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Natur- und Gipfelerlebnis

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Ein kleines Dankeschön ins Gästebuch: Wolfgang Rauschel freut sich über die »Getränkebar« auf der Strecke zu seinem Lieblingsort Friedrichsberg. © Elfriede Maresch

Unter-Schmitten (det). Eine der ersten Zuschriften zur KA-Sommeraktion »Lieblingsorte« kam vom Unter-Schmittener Bürger Wolfgang Rauschel. Für ihn ist der Friedrichsberg auf dem Höhenrücken parallel mit dem Niddatal ein ganz besonderer Lieblingsort.

Eigentlich erstaunlich: »Der ausgebildete Berg- und Wanderführer hat über 4000 Berge vom Vogelsberg bis in den Himalaya und von Grönland bis zum Kilimandscharo bestiegen«, wie der Untertitel eines seiner Bücher lautet. Was zieht ihn auf eine Anhöhe, die grade mal 312 Meter hoch ist?

»Es muss nicht immer der Montblanc oder das Matterhorn sein. Das Natur- und Gipfelerlebnis kann man auch in unserer näheren Heimat haben«, sagt Rauschel mit Nachdruck.

Mindestens einmal in der Woche steigt er zum Friedrichsberg hinauf, dessen Kuppe wunderbar kühl und schattig in einem Buchen-Hochwald liegt. Eine Bank und einen Basaltblock mit einem metallenen Gipfelkreuz gibt es da oben. In einem Fach liegt ein Gipfelbuch und viele haben sich schon eingetragen. Ein paar Witzbolde sind dabei, aber auch viele, die die Landschaft loben. »Wanderfreunde aus Michelnau haben 2006 für die Gestaltung dieser schönen Stelle gesorgt« weiß der Bergführer zu berichten.

Beim Zuhören wird immer deutlicher, dass die Wanderung zu diesem Punkt auf der Höhe zwischen Unter-, Ober-Schmitten, Eichelsdorf und Michelnau eine Art Gesamterlebnis für Rauschel ist. Für ihn ist im wahrsten Sinn des Wortes schon der Weg das Ziel. Von Rauschels Haus aus geht es zunächst ansteigend durch die Feldflur. Kurz vor dem Beginn des Waldes hat sich ein Wohlwollender aus der näheren Umgebung, der ungenannt bleiben will, etwas Besonderes einfallen lassen. An einem von Bäumen beschatteten Plätzchen hat er eine Bank aufgestellt. Verblüffend einfach ist die »Getränkebar« daneben: eine verzinkte Waschbütte mit Wasser, in der Sprudel-, Bionade- und Bierflaschen gekühlt werden. Die Wanderer können sich einen Augenblick setzen, etwas trinken und eine Spende in ein Kästchen legen. Im Kästchen finden sich auch Zettel mit Informationen über die Wüstung Rechelshausen ganz in der Nähe. Keine Spur ist mehr von dem untergegangenen Dorf zu sehen.

Im ansteigenden Hochwald genießt Rauschel den Wechsel der Jahreszeiten: das Frühlingsgrün, die Goldfarben des Herbstlaubs, das Raureifgeglitzer im Winter. Nun gibt es unmittelbar oben am Gipfelstein zwischen den Bäumen keinen Fernblick, aber in kurzer Entfernung den Waldrand, wo sich ein weiter Blick auf das Niddatal bietet, insbesondere am Aussichtspunkt Schmitter Blick. An klaren Tagen ist sogar der Dünsberg bei Gießen zu erkennen.

Auch in der Nähe des Friedrichsberges gibt es etliches zu entdecken: die Basaltgruppe der Bärensteine, lohnend auch bei einem Ausflug mit Kindern. Den ganz versteckt im Dickicht liegenden ehemaligen Jagdschirm, einen Steinkreis wohl noch aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg. Auf der anderen Seite des Friedrichsberges geht es weiter in Heißbachtal. Von dort aus lohnt ein Abstecher zu den grandiosen Felswänden des Michelnauer Steinbruchs. Von Eichelsdorf, Ober- und Unter-Schmitten aus geht man eine starke Stunde bis hinauf zum Friedrichsberg, von Nidda aus etwas länger. Der Weg ist gut ausgeschildert.

Rauschel selbst braucht die tägliche Bewegung so nötig wie die Luft zum Atmen. Er hat früher an Marathonläufen teilgenommen, legt jetzt noch eine tägliche Wanderstrecke von zehn Kilometern zurück: »Auch bei Wind und Wetter, auch während des Corona-Lockdowns«.

Kondition Schritt

für Schritt aufbauen

Wenn aber andere, weit weniger Trainierte zum Friedrichsberg oder zum Heißbachteich aufbrechen wollen, gibt der erfahrene Wanderführer Tipps: »Möglichst nicht von 0 auf 100, auch die Kondition für kleine Wanderungen sollte schrittweise aufgebaut, bequeme strapazierfähige Schuhe angezogen werden. Längere Strecken, vor allem am Berg, sollte man in Etappen gehen. Zu verschnaufen, ist überhaupt nicht ›unsportlich«.

Genügend zu trinken gehört in jeden Rucksack. Wer die Einsamkeit liebt, ist an einem Wochentag in der Regel allein mit der Natur.

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