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Ein Dorf mit düsterem Geheimnis

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Von: Sabrina Dämon

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Jule Heck hat seit ihrem ersten Krimi zahlreiche Bücher und Geschichten veröffentlicht. Neben dem Schreiben gefallen der Gambacherin am Autorendasein vor allem die Veranstaltungen - Lesungen oder Erlebniswanderungen zu den Tatorten aus den Romanen. © Sabrina Dämon

Manchmal sind es Zufälle. Eine unglückliche Begebenheit, und schon gibt es wieder eine Leiche. Vorzugsweise in der Wetterau - Autorin Jule Heck hat viel Freude daran, sich immer wieder neue kriminelle Geschichten auszudenken. Die Gambacherin hat in den vergangenen Jahren zehn Bücher veröffentlicht. Das elfte ist in Arbeit - und diesmal wird einiges anders.

Ihr liebster Tatort? Jule Heck überlegt. In den vergangenen Jahren ist die Liste mit Orten, an denen sie Figuren ihrer Krimis sterben lassen hat, lang geworden. Aber, sagt sie: Einen Ort mag sie besonders gerne: die alte Mühle in Ober-Hörgern. Dort ist in ihrem ersten Krimi der Reihe »Tod im Schatten der Burg« ein Jugendlicher gestorben - und ganz in der Nähe zwei weitere Figuren.

Das ist nicht ungewöhnlich für Jule Hecks Kriminalromane: »In jedem Buch gibt es drei, vier Tote«, sagt die Gambacherin. Die Leichen werden oft in der Umgebung von Münzenberg gefunden: im Spargelfeld, in der »Höll« in den Wiesen, auf dem Bürgersteig.

In ihrem neuesten Krimi ist das jedoch anders. Er spielt im Vogelsberg - in einem abgelegenen Dorf, dessen Bewohner in den vergangenen Jahrzehnten keinen Kontakt zur Außenwelt gepflegt haben, die Dinge stattdessen auf ihre Art geregelt haben, wie die Autorin erzählt. Was an dem Buch ebenfalls anders sein wird als in ihren bisherigen Krimis: Es wird eine Person vorkommen, die es in der Realität gibt: Jule Heck selbst.

Sie arbeitet zurzeit an diesem Buch. Es wird ihr neunter Krimi. Ihren ersten, »Lebendig begraben«, veröffentlichte sie 2013. Seither sieben weitere sowie zahlreiche Kurzgeschichten. Ihr jüngst erschienenes Buch ist ein Gesellschaftsroman mit dem Titel »Die blaue Stunde«.

Jule Heck schreibt schon lange. Früher jedoch nur »für sich« - und für ihren Mann. »Wir haben uns gegenseitig Geschichten geschrieben.« Er war oft auf Geschäftsreisen. »Ich habe ihm dann eine Geschichte in den Koffer gelegt.« Doch ihr erstes Buch schrieb sie erst spät. Ein Freund, erzählt sie, lieh sich immer Krimis aus Hecks Bücherregal aus. Als er alle durch hatte, sagte Heck: »Ich schreibe einen eigenen für dich.«

Der kam so gut an, dass sie ihn veröffentlichte. Seither hat sie quasi Blut geleckt - und ihre Leser auch. Sowohl was die Geschichten und die Fälle angeht als auch (zumindest vor Corona) die dazu organisierten Veranstaltungen der Autorin. Zum Beispiel Erlebnisführungen und Krimi-Wanderungen durch Münzenberg und die Stadtteile, vorbei an den Tatorten, mit kleinen Inszenierungen. Oder Lesungen in Buchhandlungen, bei Veranstaltungen oder bei sich im Garten. Bis 2019, erzählt sie, hatte sie an die 50 Autorinnen-Termine pro Jahr.

Einmal hat sie eine Überraschungslesung bei sich zu Hause veranstaltet. Eine Wetterauerin hatte Kontakt aufgenommen: Ihr Mann lese so gerne Hecks Krimis und werde bald 60. Ob es da nicht die Möglichkeit einer privaten Lesung gebe? Gab es. Heck lud das Geburtstagskind, Frau und Freunde zu sich ein, gab zuerst eine Privatlesung, danach ging es zu einigen Tatorten.

Jule Heck kümmert sich alleine um Vermarktung und Werbung für ihre Bücher. Das ist eigentlich die Hauptarbeit, sagt sie: Kontakte knüpfen, Termine organisieren, mit Büchereien und Buchhandlungen im Gespräch sein.

Wenn es ans Schreiben geht, fährt sie meistens weg. An die Nordsee. »Eine Freundin von mir hat dort eine Wohnung. Dort bin ich eine Woche und schreibe.« Zuvor hat sie jedoch schon den Rahmen für ihr Buch ausgearbeitet. Zu Hause entwickelt sie Handlungsstränge, erschafft Figuren und ein Netz an Beziehungsgeflechten. »In meine Bücher fließt ganz viel von dem ein, was ich höre und sehe.« Jule Heck war lange als Jugendschöffin am Amtsgericht Friedberg und am Landgericht Gießen tätig - eine Aufgabe, bei der man viel mit Kriminalität in Kontakt kommt. Außerdem, sagt sie, muss man, um auf kriminelle Geschichten zu kommen, manchmal »bloß in die Zeitung schauen«.

Tipps vom Ermittler

Hinzu kommen gute Kontakte mit Experten. Ein Dozent für Kriminologie und Soziologie gehört dazu, ebenso ein ehemaliger Polizei-Hauptkommissar und ein Kriminalhauptkommissar, von denen sie viele Tipps erhält, wenn es um Ermittlungen geht. »Meine Geschichten sollen ja authentisch sein«, sagt sie. »Aber man darf auch nicht alles so bierernst nehmen. In der Realität ermitteln die meisten Kommissare am Schreibtisch.« Das allerdings wäre ziemlich langweilig für einen Roman. Deswegen kommen Hecks Ermittler eben immer wieder nach Münzenberg: Kommissar Alexander Henneberg und Cosima von Mittelstedt vom K 10 in Friedberg. Und, immer dabei: Dackel Erdmann. Bald müssen sie in den tiefsten Vogelsberg. Ebenso wie Jule Heck, die dort - zumindest im Buch - ein Wochenendhaus hat. Dort angekommen, wird sie aber schnell merken, dass es ein düsteres Geheimnis um den scheinbar ruhigen Ort gibt…

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