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Mal wieder hängt’s am Sportplatz

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Der Bereich um Stadtverwaltung und Seemenbach einschließlich des Sportplatzes soll in Büdingen ein zentraler Bereich der Landesgartenschau werden. © Oliver Potengowski

Die Stadt Büdingen ringt auch ein Jahr nach der Entscheidung, 2027 die Landesgartenschau in der Region auszurichten, darum, notwendige Beschlüsse zu fassen. Zwei Ausschüsse hätten am Montag entscheiden sollen, ob die Bruchwiese, auf der sich aktuell die Sportanlagen der SG 1905 befinden, Teil der Planungen wird. Der Beschluss ist abermals vertagt worden.

Die Entscheidung, gemeinsam eine Landesgartenschau in Oberhessen auszurichten, ist für viele der beteiligten elf Kommunen das ehrgeizigste Projekt seit Jahrzehnten. Dabei liegen Chancen und das Risiko zu scheitern nah beieinander, wie insbesondere das Beispiel Büdingen wieder einmal zeigt. Die ehemalige Kreisstadt soll eines der Eingangstore zur ersten interkommunalen Landesgartenschau in Hessen sein.

Mehrheit ohne Zweifel

Doch bisher haben sich die Stadtverordneten nicht auf die zentrale Fläche, die im Zuge eines Architektenwettbewerbs beplant werden soll, einigen können. Mancher stellt sogar bereits das gesamte Projekt in Frage. »Ich finde es gar nicht so abwegig, jetzt noch einen Rückzieher von der Landesgartenschau zu machen«, erklärte Patrick Stürz (SPD) am Montag. Schließlich kämen in der nächsten Zeit auf die Stadt viele Investitionen, etwa beim Bau der Feuerwehrhäuser, zu.

Die große Mehrheit teilte die Zweifel jedoch nicht. Doch damit Büdingen eine nennenswerte Rolle bei der Landesgartenschau spielen kann, müsste in der Stadt ein zentrales Projekt entstehen, das als Ausgangspunkt für Besucher zu einer Rundreise durch die Region geeignet ist. Anfängliche Überlegungen, gemeinsam mit der Familie zu Ysenburg und Büdingen den Schlosspark zu nutzen, scheiterten an den Eigentümern. Diese hätten einem Pachtvertrag mit der Stadt, der mindestens 25 Jahre läuft, zustimmen müssen.

Als Alternative bietet sich die Idee eines Bürgerparks neben der Stadtverwaltung auf dem Gelände des Sportanlage an. Das Areal ist noch bis 2035 an die Fußballer der SG 05 verpachtet, eine Kündigung wäre jedoch grundsätzlich möglich. Schon einmal wurde die Verlegung des Sportplatzes an den Dohlberg zu Gunsten eines Bürgerparks und für Parkplätze diskutiert. In einem Bürgerentscheid hatten sich 2014 jedoch 66 Prozent der Büdinger dagegen ausgesprochen.

Eine Empfehlung der Ausschussmitglieder, den Sportplatz an der Bruchwiese in den Architektenwettbewerb für die Gartenschau einzubringen, gibt es jedoch noch nicht. Zu viele Fragen sind noch offen. Vor allem ist noch nicht geklärt, ob und unter welchen Bedingungen die SG einem Umzug von der Bruchwiese an einen neuen Standort, zum Beispiel am Schulzentrum, zustimmen wird.

Bürgermeister Benjamin Harris (CDU) erläuterte, dass der Verein eine »Nachbesserung der Lösung, die der SG vor zehn Jahren angeboten wurde«, erwartet. Damals sei nur ein Spielfeld im Gespräch gewesen, was die SG für die gemeinsame Nutzung mit den Schulen sowie anderen Vereinen wie der Turnerschaft für zu wenig hält. »Ich sehe die Position der SG nicht als Erpressung an«, widersprach Harris solchen Vorwürfen einiger Stadtverordneter. Vielmehr hält er eine Einigung mit dem Verein in konstruktiven Gesprächen für möglich. »Die SG zu überzeugen, dass das der richtige Weg ist, ist kein Hexenwerk. Da sind wir nicht weit davon entfernt.«

Was kostet Verlegung?

Ebenfalls ungeklärt ist die Frage, wie viel eine Verlegung des Sportplatzes an den Dohlberg kosten würde. Die Verwaltung nennt in der Beschlussvorlage eine zwei Jahre alte Kostenschätzung von 3,2 Millionen Euro. Heute sei mit etwa vier Millionen Euro zu rechnen. Diese Schätzung bezieht sich jedoch nur auf ein Spielfeld.. Wie teuer eine Zwei-Feld-Lösung werde, erarbeite derzeit ein Planungsbüro.

Sabine Kraft-Marhenke (FWG) erinnerte daran, dass die Sportplatzverlegung bereits seit Bürgermeister Eberhard Bauner diskutiert werde. »Wenn wir es jetzt vergeigen, dann vergeigen wir es auf alle Zeiten«, warnte sie. Ulrich Majunke (FWG) mahnte vor den Auswirkungen auf zukünftige Förderprogramme. Schon einmal habe die Stadt Förderbescheide für die Sportplatzverlegung zurückgegeben. Wenn man jetzt im Zusammenhang mit der Landesgartenschau erneut auf Fördergelder verzichte, müsse man damit rechnen, bei künftigen Programmen nicht mehr berücksichtigt zu werden. Er warnte vor Ansehensverlust für die Stadt. »Das wäre nicht nur peinlich für uns, wir würden auch all das bestätigen, was landauf, landab über Büdingen und sein Parlament gesprochen wird.«

Bei einer weiteren Sitzung der Ausschüsse in vier Wochen sollen belastbarere Zahlen und Informationen vorliegen sowie eine Beschlussempfehlung für die Stadtverordneten erarbeitet werden.

Eindringliche Werbung

Florian Herrmann, Projektleiter für die Landesgartenschau, warb eindringlich für die Beteiligung Büdingens als Eingangstor und die Chancen. »Im Sinne der Stadtentwicklung ist das das Beste, was passieren kann. Man muss es aber auch nutzen.« Die Sportplatzverlegung sei in den Fördergeldern für die Gestaltungen des Bürgerparks noch nicht enthalten. Jedoch würden Projekte der Kommunen im Umfeld der Landesgartenschau bevorzugt gefördert. »Das ist die einmalige Chance, die Sie seit Jahren hatten und die Sie auf Jahre haben werden«, mahnte er. »Diese Chance nicht zu nutzen, müsste den Bürgern auch vermittelt werden.«

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