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»Mit Sympathie und Respekt geschrieben«

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Von: red Redaktion

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Schwester Maria Magdalena Hörter. © pv

Bestsellerautorin Veronika Peters hat ihr Leben als Nonne in einem Roman verarbeitet. Den Ort der Handlung nannte sie nicht, den recherchierte jetzt KA-Mitarbeiterin Petra Ihm-Fahle.

Maria Magdalena Hörter ist Ordensfrau und Leiterin des Gästehauses in der Benediktinerinnenabtei Kloster Engelthal. Sie weiß genau, um was es in dem Buch »Was in zwei Koffer passt - Klosterjahre« von Veronika Peters geht.

Handelt es sich bei dem beschriebenen Kloster um Engelthal?

Ja, es handelt sich tatsächlich um unsere Abtei. Für jeden, der Engelthal kennt, war dies sofort erkenntlich. Diesbezügliche Nachfragen haben wir immer bejaht und sahen auch keinen Anlass, es zu verneinen.

Hat Veronika Peters wirklich in der Abtei gelebt?

Die Autorin hat zwölf Jahre als Nonne in unserer Gemeinschaft gelebt und sie schließlich verlassen, um, wie Sie zutreffend recherchiert haben, mit ihrem jetzigen Ehemann in Berlin zu leben.

Wussten Sie von dem Buch?

Wir wussten vorab nicht, dass Frau Peters plant, ein Buch über ihre Klosterzeit zu schreiben und waren davon überrascht; sofort nach Erscheinen hat sie uns ein Exemplar zugesandt.

Was halten Sie von dem Buch?

In unseren Augen ist das Buch ein moderner Klosterroman mit autobiografischem Hintergrund, jedoch fiktional ausgestaltet. Die Entscheidung der Autorin, den Ort zu verschleiern und »ihr Kloster« nicht zu nennen, zeigte uns, dass sie einer voreiligen Identifizierung des Geschilderten mit einer konkreten Klostergemeinschaft und mit konkreten Personen vorbeugen wollte. Es ging ihr nicht darum, eine Skandalgeschichte zu schreiben oder einzelne Schwestern bloßzustellen.

Was zeichnet das Werk Ihrer Meinung nach aus?

Veronika Peters hat Charaktere gezeichnet, Originale humorvoll ausgemalt, manche Situationen überzeichnet oder offengelassen. Die Personen sind eher typisierend dargestellt statt individuell persönlich. Es geht um Menschen, die so oder so ähnlich in allen auf Dauer angelegten größeren Lebensgemeinschaften vorkommen. Das Buch ist kein Tatsachenbericht und kein Sachbuch, noch weniger eine repräsentative Darstellung klösterlichen Lebens allgemein. Es ist mit Sympathie und Respekt geschrieben und einer insgesamt großen Wertschätzung für den Ort, an dem Frau Peters zwölf Jahre leben durfte.

Wie waren die Reaktionen direkt nach Erscheinen des Buches?

Unterschiedlich, je nachdem, was daraus- oder hineingelesen und mit welchen Vorurteilen oder Erwartungen es zur Hand genommen worden ist. Wir haben das Buch auch in unserer damaligen Klosterbuchhandlung verkauft. Die Buchhandlung mussten wir inzwischen leider schließen, da sie sich finanziell nicht mehr getragen hat.

Wie sieht es derzeit aus?

Inzwischen haben wir in den Ladenräumen das »KlosterForum« eingerichtet, einen Begegnungsort von Menschen, die in Engelthal leben und arbeiten, mit Menschen, die diesen Ort besuchen. Hier halten wir Informationsmaterial bereit, bieten Klosterprodukte an und laden zum Besuch ein.

Das Gespräch führte Petra Ihm-Fahle

Altenstadt (ihm). Das Buch war 2007 ein Bestseller. »Was in zwei Koffer passt - Klosterjahre« von Veronika Peters. Dies auch, weil die Romantik nicht fehlt. Als Nonne verliebte sich die Autorin in der Klosterbuchhandlung in einen Mann, legte den Habit ab und ging. Von welcher Abtei sie schrieb, verriet sie nicht. Als Reporterin Petra Ihm-Fahle das Buch kürzlich las, meinte sie, den Ort zu kennen. Sie schreibt:

*

Für meinen neuen Literaturblog bin ich stets auf der Suche nach regionaler Literatur, um sie zu besprechen. In einem Stapel geerbter Bücher meiner Mutter fällt mir »Was in zwei Koffer passt« aus dem Goldmann Verlag in die Hände. Autorin ist Veronika Peters, die von ihren Klosterjahren zwischen 1987 und 1999 erzählt. Sie beendete ihr Leben als Nonne, als sie in der Buchhandlung ihrer Abtei einen Mann kennenlernte und mit ihm nach Berlin ging.

