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Lokalmatador spielt Lokalmatador

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Von: Cathrin Lutz

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Gisela Steder vom Kichenvorstand, Organist Christoph Brückner, Pfarrerin Andrea Krügler, Ideengeber Rolf Lutz und Hans-Martin Kaiser von der »Rinck-Gesellschaft« (v.l.) freuen sich auf ein ansprechendes Konzert in Stammheims Kirche. FOTO: LUTZ © Cathrin Lutz

Stammheim (cat). »Ein sehr schönes Orgelkonzert. Ich bin begeistert von der Musik, die Christoph Brückner auf der alten Stammheimer Orgel spielte.« Mit diesen Worten kommentierte eine zufriedene Besucherin das von den evangelischen Kirchengemeinden Stammheim und Staden veranstaltete Orgelkonzert mit dem Limeshainer Organisten. Die Besucherzahlen waren jedoch überschaubar.

Im Mittelpunkt seines Auftritts standen Kompositionen des früher in Stammheim und Staden tätigen Pfarrers Peter Müller (1839-1871), der während seiner Dienstzeit auch Lieder für Chöre, für Volksschulen und Kompositionen für die Orgel schuf. In Friedberg war Müller zuvor als Leiter des großherzoglichen Lehrerseminars tätig gewesen.

Spiel mit viel Feingefühl

Der Arbeitskreis Dorfgeschichte unter Leitung von Rolf Lutz hatte den Nachlass des musikbegeisterten Pfarrers dem in der Wetterau sehr bekannten und anerkannten Organisten Christoph Brückner zur Sichtung gegeben. Dieser konstatierte nach der Prüfung der erhalten gebliebenen Notenblätter: »Vor allem die Chorwerke inspirierten mich. Obwohl die Stücke relativ kurz sind, entschied ich mich für Variationen dazu.«

Mit viel Können und spürbarem Feingefühl ließ Brückner die 1751 gebaute Stammheimer Orgel erklingen. Seine Begeisterung für die Musik Müllers ließ sich förmlich aus dem Orgelspiel heraushören. Gespannt lauschten die Gäste seinem Vortrag. So gelang es Brückner vortrefflich, die Klangfülle der Orgel vollkommen und zur Freude seines Publikums auszureizen. Im ersten Teil des Konzerts standen die Melodien des ehemaligen Stadener und Stammheimer Pfarrers im Zentrum. Im zweiten Teil erklangen dann Kompositionen von Mozart, Mendelssohn, Chopin, Schumann und Johann Christian Heinrich Rinck (1770-1846). Rinck und Peter Müller waren damals beide im Auftrag des Großherzogs für die Ausbildung von Lehrern und Organisten zuständig. Rinck in Darmstadt und Müller in der Wetterau. Insofern gab es zahlreiche Berührungspunkte. Menschlich gesehen funktionierte die Zusammenarbeit nicht immer harmonisch, da beide unterschiedliche Auffassungen zum Orgelspiel vertraten.

Schön für die Gastgeber war auch der Besuch von Vertretern der »Rinck-Gesellschaft« in Stammheim. Sie lobten nach dem Konzert Brückners Interpretation der Werke Müllers. Die »Rinck-Gesellschaft« macht es sich zur Aufgabe, seine Werke wieder verstärkt der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Bemühungen der Kirchengemeinden, die Erinnerung an Müller in Stammheim und Staden wachzuhalten, bezeichnete Hans-Martin Kaiser von der »Rinck-Gesellschaft« als gelungen.

Broschüre über Müllers Leben

In der Pause genossen Besucherinnen und Besucher Wein aus der Stammheimer Weingegend und frische Brötchen. Christoph Brückner hatte die Idee, »Herrn Müller mit Frau Müller-(Thurgau)« zum Ideenaustausch zusammenzubringen. Wer mehr über das Leben und Wirken Müllers erfahren wollte, dem empfahl Pfarrerin Andrea Krügler den Kauf einer 40 Seiten umfassenden Broschüre, die Rolf Lutz erstellt hatte. Zum Abschluss spielte Christoph Brückner das weltberühmte »La Paloma« und verteilte selbst gebastelte »Friedenstauben« als Zeichen gegen den in der Ukraine wütenden Krieg. Das Orgelkonzert hätte einen weitaus besseren Besuch verdient.

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