1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis

„Müssen uns alle fragen, wie weit wir beigetragen haben“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Michel Kaufmann

Kommentare

ALTENSTADT - (jmk). Nach den Vorgängen rund um die Wahl des NPD-Mannes Stefan Jagsch zum Ortsvorsteher der Waldsiedlung und dem Rücktritt der beiden Ortsbeiratsmitglieder, die einst für die FDP in das Gremium eingezogen waren, meldet sich nun der FDP-Fraktionsvorsitzende in der Gemeindevertretersitzung Christoph Platen in einer Pressemitteilung zu Wort.

Obwohl die Wahl Jagschs an jenem Abend nicht zu verhindern gewesen sei, hätte man spätestens nach dem Rückzug Dietrichs vom Amt des Ortsvorstehers tätig werden müssen, erklärt Platen. Es sei zu einfach, dem Ortsbeirat die alleinige Schuld zu geben.

Eigentlich habe er sich zu der Thematik nicht mehr äußern wollen, da seiner Ansicht nach bereits alles gesagt und geschrieben worden sei. „Nun wird aber mein Name im Zusammenhang mit meiner Anwesenheit bei der Wahl von Stefan Jagsch zum Ortsvorsteher im Kreis-Anzeiger genannt. Das ändert die Situation natürlich und ich fühle mich zu einer Stellungnahme veranlasst“, erklärt Platen in der Pressemitteilung.

„Rückwirkend betrachtet wäre diese Wahl im Vorfeld zu verhindern gewesen, aber nicht mehr während der laufenden Sitzung“, ist Platen überzeugt. „Alle Schuld den Mitgliedern des Ortsbeirates zu geben, das ist aber zu einfach. Wir müssen uns alle fragen lassen, inwiefern wir durch unser Tun oder Unterlassen zu dieser unsäglichen Wahl beigetragen haben. Weder die Wahl selbst noch die zu erwartende Abwahl sind ein Renommee für unsere Gemeinde und ihre politischen Gremien“, zeigt sich der FDP-Fraktionsvorsitzende schuldbewusst.

Er räumt ein, dass man spätestens, nachdem der bisherige Ortsvorsteher Dietrich seinen Rücktritt mit der „Wirkungslosigkeit des Ortsbeirates“ begründet hatte, hätte erahnen können, dass die Nachfolge problematisch werden könnte. Hier hätten nach Meinung Platens „bei den Verantwortlichen sämtliche Lampen angehen müssen“. Er fragt: „Wer sollte denn allen Ernstes freiwillig den Vorsitz eines angeblich wirkungslosen Gremiums übernehmen? Aber anscheinend haben wir uns alle nicht ernsthaft genug damit befasst.“

Für die Liberalen sei zu diesem Zeitpunkt klar gewesen, dass Bernd Brandt, der ebenfalls für die FDP im Ortsbeirat saß, ebenso wie Dietrich nicht für eine Nachfolge zur Verfügung stehen und die FDP somit keinen potenziellen Kandidaten hatte, schreibt Platen weiter. Ob und gegebenenfalls welche Bemühungen die übrigen Parteien zur Klärung der Nachfolge unternommen haben, wisse er nicht. Gewundert habe er sich allerdings über „offensichtlich mangelndes Interesse am Verlauf und Ausgang der Wahl selbst“. Er macht das an der Tatsache fest, dass er an diesem Abend neben einem Gemeindevertreter der NPD einziger Gast der Sitzung war. „Sonst hätte ich in der Sitzung nicht alleine gesessen und wäre jetzt nicht Spekulationen ausgesetzt, die Wahl nicht verhindert zu haben“, mutmaßt er. Außer den anwesenden sieben Mitgliedern des Ortsbeirates seien zu Sitzungsbeginn noch eine der beiden fehlenden Mitgliederinnen erwartet worden. „Dass diese auch als mögliche Kandidatin für den Vorsitz gesehen wurde, war aber nicht ersichtlich.“

Bürgermeister Norbert Syguda hatte im Gespräch mit dem Kreis-Anzeiger gesagt, dass die Wahl nach seinen Informationen innerhalb sehr kurzer Zeit abgehandelt worden sei. Ähnlich formuliert es Platen. Man habe sich schnell auf eine geheime Wahl verständigt. „Der einzige Wahlvorschlag für Stefan Jagsch kam von Dietrich.“ Damit, erinnert er, hätte aber die Wahl von Jagsch noch lange nicht festgestanden. „Um so perplexer war ich bei der Verkündung des Ergebnisses und insbesondere dessen Eindeutigkeit. Allerdings konnte auch ich da noch nicht ahnen, welche Wellen das Ergebnis schlagen würde.“

Nach dem Gemeindevorstandsmitglied Claus Pfeffer (ebenfalls FDP) ist Christoph Platen der zweite Altenstädter Politiker, der selbstkritisch Versäumnisse einräumt. Pfeffer hatte wenige Tage nach der Wahl auf den Fakt hingewiesen, dass Jagsch bereits 2016 zum vierten Stellvertreter des Vorsitzenden der Gemeindevertretung gewählt worden war. Ein Amt mit allenfalls symbolischer Wirkung. Pfeffer hatte sich und den übrigen Gemeindevertretern Versagen vorgeworfen.

Auch interessant

Kommentare