1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis

Musik gegen die Angst

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sabine Bornemann

Kommentare

koe_Swinging2_050722_4c_1
Beschwingte Lebensfreude: Andrej Hermlin and his Swingin’ Hermlins treten am Samstag in der Trinkkuranlage ohne elektrische Verstärkung und in den passenden Outfits auf. © pv

Für ein paar Stunden den Wahnsinn der Welt vergessen. Das geht mit Swing und genau diese Musik spielt Andrej Hermlin mit seinen Swingin’ Hermlins in Bad Nauheim. Musik von Benny Goodman, Frank Sinatra und Co. Ohne elektronische Verstärkung und mit passendem Outfit. Mit dabei sind seine beiden erwachsenen Kinder. Ein besonderes Familienprojekt.

Musik gegen die Angst. Das hat schon in den 1930er und 1940er-Jahren geholfen. Damals in den USA während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Da hat die Musik von Benny Goodman und Co. die Menschen abgelenkt und sie fröhlich gestimmt.

Genau das möchte Andrej Hermlin mit seinem Swing Dance Orchestra. »Die Musik, die wir spielen, ist ein Kontrastprogramm zu dem, was im Moment geschieht. Wir versuchen, fröhlich und optimistisch zu sein«, sagt Andrej Hermlin. Er und seine »Swingin’ Hermlins« spielen Musik von Benny Goodman, Duke Ellington, Glenn Miller, Frank Sinatra, Count Basie und vielen anderen Stars der Swing-Ära.

Zusammen mit seiner Tochter Rachel, seinem Sohn David und vielen anderen Musikern wird er am Samstag, 9. Juli, als »Andrej Hermlin and his Swingin’ Hermlins« auf der Bühne der Trinkkuranlage stehen. Das Ensemble spielt zum 30-jährigen Jubiläum des Kultursommers Mittelhessen in Bad Nauheim. Hermlin liebt die Musik von Benny Goodman, seit er ein kleiner Junge war. »Ich kann mich an keine Zeit ohne diese Musik erinnern«, meint er. Denn im Haus seiner Eltern lief diese Musik. »Wann immer mein Vater eine seiner Jazz-Schallplatten spielte, rannte ich die Treppe unseres Hauses hinunter, setzte mich mit leuchtenden Augen und weit geöffneten Ohren neben den Lautsprecher unserer altmodischen Musikanlage.« Hermlin ist in einem Künstlerhaushalt aufgewachsen. Sein Vater ist der berühmte Schriftsteller Stephan Hermlin, seine Mutter russische Germanistin.

Hermlin hatte einen großen Traum: Er wollte ein Orchester gründen und wie Benny Goodman auf der Bühne stehen. »Ein Traum, der klingt, wie wenn andere Kinder davon erzählen, auf den Mars fliegen zu wollen«, erinnert er sich. Doch Hermlin hat es geschafft: 1987 gründete er in Berlin das Swing Dance Orchestra, das damals noch Swing Dance Band hieß. Damit wollte er Benny Goodmans Musik »retten«. »Ich wollte nicht, dass Goodman vergessen wird. Ich wollte möglichst viele Menschen für den Swing begeistern, ihnen zeigen, wie wunderbar diese Musik ist. Nur deshalb bin ich Musiker geworden«, sagt er.

Für den Swing begeistert haben sich auch Hermlins Kinder, sein Sohn David (21) und seine Tochter Rachel (18). Sein Sohn hat sehr früh den Weg zur Musik gefunden. Begann mit drei Jahren Schlagzeug zu spielen, zu tanzen und zu singen. »Schlagzeugspielen hat er sich selber beigebracht«, sagt sein Vater. Mit etwa vier Jahren trat David erstmals mit der Band seines Vaters auf. Mittlerweile ist er zusammen mit seiner Schwester einer der Hauptsolisten des Ensembles.

Rachel lernte früh, Klavier und Gitarre zu spielen. »Meine Kinder wollten das, sie wurden nie zu etwas gedrängt, konnten sich frei entfalten«, betont Andrej Hermlin. Rachel trat erstmal mit 15 bei der Weihnachtstour des Swing Dance Orchestra auf. Hat zuvor in Musicals gesungen, und war wie ihr Bruder Teil des »Jungen Ensembles« am Berliner Friedrichstadt-Palast.

»Seitdem Rachel im Orchester singt, ist das eine neue Band, nun ist all das möglich, was ich immer wollte: eine Band mit viel Entertainment, mit Tanz, Witz und Leidenschaft. Zusammen mit ihrem Bruder David hat Rachel unser Orchester gewissermaßen wachgeküsst und revolutioniert.«

Das hört man nicht nur, das soll man auch sehen. Das Ensemble greift auf amerikanische Originalarrangements aus den 30er und 40er Jahren zurück und kommt ohne elektrische Verstärkung aus. Möglichst authentisch soll die Musik dieser Zeit rüberkommen und genau das zeigen die Musikerinnen und Musiker auch optisch: Make-up, Kleidung, Frisuren - alles muss in die Swing-Ära passen. Das gilt auch für Notenpulte oder Mikrofone. »Die Musik wird nicht nur gehört, sie wird auch gesehen«, ist sich Hermlin sicher. Mit seiner Liebe zum Swing möchte Hermlin den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Sie »für ein paar Stunden den Wahnsinn der Welt vergessen lassen«, wie er sagt.

Er glaubt an die Musik von Benny Goodman. »Es ist die Musik, die wir lieben.« Genau diese Musik soll die Zuhörer begeistern - ihnen einen buchstäblich beschwingten Abend bieten und sie einen Moment die aktuellen Sorgen vergessen lassen.

Andrej Hermlin ist seit mehr als 30 Jahren einer der gefragtesten Swing-Musiker Deutschlands und über die Ländergrenzen hinaus sehr erfolgreich. Das Swing Dance Orchestra unternahm weltweite Tourneen: »Mit unseren Konzerten in New York ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen, den ich gar nicht zu träumen gewagt hatte. Wir waren im Pennsylvania Hotel und im Rainbow Room. Wir haben dort gespielt, wo Benny Goodman, Artie Shaw und Glenn Miller auftraten«, erinnert sich Hermlin. »Andrej Hermlin and his Swingin’ Hermlins« werden am Samstag, 9. Juli, um 20 Uhr in der Trinkkuranlage auftreten. Der Veranstalter hat der Wetterauer Zeitung 5 x 2 Karten zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Wenn Sie gewinnen möchten, schicken sie eine E-Mail mit dem Betreff »Swing« an redaktion@wet terauer-zeitung.de. Einsendeschluss ist der 7. Juli. Reguläre Karten gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

Auch interessant

Kommentare