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Szene der Prügelei am Samstagabend in Nidda zwischen Spielern und Zuschauern. 

Sportgericht der Verbandsligen hat entschieden

Nach Massenschlägerei: Lange Sperren wegen Prügel-Eklat - Schiedsrichter hatte "Angst um Gesundheit"

Die heftigen Szenen bei den Büdinger Hallenkreismeisterschaften sorgen weiter für Diskussionen. Nun haben die Vorfälle weitere Konsequenzen. 

  • Massenschlägerei am 25. Januar bei den Büdinger Hallenkreismeisterschaften
  • Nun hat das Sportgericht Sanktionen ausgesprochen
  • VfB Rodheim/Horloff und SG Büdingen trifft es teilweise hart

Update, 19.2.2020, 17.40 Uhr: Das Sportgericht der Verbandsligen hat am späten Dienstagabend im Fall der Prügel- und Jagdszenen beim Büdinger Futsal-Cup ein Urteil gefällt (diese Zeitung berichtete). Die Kammer unter Vorsitz von Rainer Lach belegte die Vereine VfB Rodheim/Horloff (Kreisliga B) und SG 05 Büdingen (Kreisoberliga) mit jeweils sechs Punkten Abzug im laufenden Spielbetrieb und einer Geldbuße von 750 Euro. Das Strafmaß reduziert sich auf jeweils drei Zähler bzw. 500 Euro, sollten die Vereine bis zum 15. April an einem HFV-Seminar zur Konfliktbewältigung teilnehmen. Während die Rodheimer, die in der Grünberger Sportschule durch ihren Vorsitzenden Lutz Eiser und Fußball-Abteilungsleiter Dirk Droese vertreten waren, das Urteil bereits "zähneknirschend" (Eiser) akzeptierten, können die Büdinger um ihren Spielausschuss-Vorsitzenden Kim Richter noch Berufung einlegen. 

Massenschlägerei bei Futsal-Turnier: Strafen für Büdinger Akteure milder

Die beschuldigten Spieler – zwei von jedem Verein – akzeptierten das Urteil derweil. Gegen den Rodheimer Akteur Taylan Y. verhängte das Gericht wegen Tätlichkeit, unsportlichen Verhaltens und dem Herbeiführen eines Spielabbruchs eine Sperre bis zum 24. September (maximal 32 Partien). Teamkollege Ferhan Ü. kann bis zum 24. Juli (maximal 24 Partien) kein Pflichtspiel bestreiten. Auch hier reduziert sich das Strafmaß, falls die Spieler an einem Seminar zur Konfliktbewältigung teilnehmen. Für die Büdinger Akteure fielen die Strafen milder aus. Kamil K. ist für acht Begegnungen gesperrt. Akin K. fehlt für vier Spiele. 

Ironischerweise hatten die Ausschreitungen am 25. Januar mit dem im Futsal üblichen Fairplay-Anstoß begonnen. Nach der 2:1-Führung der Büdinger spielte der Rodheimer Taylan Y. den Ball zu SG-Spielertrainer Akin K. Dieser gab ihn zurück zur Rodheimer Mannschaft, um diese nach ihrem Anstoß wieder in Ballbesitz zu bringen. Der Pass wurde allerdings – selbst nach Aussage von Akin K. – recht wuchtig gespielt, sodass sich die Rodheimer provoziert fühlten. Der Büdinger Akin K. gab an, sich unmittelbar danach entschuldigt zu haben. Dennoch geriet er im weiteren Spielverlauf mit Taylan Y. aneinander und stand mit diesem – wie zwei Boxer im "Staredown" – Kopf an Kopf. Nun unterschieden sich die Aussagen: Während der Rodheimer angab, zunächst auf türkisch als "Hurensohn" beleidigt worden zu sein und selbst nicht geschlagen, sondern nur geschubst haben wollte, hatte der Büdinger Spielertrainer laut eigener Aussage und der seines Torwarts Kamil K. eine Kopfnuss von Taylan Y. kassiert. 

Dann schlug die Stunde der Torhüter. Kamil K. kam aus seinem Kasten, "um meinen Spielertrainer zu schützen". Dabei habe er nicht geschlagen, was die Rodheimer allerdings so gesehen haben wollten. In den Pulk, der sich mittlerweile gebildet hatte, flog dann auch noch VfB-Keeper Ferhan Ü., der der einzige war, der über seine Aktion aussagte, sie sei mit dem Oberkörper voran ausgeführt worden. Alle anderen, selbst Rodheims Vorsitzender Eiser, hatten ihn mit dem Fuß voran, also in Kung-Fu-Manier, in die Szenerie hechten sehen. Dabei traf er nach Büdinger Angaben auch noch SG-Akteur Ogulcan K. 

