Interview zum Tag des Ehrenamts

"Es muss Bereitschaft da sein"

Die Bürgeraktive ist als gemeinnütziger Verein seit 30 Jahren ein fester Bestandteil im sozialen Leben Bad Vilbels. Im Gespräch mit Autorin Petra Ihm-Fahle erklärt der Vorsitzende Udo Knietsch (73), wie man andere zum ehrenamtlichen Engagement bewegen kann.

Welche Ziele hat die Bürgeraktive?

UDO KNIETSCH: Sie hat sich zur Aufgabe gemacht, Menschen zu aktivieren und Netze gegenseitiger Hilfe aufzubauen. Ungefähr 50 Selbsthilfe-, Gesprächs- und Kontaktgruppen haben wir, in denen sich Gleichgesinnte treffen. Wir unterstützen Ideen zu Gruppengründungen und helfen in der Startphase. Dabei kümmern wir uns um Aspekte wie zum Beispiel Räume und machen Pressearbeit. Wir organisieren, wenn nötig und sinnvoll, eine Impulsveranstaltung. Ziel ist es, Menschen mit gleichen Interessen und Problembereichen zusammenzubringen.

Wieso brauchen wir als Gesellschaft das Ehrenamt?

KNIETSCH: Nicht alles kann vom Staat, der Kommune oder von öffentlichen Stellen gemacht werden kann. Das Ehrenamt kann da eine gelungene Ergänzung sein. Ich habe ein Ehrenamt übernommen, weil ich die Zeit hatte, etwas Aktives machen wollte, was Sinn macht. Ich wollte meine Erfahrungen sinnvoll einbringen

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Was macht Ehrenamt attraktiv?

KNIETSCH: Es macht Spaß, zu spüren, anderen helfen zu können. Das ist ja hin und wieder der Fall. Dann ist das etwas, das sehr gut tut.

Welche Bedingungen müssen vorliegen, damit Ehrenamt gelingt?

KNIETSCH: Es muss eine gegenseitige Bereitschaft da sein, etwas zum Erfolg zu bringen. Es sollte ein Rahmen da sein, wie Räumlichkeiten. Wir haben das Glück, das "Haus der Begegnung" in Bad Vilbel nutzen zu können. Erfolge festzustellen, tut natürlich gut. Aber ich mache es vorwiegend, um zu helfen, zu unterstützen indem ich mich einbringe. Das kommt immer zuerst. Wenn ich dann sehe, dass ich etwas bewege, bin ich zufrieden.

In welchem Lebensabschnitt engagieren sich Menschen ehrenamtlich?

KNIETSCH: Fast in jedem Lebensabschnitt. Es gibt ja auch Jugendliche, die Zeltlager leiten. Aber die meisten machen es sicherlich, wenn sie sich vom Beruf verabschiedet haben und wenn sie diese Zeit gewinnbringend nutzen und ihre Erfahrungen einbringen wollen.

Wie hält man Ehrenamtliche bei der Stange?

KNIETSCH: Indem man sie nicht allein lässt. Wir haben in der Bürgeraktive, als ein Beispiel, sogenannte "In-Gang-Setzer". Es sind speziell geschulte Leute, die unterstützend versuchen, Gruppenbildungsprozesse in eine solide Form zu gießen. Wir setzen uns regelmäßig mit ihnen zusammen und besprechen, was gut und was nicht gut läuft. So haben alle das Gefühl, dass sie nicht alleine sind und das es gemeinsam immer oder zumindest oft eine Lösung gibt.

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