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Lob des Selbstzweifels

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Von: red Redaktion

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keh_sonntag_010422_4c © pv

In Zeitschriften oder Büchern zur Lebensberatung findet man immer wieder Sätze, dass man seine Zweifel ablegen und selbstbewusst handeln soll. Es ist sicher unstrittig, dass zu viele Selbstzweifel belastend sind und lähmen können. Andererseits sind Menschen, die frei von Selbstzweifeln sind, viel bedenklicher. Die meisten von uns werden aus dem privaten Umfeld diese unangenehmen Typen kennen, die glauben, immer Recht zu haben.

Und in der großen Politik sind sie nicht nur unangenehm, sondern gefährlich. Ganz aktuell der kriegführende Putin, aber man kann auch an weitere gegenwärtige Autokraten, Diktatoren oder den ehemaligen amerikanischen Präsidenten denken. Sie sind so von sich überzeugt, dass es krank wirkt.

Aber ist es wichtig, Zweifel an sich selbst oder der eigenen Meinung nicht wegzudrängen, sondern zuzulassen. Es bewahrt vor Überheblichkeit, es hilft, sich in seinen Fähigkeiten oder Eigenschaften zu verbessern und es macht fähig zum Dialog und zum Zuhören. Denn so lange ich mir wenigstens einen kleinen Teil an Zweifeln erhalten habe, kann ich ein Gespräch oder einen Streit immer mit der Haltung führen, dass mein Gegenüber eventuell doch recht haben könnte - und das ist ja die Voraussetzung eines wirklichen Dialogs.

An Gründonnerstag, hören die Gottesdienstbesucher von den Selbstzweifeln Jesu. Er hat die Todesgefahr gesehen und am Ölberg gebetet. Voll Angst und Zweifel hat er Gott, seinen Vater, gefragt, ob dies wirklich der richtige Weg für ihn ist. Sein Zweifel hat zum Gebet, zum Dialog mit Gott geführt. Und wenn schon der Sohn Gottes zweifelt, wie viel mehr sollte es dann uns erlaubt sein.

Andreas Münster ,

Dekanatsreferent des Dekanates Wetterau-West

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