Massenschlägerei bei Futsal-Turnier: Video kursierte in sozialen Netzwerken

Kurzzeitig hatten die Spielleiter um Schiedsrichter Volker Höpp es geschafft, die Gemüter zu beruhigen, sodass alle Akteure auf ihren Bänken Platz nahmen. Höpp und Kollege Rolf Seifert entschlossen sich, Platzverweise gegen die beiden beteiligten Rodheimer und den Büdinger Torwart auszusprechen. Als dann Taylan Y. auf die Tribüne zurückkehren wollte, eskalierte die Situation noch mal. Der Rodheimer gab an, von Büdinger Zuschauern beleidigt worden zu sein, woraufhin er erwiderte: "Was wollt ihr? Dann kommt doch her." Anschließend hatten mehrere Zuschauer das Parkett betreten und dazu beigetragen, dass sich beispiellose Prügelszenen abspielten. Taylan Y. soll dabei einen Nasenbeinbruch erlitten haben. Er verortete den dafür verantwortlichen Zuschauer im Büdinger Lager. 

Die Massenschlägerei war am 25. Januar von einem Hallenbesucher per Kamera erfasst worden. Das in den sozialen Netzwerken veröffentlichte Video sorgte dafür, dass der Fall bundesweit Aufmerksamkeit erlangte. Immer wieder ließ Sportgerichtsvorsitzender Lach das Video vor den Zeugen laufen, um auch die gewalttätigen Zuschauer zu identifizieren. Die Büdinger Spieler konnten aber allesamt keinen namentlich benennen. "Das waren Freunde von Büdingen. Mit dem Verein haben die aber nichts zu tun" oder "ich kenne den nur vom Sehen. Das ist der Cousin meines besten Freundes" lauteten die grotesken Aussagen. Besonders zwei Zuschauer sind auf dem Video in die Prügeleien verwickelt. Einer davon kassierte einen Faustschlag von dem einfliegenden Rodheimer Taylan Y. 

Massenschlägerei bei Futsal-Turnier: Schiedsrichter bangt um Unversehrtheit

In der Beweisaufnahme wurde zudem klar, dass Schiedsrichter Höpp ursprünglich noch einen weiteren Rodheimer des Feldes verweisen wollte. Der Unparteiische, der zwischenzeitlich Interviewanfragen von RTL erhalten hat, gab an, beobachtet zu haben, wie Bavafa P. auf Zuschauer eingeschlagen habe und wie er selbst geschlagen worden sei. "Ihm stand der Hass ins Gesicht geschrieben. Um ehrlich zu sein, hatte ich Angst um meine Gesundheit, wenn ich gegen ihn eine persönliche Strafe ausspreche", sagte Höpp. Dieser Rodheimer Akteur kam am Dienstag erneut ohne Strafe davon, da sich das Gericht auf die Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters bezog und begründete, die Strafe hätte an dem Tag auch später noch durch eine mündliche Mitteilung gegenüber den Vereinsvertretern ausgesprochen werden können. 

Im Hinblick auf die Teilnahme an den Konfliktbewältigungsseminaren des HFV kam der Vorsitzende Lach am Ende zu der Einschätzung: "Die HFV-Seminare sind sogar kostenlos. Hoffentlich sind sie nicht umsonst."

Update, 19.2.2020, 10.30 : Mit zum Teil langen Spielsperren gegen die Akteure sowie Punktabzügen und Geldstrafen gegen die Vereine sanktionierte das Sportgericht der Verbandsligen am Dienstag in Grünberg die Beschuldigten im Falle der Massenschlägerei beim Büdinger Hallen-Futsalcup in Nidda. 

Die Kammer unter dem Vorsitz von Rainer Lach belegte die beteiligten Vereine SG Büdingen und VfB Rodheim/Horloff mit einem Punktabzug von jeweils sechs Zählern und einer Geldbuße von jeweils 750 Euro. Die Strafe reduziert sich, sollten beide Vereine an einem HFV-Seminar zur Konfliktbewältigung teilnehmen, auf jeweils drei Punkte bzw. 500 Euro. 

Massenschlägerei bei Futsal-Turnier: Spieler traf es unterschiedlich hart

Die beschuldigten Spieler traf es unterschiedlich hart. Die beiden Akteure der SG Büdingen müssen vier bzw. acht Pflichtspiele pausieren. Die beiden Spieler des VfB Rodheim/Horloff haben eine Sperre bis 24. September (max. 32 Pflichtspiele) bzw. bis 24. Juli (max. 24 Pflichtspiele) abzusitzen. Die Rodheimer Akteure erhalten ebenfalls die Möglichkeit, ihr Strafmaß durch die Teilnahme an einem Seminar zur Konfliktbewältigung zu reduzieren. 

Erstmeldung, 30.1.2020, 17.26: Der Kreisfußballausschuss Büdingen hat entschieden: Die SG 05 Büdingen und der VfB Rodheim/Horloff werden für drei Jahre von den Futsal-Hallenkreismeisterschaften ausgeschlossen, das dritte Jahr wird zur Bewährung ausgesetzt. Dies ist die Reaktion auf Prügel-Szenen zwischen Spielern und Zuschauern am vergangenen Samstagabend bei der Zwischenrunde in Nidda, die seitdem in den Sozialen Medien und der (über-)regionale Presse für Aufsehen sorgen. Das Vorgehen sei mit der Rechtsabteilung des Hessischen Fußballverbandes (HFV) abgestimmt, erklärte Hinterseher weiter.