Spurensuche nach dem Klappentext

Das klingt spannend, ich studiere den Klappentext. Geburtsort der Verfasserin ist Gießen, insofern könnte Regionalität gegeben sein. Schon auf Seite zwei denke ich an das Benediktinerinnen-Kloster Engelthal, als Peters die schmale Straße beschreibt, die dorthin führt. Doch der Name des Orts bleibt im Dunkeln. Weitere Merkmale erscheinen mir aber ebenfalls bekannt: der benachbarte Reiterhof, der Dachreiter mit den Glocken, die Buchhandlung an der Pforte und die Geschichte des Klosters. Ich google die Stichworte »Veronika Peters« und »Kloster«, woraufhin ich sofort fündig werde. Im Forum »Kreuzgang« unterhalten sich einige Internetnutzerinnen und -nutzer darüber. Userin »Benedicta« schreibt: »Als ich hörte, dass das beschriebene Kloster Engelthal sein könnte, will ich es nun doch lesen. Zumal sie dort vor einigen Jahren tatsächlich den Fall hatten, dass eine Schwester die Gemeinschaft verlassen hat, weil sie bei ihrer Arbeit im Buchladen einen Mann kennengelernt hat.«

Den besonderen »Kick« gesucht?

In dem alten Buchexemplar meiner Mutter liegt ein Illustrierten-Ausschnitt, in dem steht, dass Peters den Ort bewusst verschleierte. So ist ab der Hälfte des Buches mehrfach die Rede von Bayern. Ein Foto des Illustrierten-Artikels zeigt allerdings Engelthal.

Wieso Veronika Peters Nonne werden wollte, wird mir bei der Lektüre nicht auf Anhieb klar. In Rezensionen in Internet-Buchportalen schreibt jemand, sie habe den »Kloster-Kick« gesucht. Andere bezweifeln die nötige spirituelle und geistige Haltung. Laut dem Buchinhalt, in dem sie ihr Leben zunächst als Postulantin, dann als Novizin und schließlich als Ordensfrau wiedergibt, schreibt sie: »Ich will mich nicht gut fühlen, ich will gut sein, gut leben, in einem tieferen Sinn.« Das Kloster sah Schwester Veronika auch als Signal an eine Außenwelt, deren einziges Ziel zu sein scheine, Besitz zu vergrößern. Sie wollte zeigen, dass es auch anders geht und es mehr gibt.

Besonders gut gefällt Veronika der strukturierte Tagesablauf von morgens halb sechs bis abends 21.30 Uhr. Sie erzählt von den vielen Schwestern, die sie dort kennenlernt und den Arbeiten, denen sie nachgeht, etwa in der Wäscherei.

Eines Tages fordert die Äbtissin sie auf, die Buchhandlung zu modernisieren und damit etwas zur finanziellen Situation des Klosters beizusteuern.

Die Äbtissin des Buches heißt Raphaela, der Name der damaligen Äbtissin von Engelthal war Mutter Gabriel.

An dieser Stelle des Buches überlege ich, ob ich nicht etwas mehr herausfinden kann. Tatsächlich: In alten Zeitungsarchiven stoße ich auf einige Artikel über Kloster Engelthal, in denen eine Schwester namens Veronika eine Rolle in der Buch- und Kunsthandlung spielt.

Zeitungsarchiv schafft Klarheit

Im Zeitungsarchiv suche ich zudem nach dem Schriftsteller Christoph Peters, dem Mann der Autorin. Wie ich erfahre, gewann er mit seinem Debütroman »Stadt, Land, Fluss« 1999 den Aspekte-Literaturpreis. Im selben Jahr stellte er sein Buch bei einer Lesung auch in Kloster Engelthal vor. Damit scheint mir klar, dass Kloster Engelthal keine falsche Fährte war, die die Autorin legte. Die Lektüre sei allen Menschen empfohlen, die sich für Klöster und regionale Literatur interessieren. Das Buch enthält die eine oder andere Länge, ist ansonsten aber kurzweilig und unterhaltsam geschrieben. Es ist noch erhältlich, beispielsweise über den antiquarischen Bestellservice von Buchhandlungen.

Die Begegnungsstätte »KlosterForum« ist immer samstags geöffnet, von 13.30 bis 16 Uhr.

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Die Benediktinerinnen-Abtei Kloster Engelthal ist der Schauplatz für das Buch »Was in zwei Koffer passt - Klosterjahre« von Veronika Peters. © pv
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Der Weg vorbei am Gästehaus spielt mehrfach eine Rolle. © pv
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In der ehemaligen Buchhandlung des Klosters verliebte sich Schwester Veronika. Heute liegt dort das »KlosterForum«, es hat samstags geöffnet. © pv
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Der Goldmann-Verlag hat das Buch 2007 herausgebracht. © pv

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