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Mit modernsten Mitteln auf der Jagd nach Einbrechern

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Einen Erfolg verbucht hat die Polizei gegen den organisierten Wohnungseinbruch. Nun sollen die Beamten Computerunterstützung erhalten, um mehr Täter in flagranti erwischen zu können.

Nicht nur Autoknacker, auch Einbrecher agieren immer organisierter. Die Polizei hat oft das Nachsehen. „Wir sind gefangen in Organisationsstrukturen, unsere Befugnisse enden an Landkreis-Grenzen oder an fachlichen Zuständigkeiten“, beschreibt Roland Fritsch, Leiter der Kriminalpolizei im Polizeipräsidium Mittelhessen, das Dilemma. Das soll sich ändern.

Denn überregionale Kooperationen der Polizei zeigten „regelmäßig schöne Erfolge“. Das Polizeipräsidium Mittelhessen hat etwa die zentralen Ermittlungen bei der Sprengung von Geldautomaten übernommen. Nun soll es auch Einbrechern an den Kragen gehen.

In der Wetterau ist den Beamten 2017 ein großer Erfolg gelungen. Denn zehn Moldawier hatten nicht nur die Wetterau, sondern auch den Main-Kinzig-Kreis und weitere Regionen Hessens unsicher gemacht. Wohnhaft waren die Täter in Wölfersheim, später in Groß-Krotzenburg. Vier wurden bei einem Einbruch in Großwallstadt/Bayern festgenommen. Weil der Kripo Friedberg Überschneidungen zu hiesigen Taten aufgefallen waren, wurde die AG „Prada“ ins Leben gerufen. Das bezieht sich nicht etwa auf die Luxusmarke, sondern auf das rumänische Wort für „Beute“.

Vier Beamte aus verschiedenen Landkreisen setzten sich zusammen, um einen Zeitraum von sechs Monaten nachzuvollziehen. „Recht schnell kamen sie auf 176 Wohnungseinbrüche, die in das Muster passen“, sagt Fritsch. Hinzu kommen acht Raubüberfälle, denn den Einbrechern war es einerlei, ob die Bewohner zu Hause waren oder nicht. Im schlimmsten Fall stießen sie eine 90-jährige Bewohnerin die Kellertreppe hinunter und verletzten sie schwer.

Dann entdeckten die Ermittler eine weitere Verbindung. Denn zwei Paketfahrer sollen während ihrer Arbeit Wohnungen ausgekundschaftet haben. Weitere 55 Einbrüche, unter anderem in Wetterau und Main-Kinzig, kamen so auf das Konto der Gruppe. Und Stehlgut im Wert von über 300 000 Euro.

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt hat die Anklage übernommen und konzentriert sich auf jene Fälle, die mit hoher Sicherheit der Bande zugeordnet werden können. Sie stützt sich dabei auf Teilgeständnisse, DNA- und Fingerabdrücke. Immer noch 50 Taten kommen so zusammen. Bei Wohnungsdurchsuchungen wurden viele Schmuckstücke gefunden, 300 davon sind noch nicht zugeordnet. Sie sollen im März oder April bei der Polizei in Gießen zu sehen sein, um weitere Besitze und damit auch Einbrüche zuordnen zu können.

„Kein Delikt beschäftigt Bürger so nachhaltig wie der Wohnungseinbruch“, ist auch Jan-Oliver Karo, Koordinator für Wohnungseinbrüche, überzeugt. Er stellt eine neue App vor, die der Polizei vor Ort helfen soll: Mittels einer web-basierten App errechnet die Software anhand von Daten wie Häufigkeit, Fluchtwegen und anderen Faktoren mögliche Tatorte für die kommenden Tage. „Die Dienststellen können so Einsatzanweisungen für die nächsten 24 Stunden herausgeben.“

Karo wie auch Fritsch hoffen auf einen Erfolg, der sich in anderen Bundesländern mit anderer Software bereits eingestellt habe. „Wir müssen Zuständigkeiten abflachen“, sagt Karo. Auch Fritsch sagt: „Das klappt besser als in den bisherigen zersplitterten Strukturen.“

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