"Gewalt hat im Fußball nichts zu suchen. Wir missbilligen die Vorfällen auf das Schärfste", sagte Kreisfußballwart Jörg Hinterseher, der mit seinen Vorstandskollegen in einer Sondersitzung am Mittwochabend zweieinhalb Stunden die Konsequenzen aus den Vorfällen beraten hat. "Das ist das, was wir als Kreisfußballausschuss machen können. Der Rest ergibt sich aus der noch folgenden Sportgerichtsverhandlung", erklärte der Büdinger Fußballchef, dessen Gremium Veranstalter des Turniers ist. "Gleichzeitig wollen wir den Vereinen mit der Strafe auch die Chance zur Erneuerung geben. Nach Ablauf der zwei Jahre und bei entsprechender Bewährung steht einer Wiedereingliederung in unsere Hallenkreismeisterschaften nichts im Wege." 

Massenschlägerei bei Futsal-Turnier: "Keine Gefahr" mehr nach Spielabbruch und Buruhigung der Lage

Für die Sportgerichtsverhandlung gibt es aktuell noch keinen Termin – auch weil das Büdinger Kreissportgericht nicht zuständig ist. Der Grund: Da der VfB Rodheim/Horloff zwar am Spielbetrieb des Fußballkreises Büdingen teilnimmt, auf dem Papier aber ein "Gießener" Verein ist, und der Kreis Gießen (Region Gießen/Marburg) und der Kreis Büdingen (Region Frankfurt) zwei unterschiedlichen Regionen des HFV angehören, ist aufgrund des "regionsübergreifenden Spielbetriebs" das Sportgericht der Verbandsligen zuständig. Mögliche Strafe für die betroffenen Spieler – drei hatten eine Rote Karte gesehen, ehe die Partie abgebrochen worden war – sowie die beiden Vereine sind Sperren, Punktabzüge bis hin zum Ausschluss aus dem Spielbetrieb. 

Das Hallen-Event im Fußballkreis Büdingen, das mit drei Vorrunden-, einem Zwischenrunden- und einem Finalturnier an insgesamt fünf Tagen mehr als 1500 Zuschauer in die Sporthallen gelockt hatte, soll derweil in seiner jetzigen Form erhalten bleiben. "So einen Zuspruch hatten wir in den vergangenen 28 Jahren, in denen das Turnier existiert, noch nicht. Wir wollen keine unbeteiligten Zuschauer, Spieler oder Vereine bestrafen und außerdem vor derlei Auswüchsen nicht den Kopf in den Sand stecken", erklärte Hinterseher. Er wies außerdem darauf hin, dass nach dem Spielabbruch in der Zwischenrundenpartie und der Beruhigung der Lage, "keine Gefahr" mehr bestanden habe. 

Massenschlägerei bei Futsal-Turnier: Möglichkeit zur Erstellung von Filmmaterial während des Turniers?

Um dennoch in Zukunft derlei Vorfällen Einhalt zu gebieten, habe der Kreisfußballausschuss außerdem beschlossen, sich über die Möglichkeit zur Erstellung von Filmmaterial während des Turniers zu informieren. "Vielleicht schreckt die Tatsache, dass alles gefilmt wird, ein wenig ab und gibt allen Beteiligten auch ein Stück Sicherheit zurück", meinte Hinterseher. Außerdem wäre im Falle einer Wiederholung solcher Szene die Ermittlung der Beteiligten sowie die Entstehung der Situation deutlich besser zu rekonstruieren, als dies aktuell mit einem in Netz kursierenden, 21 Sekunden langen Video-Schnipsel der Fall ist. 

Die VfB Rodheim/Horloff hält sich nach der Aussage des Vorstands vom Mittwoch übrigens bedeckt. Auf Nachfrage wollte Mannschaftstrainer Ali Duman keine weitere Stellungnahme abgeben. Die Rodheimer hatten darüber hinaus – und im Gegensatz zur SG Büdingen – auch keinen persönlichen Kontakt zu Hinterseher, wie dieser am Donnerstagvormittag erklärte. Unterdessen laufen auch die Ermittlungen der Polizei weiter. Einzelne Zeugen hätten sich bereits gemeldet, erklärte Polizeipressesprecherin Sylvia Frech auf Nachfrage. "Es läuft das Zusammentragen der Hinweise, um das Geschehen zu rekonstruieren", sagte sie. Weitere Hinweise sind dennoch erwünscht. Sie können bei der Polizei in Friedberg unter Tel. 0 60 31/60 1-0 gegeben werden.

Philipp Keßler/Christoph Sommerfeld

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