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Lolli-Tests, um die Kleinsten zu schützen

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Von: Petra Ihm-Fahle

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Lolli-Tests bieten eine hohe Sicherheit. Sie werden nun auch in den Kindertagesstätten in Nidda eingeführt. © pv

Mit großer Mehrheit beschloss das Niddaer Parlament während der jüngsten Sitzung, kostenlose Tests für Kindertagesstätten zur Verfügung zu stellen. Bei der Debatte wurde es kurz laut.

Marcus Stadler ist dafür bekannt, in Wortbeiträgen anderer Redner stets auch etwas Gutes zu finden. Nun aber kam ein Moment, in dem der Grünen-Fraktionsvorsitzende klar auf Kontra ging, denn er sei fassungslos. »Ich will nicht in einer Gesellschaft leben, wo wir kein Geld haben, um Kinder zu testen«, betonte er. Für alles andere sei schließlich auch Geld da. Ein »Bravo!« und lautes Klopfen aus der SPD-Fraktion folgten seinen Sätzen jüngst im Niddaer Parlament. Stadler war auf eine Stellungnahme der Bürger-Liste (BL) zu einem SPD-Antrag eingegangen, der zum Ziel hatte, kindgerechte »Lolli-Pool-PCR-Tests« in Kindertagesstätten einzuführen. Zwei kostenlose Tests pro Kind wöchentlich, dies für die städtischen Kitas sowie die evangelische Kindertagesstätte und die Kitas in Borsdorf und Wallernhausen.

Langzeitfolgen bei Kindern vermeiden

Für die Sozialdemokraten hatte deren Fraktionsvorsitzender Thomas Jungermann engagiert begründet, wieso die kostenlosen Lolli-Tests eine gute Sache in der Pandemie wären. Wie Jungermann ausführte, gehören junge Menschen zu den Hauptleidtragenden der Corona-Krise, etwa wegen der unzureichenden digitalen Infrastruktur in Universitäten und Schulen. »Was mich aber komplett konsterniert hat, war die Information, dass es keine gesetzliche Regelung zur flächendeckenden Testung in Kindertageseinrichtungen gibt.« Sofern doch Tests erfolgen, ist laut Jungermann eine Kostenübernahme nicht vorgesehen. »Und falls doch, dann nur anteilig und auf freiwilliger Basis.« Für Kinder unter fünf Jahren gebe es noch keine Corona-Schutzimpfung. Nicht zu testen bedeute insofern, dass mögliche Langzeitfolgen die Gesundheit der Kinder beeinträchtigen könnten. Jungermann: »Die SPD-Fraktion hat sich in ihrem Antrag entschieden, die sicherste Variante zu fordern, also die Testung mit PCR-Tests.« Kommunen könnten laut dem Land selbst entscheiden, welche Testform sie anbieten. Darüber hinaus stellte das Hessische Finanzministerium nach Worten von Jungermann in Aussicht, sich an den Kosten zu beteiligen. »Das Land Hessen stellt insgesamt 16 Millionen Euro zur Verfügung«, sagte er. Gerade einmal elf Prozent der Fördersumme hätten die Kommunen laut einer Pressemitteilung aus dem Januar bisher aber erst abgerufen. Wie Dr. Wilfried Schneider (BL) bestätigte, ist es wichtig, die Kleinsten in der Gesellschaft zu schützen.

Die Erzieherinnen dürfen nicht testen

Die BL hatte allerdings noch Klärungsbedarf. Es gebe keine Testpflicht für Kinder in Kitas und der Kindertagespflege. »Daher stellt sich die Frage, ob die Eltern mit der Testung einverstanden sind, denn nur, wenn alle Kinder getestet sind, macht es Sinn«, sagte er. Da die Erzieherinnen die Tests bei den Kindern nicht ausführen dürften, müssten es entweder die Kinder oder die Eltern tun. »Ein Missbrauch muss ausgeschlossen werden, das heißt, die Testdurchführung ist mir noch nicht klar«, sagte er. Auch fragte er, wie viel Geld auf die Stadt Nidda zukäme. Schneider rechnete vor, dass Florstadt Kosten von 3800 bis 4500 Euro wöchentlich habe, dies bei deutlich weniger Einwohnern und drei Tests pro Woche. »Ich komme für Nidda auf 6000 Euro wöchentlich - das ist viel«, stellte er fest. Er wollte wissen, wie die Kostenerstattung erfolge und wie hoch der Arbeitsaufwand in der Verwaltung sei. Schneider zitierte aus dem Flyer des Robert-Koch-Instituts (RKI), wonach die Tests in einem gemeinsamen Röhrchen gesammelt und ins Labor gebracht werden. »Die Ergebnisse kann man erst nach einem Tag sehen, das macht keinen Sinn. Schnelltests sind wirksamer, um jemanden gleich nach Hause zu schicken«, gab er zu bedenken. Schneider beantragte die Überweisung in den städtischen Ausschuss für Soziales.

»Wir müssen es jetzt machen«, betonte Stadler. Der SPD-Antrag sei ausgezeichnet - es mache keinen Sinn, Zeit durch eine Diskussion im Ausschuss zu verlieren. »Pool-Tests haben sich gut bewährt, es ist für die Kinder die schnellste Möglichkeit, zu einem Ergebnis zu kommen«, sagte er. Mit großer Mehrheit, auch einigen Stimmen aus der BL, beschloss das Parlament den SPD-Antrag.

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