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Musikalische Weltreise

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Das Lenz-Trio nimmt in der Stadtkirche auf eine musikalische Weltreise durch Länder und Epochen mit. © Elfriede Maresch

Nidda (em). Als musikalische Weltreise beschrieb Dekanatskantorin Katrin Anja Krauße die aktuelle Veranstaltung von »Nidda in Concert« in der Stadtkirche. Gekommen war das Lenz-Trio mit Karel Fleischlinger (Gitarre), Susanne Oehler (Flöte) und Torsten Oehler (Violoncello). Tatsächlich nahm das Ensemble die Gäste auf einen intensiven kammermusikalischen Ausflug durch Epochen und Länder mit.

Zugleich bot es eine Begegnung mit anspruchsvollen modernen Kompositionen, klug gewählt, die dem Publikum weder schwer zugängliche musikalische Experimente noch angestrengte Avantgarde zumuteten.

Ungewöhnliche

Zusammensetzung

Die Zusammensetzung des Lenz-Trios ist ungewöhnlich und bietet ein besonderes Hörerlebnis. Die helle Querflöte, die Gitarre mit ihren ausdrucksstarken Nuancen, das Cello, weich und dunkel in den tiefen und strahlend in den höheren Lagen, fanden sich hier zu subtilen Klängen zusammen. Nach dem gemeinsamen Studium der drei Interpreten an der Musikhochschule Weimar bildete sich zunächst ein Flöten-Gitarren-Duo, seit 1994 um das Cello erweitert. Das Lenz-Trio ist als anspruchsvolles Konzertensemble bekannt. Durch Fleischlinger, der in der Nähe von Brünn lebt, kam auch der Kontakt zu tschechischen Veranstaltern, auch im Rundfunk und bei renommierten Festivals zustande.

Mit einer lyrischen Solo-Passage der Gitarre begann das »Trio f-moll« des zeitgenössischen amerikanischen Gitarrenvirtuosen Javier Reyes, der auch mit zwei Bands auftritt. Die beiden anderen Instrumente fielen ein, traten je Strophe abwechselnd hervor, fügten sich zu einem feinen Klangbild mit melancholischem Einschlag.

Auf einer an barocke Instrumente angelehnten Nachbaugitarre spielte Fleischlinger solo zwei barocke Kompositionen aus »Codice Saldivar IV« des spanischen Komponisten Santiago de Murcia. Sowohl »Zarambeques« wie auch »La Jotta« erwiesen sich als konzertante Tänze und Fleischlinger zeigte virtuose Spieltechniken, präzise Wiedergabe rascher Triller und Verzierungen, schwirrendes Anzupfen der Saiten, Rhythmusbetonung durch Klopfen.

Für Violoncello und Gitarre schrieb der tschechische Gitarrist und Musikpädagoge Jan Truhlár die »Romanze für Pablo«, einen verhaltenen Dialog, der die feinen Klangnuancen unterschiedlicher Saiteninstrumente darstellte.

Der deutsche Sören Sieg ist nicht nur Sänger, Texter und Satiriker, sondern ein Komponist, der ausgesprochen »erzählende Musik« schreibt. So reagierte das Publikum mit temperamentvollem Applaus auf seine »Suite Cadiz« für Flöte und Gitarre. Ausgesprochen reizvoll waren die maritimen Klangbilder, der »Flug der Möwe«, der Assoziationen an Wind, an ferne Vogelschreie weckte, das »Bad der Meerjungfrau« mit tropfenden Tonfolgen, schließlich beim »Carneval de Cádiz« ausgelassenes musikalisch untermaltes Straßentreiben samt satirischen Effekten, weil Karnevalbands nicht immer die klangreinsten sind.

Beschwingt

und verspielt

Auch Ted Stanleys »Jungle Music« hatte lautmalende Elemente: ein Trillern der Querflöte, Stimmen, die sich überlagern, von der Gitarre gespielt, Großtiere, die sich einen Weg durch den Dschungel bahnen, im Klang des Cellos.

Drei Sätze gab der zeitgenössische französische Komponist Olivier Mayran de Chamisso seinen »Trios Abeilles pour ma Ruche«, auf deutsch ungefähr »Drei Bienen in meinem Bienenstock«, charakterisiert durch wechselnde Stimmungen.

Tänzerisch beschwingt und verspielt klingt das Andantino, dunkler, weicher das Adagio als Walzer, mit fallenden und steigenden Melodieführungen insbesondere der Querflöte der letzte Modéré-Satz. Für Cello und Gitarre schrieb der französische Komponist Alain Mitterand »Viviana«, ein zärtliches Porträt seiner Liebe zu einer jungen Frau, mit einer Prélude im Schreitrhythmus, einem sehnsüchtigen konzertanten Walzer und einem suggestiven Tango.

Musikalisches

Spiel der Kräfte

Das Kunstwort »Transilience« nahm der amerikanische Gitarrenvirtuose Andrew York als Titel für ein assoziatives musikalisches Spiel der Kräfte in drei Sätzen, dem Suchen nach Strukturen, dem sich Finden und wieder Verlieren.

Für den begeisterten Beifall des Publikums bedankten sich die drei Künstler mit dem verspielten »Albumblatt für Katja« von Jan Truhlár.

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