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Nach Unterschlagungsskandal bei Sparkasse: Zusätzliche Prüfungen beauftragt

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WETTERAUKREIS - (myl). Am 30. November wird der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Oberhessen, Günter Sedlak, über den derzeitigen Stand im Unterschlagungsskandal informieren. Das geschieht in einer nicht-öffentlichen Sitzung des Haupt-, Finanz- und Personalausschusses. Zusätzliche Prüfungen sind beauftragt worden, informierte Landrat Joachim Arnold den Wetterauer Kreistags.

Bis zu diesem Zeitpunkt dürften diese Untersuchungen abgeschlossen sein.

Im Frühjahr war durch einen Tipp einer anderen Bank ans Licht gekommen, dass ein leitender Sparkassenmitarbeiter eine gehörige Summe unterschlagen hatte. War zunächst von vier Millionen die Rede, erhöhte sich die Summe später auf fast neun Millionen. Der 44-Jährige sitzt in Untersuchungshaft.

Die Freien Wähler hätten die Informationen gerne früher und direkt vom Landrat gehabt. Das war Inhalt eines Antrags. "Wie konnte es trotz der Kontrollmechanismen des Verwaltungsrats dazu kommen, dass annähernd neun Millionen durch einen leitenden Angestellten unterschlagen wurden?" steht darin. "Hat der Verwaltungsrat geschlafen? Was wurde im Verwaltungsrat getan, um dieses zu verhindern?", wollte Fraktionsvorsitzender Erich Spamer wissen. "Jeder Bürger fragt sich, wie das überhaupt möglich gewesen und ob sein Geld auf der Sparkasse Oberhessen noch sicher ist?" Der Kreistag habe ein berechtigtes Interesse an einer Information. Er sei Gewährsträger und habe Anspruch auf die Ausschüttungen der Sparkasse. Also Geld, das in den Haushalt fließen könnte. Es mache den Fall wesentlich brisanter, dass erst durch eine andere Bank, die im Rahmen des Geldwäschegesetzes eine Kontrollmitteilung gemacht habe, der Fall ans Tageslicht gekommen sei.

Es sei nicht nur ein materieller, sondern auch ein großer immaterieller Schaden innerhalb der Belegschaft entstanden, sagte Rouven Kötter (SPD). Er bestehe allerdings kein Recht darauf, vom Landrat als stellvertretenden Vorsitzenden des Verwaltungsrats berichten zu lassen. Joachim Arnold sei zur Verschwiegenheit verpflichtet. Daher stellte die Koalition aus CDU und SPD den Änderungsantrag, dass der Vorstandsvorsitzende in einer nicht-öffentlichen Sitzung des Haupt-, Finanz- und Personalausschusses unterrichtet. Also nicht im Kreistag.

Der Verwaltungsrat sei seiner Kontrollaufgabe voll und ganz gerecht geworden und habe alle Prüfungen entgegengenommen, erklärte der Landrat. Unabhängige Rechnungsprüfer hätten den Sachverhalt geprüft. "Es ist ein Vorgang, der in jeder Bank unter Einhaltung der bestehenden Richtlinien hätte passieren können." Arnold sprach von einer hohen kriminellen Intensität und Intelligenz gepaart mit einem entsprechenden fachlichen Know-how des Mitarbeiters. Den Prüfern sei es dadurch nicht möglich gewesen, das aufzudecken. Das wäre allenfalls durch eine Einzelfallprüfung möglich gewesen. "Das Geld der Anleger ist bei der Sparkasse sicher. Es sind kein Privatmann und kein Unternehmen geschädigt worden, ausschließlich die Sparkasse."

Damit gab sich Gabi Faulhaber nicht zufrieden. Das Vorgehen der Sparkasse werfe Fragen auf, meinte die Vorsitzende der Fraktion Die Linke/Piraten.

Gabi Faulhaber verwies auf eine Presseerklärung von Sparkassenchef Günter Sedlak. Es sei getan worden, was getan werden konnte, hätte dieser geschrieben. "Die Frage bleibt, was wurde in den letzten zehn Jahren getan? Wurde da auch getan, was getan werden konnte?" Die Sicherheitsmechanismen, die von Sedlak als umfassend bezeichnet wurden, hätten ja versagt.

Mit dem Termin Ende November war die Mehrheit der Kreistagsabgeordneten einverstanden. Eine Antwort auf die Frage von Ulrich Majunke (FWG), ob es denn bei den neun Millionen Euro bleiben werde oder noch weitere Löcher zu erwarten sind, blieb offen.

Symbolfoto: Goss Vitalij/Fotolia

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