1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis

Lothar Keils neue Ideen für das Büdinger Sandrosen-Museum

Erstellt:

Kommentare

cwo_GIAsandrosen1_060522_4c
Mit Samt bezogene Sitzbänke laden im Rosenzimmer zum Verweilen ein. Die Vitrine in der Mitte dreht sich um ihre eigene Achse mit unzähligen Fundstücken. © Georgia Lori

Fast anderthalb Jahre ist es her, dass das Büdinger Sandrosen-Museum durch das schwere Hochwasser stark beschädigt wurde. Museumsleiter Lothar Keil sieht aber nicht nur die Nachteile.

D as Büdinger Sandrosen-Museum hat wieder geöffnet und zeigt sich mit neuen Sitzmöbeln, einer Schausammlung von Julian Keil und vielen neuen Ideen, wie wechselnden Sonderausstellungen. Auch eine besondere Überraschung soll es in diesem Jahr geben, über die Museumsleiter Lothar Keil aktuell noch nicht sprechen möchte. Ein Besuch ist schon jetzt lohnenswert und garantiert das geologische Miniaturformat der Wetterau in der besonderen Atmosphäre zweier Sandsteintürme.

Das Hochwasser Ende Januar 2021 stand meterhoch. Auch die beiden Türme des Jerusalemer Tors waren davon betroffen, in denen das Sandrosen-Museum beheimatet ist. Die Sockel der Vitrinen, kleinere Möbelstücke und Ausstellungsgegenstände fielen dem Wasser zum Opfer. Der Hauptschaden entstand im zweiten Stock. »Die Stromverteiler der Stadt standen unter Wasser und begannen zu kochen. Der Wasserrand stieg an den Wänden hoch, lief wieder herunter und zerstörte den Sockel der Vitrinen aus Pressspan. Sie bogen und neigten sich, weil sie von dem schweren Sicherheitsglas und den Ausstellungsstücken belastet waren«, erklärt Lothar Keil. Mit Helfern stützte er die Vitrinen ab, um die darin befindlichen Exponate zu retten. Glücklicherweise konnte man die geologischen Schätze retten.

Der Hauptschaden jedoch ist unwiederbringlich. Von den Farbsanden der Wetterau, die Keil fast 50 Jahre gesammelt hat, sind 40 verschiedene in Eimern gelagerte Farben durch das Hochwasser verloren gegangen. »Es war der einzige Moment, an dem ich wirklich Tränen in den Augen hatte«, sagt Keil. Viele Helfer und Spender trugen dann dazu bei, dass das Museum nun im Mai wieder eröffnen konnte. Freitag, Samstag und Sonntag sowie an Feiertagen hat das Museum von 14 Uhr bis 17 Uhr geöffnet oder nach Vereinbarung unter Telefon 0160/91355473. Erwachsene zahlen drei Euro, Kinder bis 14 Jahre einen Euro und Jugendliche von 14 bis 18 Jahren zwei Euro Eintrittsgeld.

Neuer Raum für Sonderschauen

In diesem Jahr plant Keil zwei Sonderausstellungen. Da die beschädigten Stromverteiler von der Ovag entnommen und oberirdisch verlegt werden, hat er den unteren Raum in einem Turm nun komplett frei. Hier plant Keil Sonderausstellungen, die erste befasst sich im Sommer mit der Grube Messel mit fossilen Erzählungen, zusätzlich zu den Sandrosen.

Zudem erzählt er von Lackabzügen als Leihgabe der Wetterauischen Gesellschaft für die gesamte Naturkunde zu Hanau, gegründet 1808, mit Sitz in Hanau. Keil ist Mitglied dieser Gesellschaft. Um 1800 verstand man unter der »Wetterau« das Gebiet zwischen Vogelsberg, Odenwald, Taunus und Spessart. Die Gesellschaft hat ihren Namen beibehalten, auch wenn sich die geografische Bedeutung der Bezeichnung »Wetterau« geändert hat. Eng arbeitet Keil mit dem Vorsitzenden Dr. Günter Seidenschwann zusammen, der für die Leihgabe der Lackabzüge Verantwortung trägt. »Lackabzüge wurden 1930 das erste Mal in Halle an der Universität ausgeführt. Eine Sandbank konnte so auf ein Brett aufgezogen werden und bildete den Originalabdruck nach«, sagt Keil.

Wann genau die Ausstellung eröffnet wird, kann er noch nicht sagen. Viele Arbeiten sind wegen des Hochwassers noch zu leisten. So fehlen die Beschreibungen der Exponate in den Vitrinen und kleinere Ausbesserungsarbeiten. »Eigentlich bin ich nach 20 Jahren, seit der Eröffnung des Museums, dankbar dafür, dass das Hochwasser mich wachgerüttelt hat, das komplette Museum zu verändern. Es ist nun viel schöner geworden. Negative menschliche Erlebnisse haben immer zwei Seiten«, sagt Keil. Neu ist die komplette Einrichtung, mit Sitzbänken im »Rosenzimmer«, die mit rotem Samt bezogen sind. Sie erlauben es Besuchern, dort zu verweilen und die besondere Atmosphäre im Sandsteinturm mit den geologischen Fundstücken auf sich wirken zu lassen. Ein Teil der Vitrinen ist neu, bei anderen wurde der Sockel nachkonstruiert.

Zwei Vitrinen wurden mit einem Teil der Sandrosen-Sammlung von Julian Keil bestückt. Fünf Räume sind in den beiden Türmen zugänglich. »Die Nachfrage ist sehr groß, nicht nur aus Deutschland. Nach dem TV-Bericht über das Hochwasser in Büdingen haben sich Mineraliensammler aus den Niederlanden, Spanien und Frankreich erkundigt, ob Spenden notwendig seien«, sagt Keil. Das Sandrosen-Museum zeige die Geologie der Wetterau, in Verbindung mit der Steingalerie am Altstadt-Parkplatz, mit Steinen aus dem Gebiet der »alten Wetterau«. Einmalig im Museum seien die sehr seltenen Baryt-Rosen, auch versteinerte Bäume und Holz aus der Permzeit, die etwa 290 Millionen Jahre alt sind, sowie Figurensteine und Münzenberger Blättersandstein. »In Büdingen kann man eine geologische Kleinwanderung unternehmen, vom Wilden Stein über die Steingalerie bis hin zum Museum«, sagt Lothar Keil abschließend.

cwo_GIAsandrosen_060522__4c_1
Carlo Marino Palmer (l.) und Lothar Keil zeigen einen der Lackabzüge, der neben anderen bald im Sandrosen-Museum zu sehen sein wird. © Georgia Lori

Auch interessant

Kommentare