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»Netzwerk blühende Landschaft« sucht Mitstreiter in Ortenberg

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Biene und Schmetterling unterwegs auf einer intakten Wildblumenwiese. Mehr davon wünschen sich die Aktiven der Regionalgruppe Oberhessen. © Red

Die Vielfalt an Wildblumen und damit auch die Vielfalt an Insekten nimmt immer weiter ab. Dem will das »Netzwerk blühende Landschaft« entgegenwirken und sucht in Ortenberg Mitstreiter.

Ortenberg (awr). ...wo sind sie geblieben? Diese durchaus dramatische Frage, frei nach dem Antikriegslied von Marlene Dietrich, stellt sich die Organisation »Netzwerk blühende Landschaft« mit ihren Aktiven der Regionalgruppe Oberhessen speziell nach den Wildblumen. Das fragt sich aber vermutlich jeder Mensch, der sich auch nur ein bisschen für die Umwelt und deren Schutz interessiert. Am Montag, dem Tag der deutschen Einheit, kommen hoffentlich viele in Ortenberg, Philipp-Glenz-Straße 4, zusammen, hofft Erich Scheurmann von der Regionalgruppe. Zum regen Austausch, um Informationen zu bekommen und sich bestenfalls der Gruppe anzuschließen. Dann kann die aktive Arbeit im Umweltschutz losgehen.

Einsatz mit Blick auf Landesgartenschau

»Ich habe einen Traum«, sagt Scheurmann in bester Martin-Luther-King-Manier (»I have a dream«). »Ich möchte, dass sich viel mehr Menschen für Insektenschutz und Artenerhalt einsetzen. Dafür brauchen wir Leute, die bereit sind, sich ehrenamtlich aktiv in unserer Regionalgruppe zu engagieren.« Nun ist es oft der Fall, dass der Mensch vorm Ehrenamt zurückschreckt. »Bitte keine falsche Vorstellung«, beruhigt Scheurmann, »wir sind kein Verein. Man muss keine Mitgliedsbeiträge zahlen - apropos zahlen: das einzige, das zählt, ist aktive Mitarbeit.«

Auch im Hinblick auf die Landesgartenschau 2027 sind Scheurmann und seine Mitstreiter umtriebig, denn diese richtet erstmals eine ganze Region aus, nämlich elf Kommunen der Region Oberhessen. Das sind im einzelnen Büdingen, Echzell, Gedern, Glauburg, Hirzenhain, Kefenrod, Limeshain, Nidda, Ortenberg, Ranstadt und Schotten.

Wenn Erich Scheurmann von Insekten, Wildblumen, Wald und Wiesen spricht, leuchten seine Augen noch mehr als sonst. Der 85-jährige, von Beruf Psychologe, hält selbst Honigbienen und hat einen Wildblumengarten. »Ich habe zwar Honigbienen, gebe aber zu, dass die Wildbiene etwas fleißiger im Artenerhalt ist, ganz einfach, weil sie mehr Blumen bestäubt als ihre Honiggenossinnen. Und leider stehen bereits 50 Prozent der deutschen Wildbienen auf der Roten Liste für gefährdete Arten. Bei den Schmetterlingen sind deutschlandweit mindestens 60 Arten sogar bereits ausgestorben. Wir müssen dem Bienen-, überhaupt dem Insektensterben und dem Artenverlust der Wildblumen rigoros Einhalt gebieten.«

Anlage von Wildblumenbeeten

Scheurmann macht deutlich, wie wichtig sowohl das eine als auch das andere ist: »Es gibt eine jahrtausendealte Kooperation zwischen Pflanzen und Insekten, eine natürlich gewachsene. Es kann doch nicht sein, dass der Mensch es schafft, dieses Wunderwerk der Biologie innerhalb weniger Jahrzehnte durch sein Fehlverhalten zu zerstören!«

Darum geht es dem in ganz Deutschland durch viele Regionalgruppen vertretenen »Netzwerk blühende Landschaft« der Organisation gegen das Insektensterben. Deren Leitsatz: Gemeinsam lassen wir es blühen! Die Regionalgruppe Oberhessen ist zwar auf der Internetseite der Organisation noch nicht vertreten, ist aber in der Gründungphase und damit auf regen Zulauf vieler Menschen angewiesen, die mittun wollen: Mitstreiter, die engagiert sind und durch konkrete Projekte vor Ort dem Naturschutz nützliche Dienste leisten möchten. Wie kann so etwas aussehen, so ein konkretes Projekt? Das wird am kommenden Montag bei dem Treffen in Ortenberg (siehe Kasten) ganz anschaulich gezeigt.

Hier schon mal ein Beispiel: angehende Umweltschützer haben vor, ein Wildblumenbeet anzulegen. Fragt sich, wie geht das? Woher kommt überhaupt der Samen? Wie viel Platz benötigen die Pflanzen?

Es gibt mittlerweile schon Gärtnereien, die Wildblumensamen anbieten oder auch Setzlinge. Aber noch nicht sehr viele. »Auch da gilt es, Überzeugungsarbeit zu leisten«, meint Umweltaktivist Scheurmann. »Es wird eben für den akkuraten, deutschen Garten doch eher die klassische Geranie gekauft. Wer aber ein kleines Stück seines Gartens, oder auch Balkons den Wildblumen einräumt, macht einen großen Schritt in Richtung aktivem Umweltschutz. Das wünsche ich mir sehr.« Damit auch die sieben Scheurmann-Enkel in Zukunft auf mehr Wildblumenwiesen spielen können und Insekten entdecken - und einfach alle Menschen sich an mehr gesunder Natur erfreuen können.

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