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Mathilden-Hospital in Büdingen: Kostenexplosion droht

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Durch extreme Kostensteigerungen vor allem bei Strom und Gas droht dem Mathilden-Hospital ein Defizit. © Oliver Potengowski

Dramatische Kostensteigerungen erwartet Stefanie Straub, Verwaltungsdirektorin des Bergman Clinics Mathilden-Hospitals in Büdingen, für das nächste Jahr. Vor allem bei den Energiekosten seien Steigerungen in bisher unvorstellbarem Ausmaß zu befürchten.

Über die geradezu explosionsartig steigenden Kosten für Kraftstoffe, Gas oder Strom wird seit Monaten nahezu täglich berichtet. Mit einzelnen Maßnahmen wie der befristeten Senkung der Mineralölsteuer, einer Pauschale für private Haushalte oder der Gasumlage hat die Bundesregierung versucht, existenzielle Härten abzumildern. Dass Krankenhäusern in den nächsten Monaten der finanzielle Kollaps droht, wurde jedoch bisher kaum beachtet.

Stefanie Straub, Verwaltungsdirektorin des Bergman Clinics Mathilden-Hospitals in Büdingen, erwartet für das nächste Jahr dramatische Kostensteigerungen. Vor allem bei den Energiekosten seien Steigerungen in bisher unvorstellbarem Ausmaß zu befürchten, sagt sie. Dagegen blieben die Erhöhungen der Kostenpauschalen für die Behandlung der Patienten weit unter der Inflationsrate.

Entwicklung bereitet Sorgen

Die Mitteilungen, die Straub seit einigen Wochen zur Entwicklung der Preise bekommt, bereiten der Verwaltungsdirektorin große Sorgen. Dass die Kosten, die Lieferanten für Verbrauchsmaterialien berechnen, angesichts einer Inflationsrate von mehr als acht Prozent um zehn bis 15 Prozent steigen sollen, belaste den Haushalt der Klinik, erklärt Straub.

Woher sie das Geld für die weit jenseits aller Prognosen steigenden Energiekosten nehmen soll, weiß Straub derzeit nicht. Die Stromkosten würden nach den bisherigen Angeboten um ein Vielfaches steigen, berichtet die Verwaltungsdirektorin. Für nächstes Jahr lägen die Kosten für Gas um ein Zigfaches höher. Schon jetzt hätten die Kosten für Strom und Gas einen wesentlichen Anteil an den Betriebskosten.

Dagegen sei der sogenannte Landesbasisfallwert, der maßgeblich für die Einnahmen der Krankenhäuser ist, nur um 2,32 Prozent erhöht worden. Wenn aber die Einnahmen nur weit geringer als die Inflationsrate stiegen, würden nur Einsparungen helfen. Doch das sei bei einem Betrieb mit hohen Ansprüchen an Hygiene und mit vorgegebenen Standards nicht einfach. Wohlfeile Ratschläge aus der Politik, wie die Raumtemperatur abzusenken, würden da eher weniger helfen.

»Beim Personal wollen und können wir nicht sparen«, betont Straub. »Wir sind darauf angewiesen, gutes, qualifiziertes und motiviertes Personal zu haben.« Schließlich bedeute die für dieses Jahr vereinbarte Erhöhung des Tariflohns schon einen Reallohnverlust der Mitarbeiter, die genauso von der Inflation betroffen seien wie die Klinik.

Deshalb geht Straub jetzt alle Kostenpositionen durch, um noch letzte, bisher unentdeckte Einsparmöglichkeiten zu finden. Kurzfristig sollen weitere LED-Beleuchtungen und Bewegungsmelder nachgerüstet werden. Die Gebäudeautomation und die Lüftungsanlagen sollen nachjustiert werden, um den Energiebedarf so weit wie möglich zu senken.

Das alles reicht laut Straub jedoch nicht annähernd, um die explodierenden Energiekosten auszugleichen. Deshalb hat sie sich mit dem Bergman Clinics Mathilden-Hospital der Aktion »Alarmstufe Rot« der Deutschen Krankenhaus-Gesellschaft angeschlossen. »Die Corona-Hilfen für die Krankenhäuser wurden für dieses Jahr gestrichen, und in der aktuellen Energiekrise werden wir allein gelassen«, kritisiert deren Vorstandsvorsitzender Gerald Gaß.

200 000 Euro für Fotovoltaikanlage

Christian Höftberger, Präsident der Hessischen Krankenhausgesellschaft, fordert von der Bundesregierung als Ausgleich für die steigenden Kosten einen Aufschlag von vier Prozent auf alle Krankenhausrechnungen. Die Fuldaer Zeitung zitiert ihn mit den Worten, »von den gut 130 Kliniken in Hessen« stünden die meisten »mit dem Rücken zur Wand«.

Das Bergman Clinics Mathilden-Hospital will wenigstens der Kostenexplosion bei den Strompreisen etwas entgegensetzen. Stefanie Straub erklärt, dass die Klinik 200 000 Euro in eine Fotovoltaikanlage investieren will. Damit könnte das Mathilden-Hospital gut zehn Prozent seines Strombedarfs selber decken. »Je nach der Entwicklung der Strompreise amortisiert sich die Anlage dann in drei bis fünf Jahren«, rechnet die Verwaltungsdirektorin vor. VON OLIVER POTENGOWSKI

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