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Lißberg: Seit 800 Jahren ein Stück Heimat und Identität

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Der Bürgermeister der fränkischen Partnergemeinde, Michael Bergrab, Stadtverordnetenvorsteherin Ute Arendt-Söhngen, Ortsvorsteher Rudolf Kramny, Bürgermeisterin Ulrike Pfeiffer-Pantring und Kreisbeigeordneter Matthias Walther (v.l.) feiern mit den Lißbergern und würdigen das ehrenamtliche Engagement, das das Fest erst möglich machte. © Oliver Potengowski

Erste Siedlungsspuren lassen sich bereits aus der Keltenzeit nachweisen, die schriftlich belegte Gründung erfolgte dann vor 800 Jahren. Grund genug für Lißberg, sein Jubiläum ausgiebig zu feiern.

Vor 800 Jahren fand Lißberg erstmals urkundlich Erwähnung. In der locker gestalteten akademischen Jubiläumsfeier blieb neben dem kurzen Abriss der Geschichte des Ortes auch ausreichend Raum für Anekdoten. So erinnerten sich Ortsvorsteher Rudolf Kramny wie auch der Bürgermeister der Partnergemeinde Lisberg im Steigerwald, dass man ihnen in ihrer Jugend jeweils falsche Ansichten der heimatlichen Burgen präsentierte. In Lißberg zierte die fränkische Burg sogar die Festschrift zum 750-jährigen Bestehen.

Kramny nahm als 17-Jähriger bereits am damaligen Jubiläum teil, wie er berichtete. Ein Erlebnis, auf das er mit gemischten Gefühlen zurückblickt. Damals habe er als Teilnehmer des Festzugs gelernt, dass man sich in eine Gemeinschaft mit Rat und Tat einbringt. Prägend war für ihn auch, dass, je näher der Kommersabend rückte, die Zahl der Helfer stetig abnahm. »Zum Schluss gab es im Bereich der Firma Betz, wo sich der Festzug aufstellte, nur noch zwei Helfer«, erzählte er. Ihn selbst und Hans Haas, der habe ihm gesagt, dass sie dann eben zu zweit ihre Aufgabe zu Ende brächten.

Jubiläumsfeier

zunächst unsicher

Wohl auch mit diesen Erinnerungen im Kopf sei es keineswegs sicher gewesen, dass man das 800-jährige Bestehen Lißbergs feiern könne. Als 2018 Kai Koppel das anstehende Jubiläum in einer Ortsbeiratssitzung erwähnte, habe man die Entscheidung zunächst verschoben. »Erst einmal aussitzen, kennt man ja aus der großen Politik.« Die Entscheidung, das Jubiläum dann doch zu feiern, sei schließlich Anfang 2019 bei einem Treffen der Lißberger Vereine, des Kindergartens, interessierter Bürgerinnen und Bürger und des Ortsbeirats in der Bürgerstiftung gefallen.

Bürgermeisterin Ulrike Pfeiffer-Pantring lobte dieses Engagement. »Ich erlebe immer wieder, dass einzelne Akteure aus Lißberg vorangehen.« Das habe dazu beigetragen, dass der Ort einen eigenen lebendigen Charakter als »Stadt in der Stadt« habe. In diesem Zusammenhang erwähnte sie die Bedeutung Lißbergs in der Mitte der Bonifatiusroute. »Ich hoffe, dass wir 2027 hier erleben mit dem geografischen Mittelpunkt der Landesgartenschau in Hessen.« Auch Stadtverordnetenvorsteherin Ute Arendt-Söhngen würdigte das ehrenamtliche Engagement, als sie zum Schluss ihres Grußworts eine Spende an die Bürgerstiftung überreichte.

Der Kreisbeigeordnete Matthias Walther erinnerte daran, dass 2022 ein Jahr der Geburtstage sei. Der Wetteraukreis feiere sein 50-jähriges Bestehen. »Sie sind uns da schon einige Jahrhunderte voraus.« Mit 800 Jahren sei Lißberg so alt wie Marburg, die »Wiege Hessens«. Walther betonte die Bedeutung der Infrastruktur insbesondere leistungsfähiger Internetanschlüsse, um die Orte fernab von Autobahn und Bahnanschlüssen lebendig zu halten. Dafür sei er als Dezernent zuständig. Aber auch das Engagement der Menschen vor Ort sei notwendig. »Sie alle sorgen dafür, dass Lißberg nicht nur irgendein Ort in der Wetterau ist, sondern für viele Menschen Heimat und Identität bedeutet.«

Diese Identität wird auch aus der Geschichte genährt. Christian Vogel erinnerte in drei frei gehaltenen Vorträgen an die Besonderheiten der früheren Stadt. Dabei verwies er auf die keltischen Wurzeln der Besiedlung, von denen bis in die 30er Jahre ein deutlich sichtbarer Ringwall erhalten gewesen sei. Diesen hätten die Nationalsozialisten »in einer völlig schwachsinnigen Aktion eingeebnet«. Lißberg habe als Befestigung einer keltischen Straßenverbindung nach Osten in Verbindung mit dem Glauberg Bedeutung gehabt.

Festmusik

mit Ortsbezug

Deutlich besser als diese frühe Geschichte ist die Zeit seit der Wiederbesiedlung dokumentiert. So sei Lißberg der seltene Fall, bei dem die urkundliche Erwähnung in zeitlicher Nähe zur Gründung liege. Dass der Ort von Hochadel gegründet wurde, sei auch eine Besonderheit. Darüber hinaus wechselte die Stadt als eine der ersten zum protestantischen Glauben. Sichtbares Zeugnis dieser Zeit ist die 1618 als evangelisches Gotteshaus erbaute Kirche. Deren ehemaliger Pfarrer Kurt Racky umrahmte mit dem Bonifatiusensemble die akademische Feier. Dazu wählte er Werke aus, die in einem Bezug zur Stadtgeschichte stehen. Bei der Instrumentierung griffen Racky und seine Musikerinnen und Musiker auf Nachbauten mittelalterlicher Instrumente zurück.

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Rudolf Kramny präsentiert die Ansicht der Burg Lisberg im Steigerwald, ein Geschenk der Partnergemeinde. © Oliver Potengowski
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Das Bonifatiusensemble um seinen Leiter Kurt Racky (sitzend, r.) umrahmt den Festakt musikalisch. © Oliver Potengowski

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