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Logistikzentrum ist vom Tisch

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Von: Jürgen W. Niehoff

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55 000 Quadratmeter umfasst das Fichter-Gelände in der Waldsiedlung. Gut 22 000 davon will die Gemeinde Altenstadt nun kaufen. Der Bau von mehreren großen Logistikhallen dort ist damit vom Tisch. ARCHIV-FOTO: SEIPEL © Judith Seipel

Die Gemeinde Altenstadt kauft gut 22 000 Quadratmeter des brach liegenden Fichter-Geländes in der Waldsiedlung. Zu welchem Preis, ist noch offen. Insgesamt aber scheint sich eine Entscheidung über die Zukunft der insgesamt 55 000 Quadratmeter großen Fläche mitten im Ort weiter in die Länge zu ziehen.

Die Gemeindevertretung Altenstadt hat in ihrer Sitzung am Freitagabend in der Altenstadthalle zwar dem Ankauf eines Teils des Fichter-Grundstücks mit einer Größe von 22 334 Quadratmetern mit 18 Ja- und elf Nein-Stimmen bei zwei Enthaltungen zugestimmt, jedoch weiß momentan noch niemand, wie hoch der Kaufpreis am Ende ausfallen wird. Weil gegen die ursprünglichen Pläne des Investors Panattoni GmbH, auf dem gesamten Gelände mit einer Größe von 55 000 Quadratmetern vier Logistikhallen errichten zu wollen, die Bevölkerung Sturm gelaufen ist, hat das Unternehmen schließlich seine Pläne geändert.

Jetzt will der Projektentwickler für Industrieimmobilien nur noch die Hälfte des Grundstücks kaufen und auch nur noch eine Großhalle darauf errichten. Dem Kauf des restlichen Geländes durch die Gemeinde Altenstadt stimme Panattoni ausdrücklich zu.

SPD und FDP stimmen dagegen

Zugestimmt hat dem Kauf nun auch die Gemeindevertretung, wenn auch nur mehrheitlich. gegen den Kauf haben sich nämlich die Fraktionen von SPD und FDP ausgesprochen. Die Sozialdemokraten wollten dem Ankauf nur für einen Preis von maximal 105 Euro pro Quadratmeter zustimmen. Da der Verkaufspreis für ein normales Gewerbegrundstück in Altenstadt und Umgebung momentan bei etwa 70 Euro pro Quadratmeter liege, komme das Verkehrsgutachten mit 105 Euro für das Fichter-Gelände schon zu einem deutlich höheren Preis. Der dürfe auf keinen Fall überschritten werden, denn anders als CDU, die Grünen sowie die Bürgerinitiative aus der Waldsiedlung behaupteten, liege das Grundstück nicht so zentral und werde deshalb auch niemals zum Ortsmittelpunkt gehören.

»Betrachtet man die gegenwärtige Inflationsrate und die steigenden Rohstoffpreise, dann wird ein Großteil des Grundstückes anschließend sowieso brach liegen bleiben. Warum soll dann die Gemeinde eine Million Euro mehr für das Grundstück ausgeben, als es wert ist«, rechnete der SPD-Fraktionsvorsitzende Jan Voß vor.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam auch die FDP. »Sie gehen zu leichtsinnig mit den Steuergeldern der Bürger um, wenn sie bereit sind, einen derart hohen Preis zu zahlen«, wandte sich die Fraktionsvorsitzende Natascha Baumann an die Fraktionen von CDU und Grünen. Sie unterstellte den beiden Fraktionen, einen überzogenen Preis akzeptieren zu wollen, um einer kleinen Minderheit, nämlich der Bürgerinitiative Waldsiedlung, einen Gefallen tun zu wollen. Baumann rechnete vor, dass der Gemeinde beim Kauf des Grundstückes sogar Kosten in Höhe von rund fünf bis sieben Millionen Euro entstehen würden. »Das entspricht einem Preis von 215 Euro je Quadratmeter, und das für eine Gewerbefläche beziehungsweise für ein mögliches Mischgebiet«, so Baumann.

120 Euro für einen Quadratmeter

Hinzu käme voraussichtlich, dass ein Teil der Fläche (5 500 bis 6 000 Quadratmeter) nicht bebaut und somit auch nicht weiterverkauft werden dürfe. Dies erhöhe den kostendeckenden Verkaufspreis für die Restfläche auf knapp 250 Euro je Quadratmeter.

Ganz anders hingegen argumentierten CDU und Grüne. »Verkehrswert ist nicht gleich Marktwert. Und deshalb werden wir sicherlich das Grundstück nicht zum Verkehrswertpreis von 105 Euro kaufen können. Das wäre realitätsfern«, verteidigte CDU-Fraktionschef Sven Müller-Winter den gemeinsamen Beschlussvorschlag mit den Grünen. »Aber wenn wir eine Chance haben, Altenstadt an dem Ort nach unseren Wünschen weiterzuentwickeln und zwar zukunftsgerecht, dann sollten wir uns dies nicht entgehen lassen.« Müller-Winter verwies auf ein anderes Mischgebiet in der Gemeinde, nämlich »Bei den Lochäckern«. Da habe der Grundstückpreis auch 120 Euro betragen.

In einem Änderungsantrag schlugen daher CDU und die Grünen vor, die südliche Teilfläche des Fichter-Geländes für 2,8 Millionen Euro, das sind 130 Euro pro Quadratmeter, kaufen zu wollen. Nach dem gemeinsamen Vorschlag soll sich der Kaufpreis sogar um 450 000 Euro auf 3.25 Millionen Euro erhöhen, wenn das Gelände rechtswirksam in ein Mischgebiet umgewandelt werden kann. Das wäre dann ein Quadratmeterpreis von 150 Euro.

Diesem Beschlussvorschlag wurde sodann mehrheitlich zugestimmt.

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