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Musikalische Glanzlichter

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Ungewöhnliche, vielseitige und festliche Besetzung: vier Trompeter und Schlagwerk in Zusammenarbeit mit wechselnden Organisten - das sind seit 28 Jahren »Bavaria Brass«. © Ingeborg Schneider

Büdingen (mü). Mit stehendem Beifall hat das Publikum in der voll besetzten Büdinger Marienkirche das Konzert des Ensembles »Bavarian Brass« gefeiert, das ein festliches, fast schon auf den Advent verweisendes Glanzlicht inmitten der grauen Novemberabende setzte. Die 1994 von Benjamin Sebald ins Leben gerufene Formation in der seltenen Besetzung Trompete, Schlagwerk und Marimbafon kooperierte mit der kongenialen Dekanatskirchenmusikerin und Organistin Anne Schneider, die Sebald sowie Christoph Günther (Schlagwerk) seit ihrer Jugend verbunden ist.

Breites Spektrum an Stilrichtungen

Am Vortag noch in Roßtal bei Nürnberg unterwegs, verzauberte das Sextett nunmehr zum zweiten Mal die Zuhörer in dem knapp siebenhundert Jahre alten Büdinger Gotteshaus mit klassischen Hymnen und Chorälen, eindringlichen Psalmvertonungen, magischen Marimbaklängen und nicht zuletzt mit suggestiver Popmusik. Fließend und scheinbar mühelos, mit größter Spielfreude, Intensität und perfekter Intonation verbanden die Musiker das breite Spektrum an Stilrichtungen zu einem einzigen organischen Klangerlebnis. Den Einzug begleitete »Pastime with good Company«, eine Komposition König Heinrichs VIII. im Stil eines feierlichen Schreittanzes, gefolgt von der imposanten Herrscherhymne »August lebe, lebe König«, die Johann Sebastian Bach einst als Kurfürstlich Sächsischer Hofkomponist aus Anlass des Namenstages von August III. komponierte.

Geradezu tranceartig erfüllten »A little Prayer« von Evelyn Glennie das Kirchenschiff, Christoph Günther schuf als Solist am Marimbafon schwebende, nach oben strebende Klangwelten. Es folgten die beiden Psalmbearbeitungen »Denn er hat seinen Engeln befohlen« und »Richte mich Gott« von Felix Mendelssohn Bartholdy in zuversichtlichem Duktus mit einem romantischen Intermezzo im Dreivierteltakt und festlichen Harmonien als Höhepunkt und Abschluss.

Von Gordon Young stammte das perlendleichte »Prélude in Classic Style«. Ebenso wie das innige »Amen« von Pavel Stanek und nahezu alle Kompositionen im Repertoire von »Bavarian Brass« wurde auch dieses Werk von Ensemblegründer und Manager Sebald für die ungewöhnliche Besetzung arrangiert und eingerichtet. »Lost Mountain Sunrise« von Blake Tyson bot erneut Christoph Günther am Marimbafon Gelegenheit, den Tagesbeginn in den Bergen mit zarten, flirrenden Naturklängen erzählerisch auszumalen.

Highland Cathedral glanzvoller Schluss

Mit den epischen Werken »Adiemus«, »Benedictus« und »Palladio« des walisischen Erfolgskomponisten Karl William Jenkins wandte man sich dem Genre der Popmusik auf hohem Niveau zu, die berühmten Melodien gewannen durch Bläser, Schlagwerk und Orgel noch zusätzlich an Tiefe und Brillanz. Den offiziellen Konzertteil krönte Sebalds geniale Zusammenschau der »Conquest of Paradise« von Vangelis mit Maurice Ravels »Bolero«. Überwältigt brach das Publikum in Beifallsstürme und Bravorufe aus, die doppelte Zugabe war schlichtweg ein Muss. Die feurigen »Habanera« aus der Oper »Carmen« von Georges Bizet (1838 bis 1875), dargeboten am Marimbafon, eröffnete zum Abschluss noch ein weiteres faszinierendes Genre voller Temperament und Leidenschaft.

Glanzvoller Schlussakkord: »Highland Cathedral« mit Einzug von Benjamin Sebald durch den Mittelgang in Anlehnung an die Choreografien schottischer Dudelsackspieler zu dieser inoffiziellen Nationalhymne, die 1982 von den beiden zeitgenössischen deutschen Komponisten Ulrich Roever und Michael Korb geschaffen wurde.

»Unsere Zusammenarbeit ist ein Glücksfall und ich bin froh ›Bavarian Brass‹ bereits zum zweiten Mal nach Büdingen geholt zu haben«, stelle Dekanatskirchenmusikerin Anne Schneider nach dem Konzert fest. »Christoph Günther war in Hof mein Schulkamerad, Benjamin Sebald mein Lehrer an der Trompete - bis wir beide übereinstimmend feststellten, dass dieses Instrument nicht wirklich zu mir passt«, erinnerte sich die Organistin schmunzelnd.

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