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Mittagstisch startet wieder: Gemeinsam schmeckt’s am besten

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Der Mittagstisch für Senioren hat wieder begonnen und freut sich über weitere Gäste. © Detlef Maresch

Seit 15 Jahren gibt es den Mittagstisch für Senioren im Karl-Dietz-Haus in Nidda. Das Jubiläum fiel flach, jetzt geht es wieder los. Die Gespräche sind fast so wichtig wie das Essen.

Februar 2022 hätte eigentlich das 15-jährige Bestehen des Mittagstisches angestanden. Doch das Virus hatte eine Feier nicht zugelassen.

Seit Ende April sitzen die Senioren wieder montags bis freitags zusammen, um gemeinsam zu essen. »Und das tut richtig gut«, sagte Niddas Seniorenbeauftragte Hildegard Schneider, als kürzlich Bürgermeister Thorsten Eberhard, Geertje Adjinschi, Leiterin des Fachbereiches Soziales, und Gemeindeschwester Sandra Frank dort zu Gast waren.

Im großen, hellen Saal des Karl-Dietz-Hauses sitzen die Senioren schon am gedeckten Tisch. Eine der Helferinnen hat kleine Fliedersträußchen aus ihrem Garten dazugestellt. Der Ehrenamtliche Michael Kast hat die Gäste an diesem Tag gefahren. Verheißungsvolles Geklapper kommt aus der kleinen Teeküche nebenan.

Die Runde baut sich wieder auf

Heute haben Monika Harrison und Annemarie Turke Dienst und richten das Mittagessen aus der Bürgerhaus-Gaststätte an. Turke ist seit 2007 hier immer wieder im Einsatz. Der Kreis der Helferinnen wechselt. Auch Gule Yousip aus der Gruppe geflüchteter syrischer Frauen hilft einmal pro Woche. Die freundschaftliche Seniorenrunde am Tisch, die vor Jahren entstand und unter der Corona-Pause litt, baut sich jetzt wieder auf.

So unterhalten sich Rudolf Löffler und Edwin Pflug, beide weit über 80 Jahre und allein lebend, wieder über ihr großes Thema, die Feuerwehr. Jahrzehntelang waren beide in der Einsatzabteilung aktiv. Ganz wichtig ist ihnen der Stammtisch der Fauerbacher Wehr einmal im Monat. Von dort kommt jedes Mal ein Vorstandsmitglied, holt sie in die Runde und begleitet sie wieder nach Hause. Die Senioren bringen sich mit eigenen Ideen ein, freuen sich, wenn Franz Hitzke aus ihrer Runde Mundharmonika spielt. Den kürzesten Weg hat Ingrid Cziock, die im Karl-Dietz-Haus wohnt. Die 80-Jährige sieht schlecht, kann nicht mehr selbst kochen und ist wenig mobil: »Ich habe zwar meine Familie am Ort, aber mittags macht es Spaß, hier zu essen und Gesellschaft zu haben.«

Erwachsene Kinder, Enkel, Urenkel hat auch die 89-jährige Hildegard Jaksch, die ebenfalls allein lebt: »Wochentags haben die ihre Arbeit. Umso schöner ist es, hier zu sein.«

Rückblende ins Jahr 2006: Hildegard Schneider saß wieder einmal lustlos am Tisch: »Wenn ein Gegenüber fehlt, schmeckt das beste Essen nicht!« Sie vermisste ihren einige Monate zuvor verstorbenen Mann sehr. Die Beziehung zu den erwachsenen Kindern ist gut, aber die meisten wohnen weit entfernt. »Es geht doch nicht nur mir so«, dachte Schneider. »Viele Senioren sind tags genauso isoliert - warum essen wir nicht gemeinsam?«

Schneider fand Zustimmung bei den Verantwortlichen in der Stadtverwaltung. Das Karl- Dietz-Haus stand für das Vorhaben offen. 2007 war es dann so weit. Schneider sprach interessierte Ältere aus der möglichen Zielgruppe an. Im Bekanntenkreis fand sie Frauen, die ehrenamtlich den Gästen behilflich sind. Für Ältere aus den Ortsteilen oder nicht mehr mobile Menschen stellt die Stadt Nidda einen Kleinbus, von Ehrenamtlichen werden sie abgeholt und wieder heimgebracht. Diese waren sogar während des strengen Corona-Lockdowns bereit, das Essen zu den Senioren nach Hause zu fahren - ein kleiner Lichtblick in der Isolation. Hildegard Schneider: »Jetzt kommen wieder Gäste aus Nidda, Fauerbach, Stornfels, Ober-Lais, der Harb. Der Fahrdienst ist unentbehrlich und wird von Karlheinz Naumann perfekt organisiert.«

Mit dem Zulieferer Bürgerhausgaststätte ist gesichert, dass es regionale Küche in seniorengerechten Portionen gibt. In der Runde mit dem Bürgermeister konnte Hildegard Schneider stolz darauf hinweisen, dass der Seniorenmittagstisch sich selbst trägt: »Das Essen ist auch für Ältere mit kleinen Renten erschwinglich.« Alle können flexibel entscheiden, ob sie die ganze Woche kommen oder nur an einigen Tagen und sprechen das bis 10 Uhr am Tag mit dem Sozialdienst, Telefon 06043/ 400619, ab.

Und noch eines wurde als wichtiges Anliegen an Bürgermeister Thorsten Eberhard herangetragen: »Was in Nidda fehlt, ist ein Betreutes Wohnen, also selbstständiges Leben in barrierefreiem Gebäude, aber unterstützt durch Dienstleistungen.«

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