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Mit Cannabis, Kokain und Codein-Sprudel gedealt

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Von: Jürgen W. Niehoff

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Gießen/Büdingen (jwn). Wegen gewerbs- und bandenmäßigen Drogenhandels in Büdingen müssen sich seit Montag drei junge Erwachsene vor dem Landgericht in Gießen verantworten. Von August 2020 bis Juli 2021 soll der zum Tatzeitpunkt 20-jährige Andre H. zusammen mit seinen beiden Bekannten Zenum G. und Sarah R. in Büdingen und Umgebung Drogen wie Cannabis, Kokain und spezielle Codein-Sprudel angekauft und anschließend weiterveräußert haben.

Mehr als eine Stunde benötigte Staatsanwalt Mathias Rauch zur Verlesung der umfangreichen Anklageschrift gegen das Trio, bei dem Andre H. eindeutig der Kopf der Bande war. Ihm allein wirft der Staatsanwalt 93 Fälle von gewerbsmäßigem Drogenhandel in der Zeitspanne von nur einem Jahr vor.

Während G, der als Einziger des Trios zur Tatzeit volljährig war, Mittäterschaft, Beihilfe und Anstiftung zum Drogenhandel vorgeworfen werden, scheint Sarah R. das schwächste Glied der Bande zu sein - gemessen an den Tatvorwürfen. Ihr wird nur Beihilfe vorgeworfen. H. soll im großen Stil Drogen im europäischen Ausland und auch in den USA über das Internet angekauft haben. Die Waren ließ er anschließend an die Adressen seiner beiden Bekannten G. und R. liefern. G. fiel dabei die Aufgabe zu, die Ware in Empfang zu nehmen, sie auszupacken und sie dann H. zu übergeben. Dieser wollte so seine Wohnanschrift verschleiern.

Während R. nur als Postannahmestelle diente, gelegentlich vielleicht auch noch als Kurier, ließ sich G. seine Dienste in Drogen bezahlen, die, wie er gegenüber der Polizei angab, selbst verkonsumierte. Den größten Teil der Drogen soll H. in Spanien bestellt haben. Da einige der Pakete vom Zoll geöffnet und die Drogen so entdeckt wurden, wird die Polizei von dort auch den entscheidenden Hinweis erhalten haben.

Jedenfalls listet die Anklageschrift jedes Paket und jeden Deal, den vor allem H. vollzog, minutiös im Zeitraum von August 2020 bis zum 22. Juli 2021 auf. Sogar kleine Mengen wie 0,5 Gramm Heroin, fünf Gramm Marihuana oder ein Flasche Codein-Sprudel verkaufte H. persönlich, wobei er Verkaufsgespräch und Übergabe - meist durch Einwurf in den Briefkasten - fein säuberlich trennte. Er eröffnete sogar einen Onlineshop und belieferte so Abnehmer in ganz Deutschland. Drogen über das Internet mussten übrigens in Bitcoins bezahlt werden.

Als H. im Juli 2021 verhaftet wurde fand die Polizei in seiner Wohnung größere Mengen von Betäubungsmitteln, 535 Euro in bar und eine Gaspistole mit vier Gaspatronen. Insgesamt 46 344 Euro soll H. in dem einen Jahr so eingenommen bzw. verdient haben.

Da ihnen längere Haftstrafen drohen, verweigerten die drei Angeklagten am ersten Verhandlungstag zunächst jede Aussage zu den Tatvorwürfen. Und da auch der psychiatrische Gutachter Jens Ulferts an dem Tag fehlte, der vor allem im Hinblick auf eine Drogenabhängigkeit von G. und in diesem Zusammenhang auch über dessen Schuldfähigkeit ein Gutachten anfertigen soll, wurde der Prozess auf kommenden Freitag, 13. Mai, um 8.30 Uhr vertagt.

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