sei der 35-Jährige voll und ganz in das Geschäft eingestiegen.

Drogenhandel in der Wetterau: Penible Buchführung

Dabei führte er ständig penibel Buch, sodass die Ermittler allerbeste schriftliche Unterlagen vorfanden, die sofort verwertbar waren.

Außerdem stellte der Angeklagte eine enge Bindung her zu einer Person, die mehrere Kurierfahrer professionell für sich arbeiten ließ beim Rauschgiftverkauf. Jemand, der oben in der kriminellen Liga spielte und nun durch die Angaben des ehemaligen Limeshainers ein echtes Problem hat mit der Justiz.

Bei den Aktivitäten des Beschuldigten stellte sich allerdings auch heraus, dass dieser zweifellos einen hohen Anteil an Eigenverbrauch einbrachte und zuletzt die harte Droge Kokain den Konsum dominierte. Seitdem er im Juni 2020 aufgeflogen war, ist der Mann nach eigenen Angaben jedoch »clean«.

Drogenhandel in der Wetterau: Mafiöse Strukturen

Der Angeklagte habe dann gegenüber der Polizei Angaben machen können, so Holtzmann, die komplette Hintergründe in mafiöse Strukturen aufgezeigt hätten, was auch schon zu weiteren Verhaftungen geführt habe. Der Richter: »Das war ein echter Schlag gegen die Wetterauer Betäubungsmittelszene.«

Angefangen haben die hiesigen Ermittlungserfolge der Polizei jedoch schon früher: Als im März dieses Jahres vor dem Gießener Landgericht das Urteil gegen ein Rauschgift-Pärchen aus Nidda mit mehr als sechs Jahren Haft für den Mann und über vier Jahren für die Frau gesprochen wurde, da war nämlich einige Zeit zuvor ein Beschlagnahmungs-Coup großer Betäubungsmittelmengen gelungen, der letztendlich auch zu dem Limeshainer führte und dessen Verhaftung zur Folge hatte.

Nun ist dieser Teil juristisch aufgearbeitet. Mit einem Urteil, das dem Beschuldigten alle Möglichkeiten lässt, sich wieder gesellschaftlich zu integrieren. Wenn auch mit anderer Identität.

Dieser Artikel stammt aus der Wetterauer Zeitung.

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