1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis
  4. Limeshain

BUND und BI machen im Gewerbegebiet Limes gegen Logistikhalle mobil

Erstellt:

Von: Jürgen W. Niehoff

Kommentare

cwo_JWNlogistik_250522_4c_1
Rund 30 Kritiker der neuen Logistikhalle im Gewerbegebiet Limes finden sich zu einer Mahnwache gegen den Bau ein. Diesen halten sie für rechtswidrig und fordern den sofortigen Rückbau. FOTOS: NIEHOFF © Jürgen W. Niehoff

Die einen feiern Richtfest, die anderen protestieren gegen ein aus ihrer Sicht rechtswidrig entstandenes Gebäude. Im Gewerbegebiet Limes prallten erneut gegensätzlichen Ansichten aufeinander.

F eier und Protest nebeneinander. Vertreter des BUND-Kreisverbands Wetterau und der Bürgerinitiative »Schatzboden« aus Limeshain nahmen das Richtfest für die dritte große Logistikhalle im gemeinsamen Gewerbegebiet Limes der Kommunen Hammersbach, Limeshain und Büdingen am Dienstagvormittag zum Anlass für eine Mahnwache gegen den Bau der Halle.

Rund 30 Gegnerinnen und Gegner des Bauvorhabens, alle aus diesem Anlass schwarz gekleidet, waren an diesem Vormittag auf ein abgegrenztes Gelände unmittelbar neben dem Hallenneubau zusammengekommen. »Der Bau ist nicht rechtens. Und deshalb handelt es sich hier um einen Schwarzbau, der umgehend wieder abgerissen werden muss«, forderte Dr. Werner Neumann im Namen des BUND-Kreisverbands und der Bürgerinitiative »Schatzboden«.

Und dann zählte er die Gründe auf, weshalb es sich aus seiner Sicht bei dem Neubau, bei dem man, wie gesagt, parallel zur Mahnwache Richtfest feierte, um einen Schwarzbau handeln würde.

So sei der ursprüngliche Beschluss zum Bau des gesamten Logistikzentrums vor etwa fünf Jahren rechtswidrig ergangenen, weil er nach der Satzung des Zweckverbands hätte einstimmig erfolgen müssen, so Neumann. Es habe damals jedoch drei Gegenstimmen gegeben.

Somit sei auch der Erlass des neuerlichen Bebauungsplans für die dritte Halle im vergangenen Herbst rechtswidrig. Und obwohl der Flächennutzungsplan zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal geändert gewesen sei, habe man trotzdem bereits im November mit dem Bau der Halle begonnen und in einer Rekordbauzeit von nur sieben Monaten auch fertiggestellt.

»Das nenne ich Hammersbacher Landrecht unter Aufsicht des selbstherrlichen Hammersbacher Bürgermeisters Michael Göllner«, griff Neumann den Hammersbacher Bürgermeister persönlich an.

BUND und BI reichten Klage ein

Göller mache sich sein Recht selbst und verstoße damit gegen alle demokratischen Spielregeln. Der Bau, gegen den BUND und Bürgerinitiative inzwischen Klage eingereicht haben, hätte zehn Hektar beziehungsweise 200 000 Tonnen Ackerbodens vernichtet. Diese Erde habe nicht nur CO2 gebunden, sondern sei zugleich auch Lebensraum für mehr als 2000 Arten Kleinstlebewesen sowie für Feldlerchen, Rebhühner und Hasen gewesen.

Auch leide das Grundwasser unter diesem Bauvorhaben. Deshalb müsse die Halle umgehend wieder abgerissen werden. »Und wie bei der Berliner Mauer werden wir dabei mit Hämmern kräftig Hilfe leisten«, versprach Neumann unter dem Beifall der Anwesenden.

Er stellte sodann auch die Behauptung Göllners infrage, dass die Gemeinde nach Fertigstellung des Bauvorhabens jährlich 150 000 Euro Gewerbesteuer einnehmen werde. Nach Abzug der Kreis- und Schulumlage und den sonstigen Kosten blieben davon allenfalls zehn Prozent übrig. »Und wenn man die Kosen für die notwendige Infrastruktur und die Verwaltungskosten davon noch abzieht, wird es am Ende ein Zuschussgeschäft für die Gemeinde«, rechnete Neumann vor.

Er bemängelte sodann, dass man auch den Versprechen des Bauherrn und der Gemeinde hinsichtlich der Ausgleichsmaßnahmen für den Naturschutz wegen des Bauvorhabens nicht trauen könne. »Davon ist nur die Hälfte wirklich umgesetzt. Und auch die wird von den Kommunen kaum gepflegt«, so Neumann weiter.

Heimische Betriebe statt große Hallen

»Wenn schon Bebauung, dann hätte man an dieser Stelle lieber Platz für mittelständisches und heimisches Gewerbe schaffen sollen. Interessenten gab und gibt es genug«, stimmte auch die Grünen-Kreistagspolitikerin Sylvia Klein aus Büdingen den Protesten zu. Das sei bei Gründung des Zweckverband ursprünglich auch so verabredet gewesen, weil man so nachhaltig Arbeitsplätze geschaffen hätte, sehr zum Vorteil der Region.

Nicht einverstanden mit dem Logistikzentrum zeigte sich auch Landwirt Hans-Ludwig Stumpf aus Himbach: »Wenn sich alle so verhalten hätten, wie Werner Kraft hier, der seinen Acker nicht verkauft hat, um die Natur zu erhalten, dann bräuchten wir uns um unsere Zukunft keine Sorgen machen«, lautete seine Einschätzung.

Gut eine Stunde dauerte die Mahnwache auf dem kleinen Grundstück von Werner Kraft, umgeben von den großen Hallen. Diese Zeit nutzten die Hammerbacher Ordnungskräfte, um Protokolle wegen widerrechtlicher Nutzung des Feldwegs an die Teilnehmer der Mahnwache zu verteilen.

Auch interessant

Kommentare