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Neue Lebenswelten kennenlernen

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»Das Jahr hat mir wirklich was gebracht«, meinen junge Leute aus FSJ und BFD beim Abschlussseminar. © Elfriede Maresch

Schotten (em). Das Gespräch des Abschlussseminars im Schottener Vogelpark ist lebhaft, manchmal kontrovers. Unterschiedliche Temperamente, Erfahrungen und Ziele zeigen sich. Junge Menschen sitzen da in einem Tagungsraum zusammen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) in den unterschiedlichen Arbeitsfeldern der Schottener Sozialen Dienste gemacht haben:

in stationären Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, in Wohnheimen oder Werkstätten von Menschen mit Behinderung oder psychischen Erkrankungen, selbst im Kunstatelier »Tierisch bunt« oder im Pflegeheim für Senioren.

Regelmäßiger Austausch gehört dazu, Anja Ludig, Diplom-Sozialarbeiterin und eine der vier pädagogischen Fachkräfte der Abteilung Freiwilligendienste, begleitet das Seminar. Warum sich die jungen Leute für ein FSJ entschieden? Der 17-jährige Markus wusste kurz vor dem Realschulabschluss noch nicht so recht, wie es nach der Schulzeit beruflich weitergehen könnte. Die 19-jährige Luise hat ein Medizinstudium im Blick, scheiterte aber mit einem Abiturschnitt von 1,8 vorerst an der Numerus-Clausus-Hürde. Wie Markus und Luise geht es vielen ihrer Altersgruppe, deren Wunschziel nach Schulabschluss unklar oder noch nicht zugänglich ist. So suchen sie eine Zeit der Orientierung, der Begegnung mit der Arbeitswelt, mit sozialen Aufgaben, entscheiden sich für ein FSJ.

Daraus kann eine Win-win-Situation für die soziale Einrichtung mit ihren Klienten wie auch für die jungen Leute selbst entstehen. Die FSJ-ler kommen in Lebenswelten, die sie vorher nicht kannten, erproben sich auf ungewohnten Arbeitsfeldern und in Stresssituationen, lernen eigene Stärken und Schwächen besser kennen. Sie bringen aber auch ihr Interesse, ihre Zuwendung zu den betreuten Menschen, ihre Ideen ein, entlasten die Teams bis zu einem gewissen Grad. »Der Start der FSJ- wie der BFD-Kräfte wird gut vorbereitet«, sagt Ludig. Nach der Kontaktaufnahme gibt es zunächst ein Informationsgespräch. Die Interessen der Bewerbenden werden angesprochen, die möglichen Arbeitsfelder. Ein Probetag in der angestrebten Institution schließt sich an. Nach einiger Zeit wird eine Zielvereinbarung in den Einrichtungen abgeschlossen, die auch persönlich gewünschte Entwicklungsziele enthält: »Orientierung im Bereich sozialer Berufe« etwa oder »Mehr Selbstbewusstsein, mehr Durchsetzungsvermögen«.

Stress bewältigen

Bei der Reflektion des Jahres im Abschlussseminar werden auch Stresssituationen angesprochen: Ein Tag in der Kindergruppe, wo alle kratzbürstig, schlecht gelaunt sind - Streit schlichten ist angesagt. Eine Woche im Pflegeheim, wo eine Erkältungswelle umgeht, die Senioren besonders viel Hilfe brauchen. Ein Tag in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung, wo eine Maschine kaputt ging, eine Materiallieferung verzögert kam, alle sich gegenseitig auf die Nerven gingen.

Antworten aus der Runde: »Geduld haben, Kleinigkeiten wegstecken, sich was einfallen lassen, damit das Stimmungsbarometer wieder hoch geht.« Und noch etwas Wichtiges haben die jungen Leute gelernt: »Man darf den Stress nicht mit nach Hause nehmen, man muss was haben, was den Akku wieder auflädt.« Beispiele? »Musik hören und in meiner Band spielen«, sagt ein junger Mann. Eine junge Frau nennt die Beschäftigung mit ihren Lieblingstieren, eine andere das Joggen mit Freundinnen.

So ist oft am Ende des Freiwilligendienstes von den jungen Leuten zu hören: »Ich habe neue Erfahrungen gemacht und bin selbstständiger geworden. Und ich habe so viel zurückbekommen. Die Leute haben sich gefreut, wenn ich da war. Dieses Jahr hat mir wirklich was gebracht«.

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