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Neue Sonderausstellung in der Keltenwelt am Glauberg

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cwo_CWOkelten5_110322_4c © Carsten Woitas

Als Auftakt zum Archäologie-Jahr »Kelten Land Hessen« startet in der Keltenwelt am Glauberg eine Sonderausstellung, die faszinierende Einblicke in das Leben vor rund 2500 Jahren bietet

V ier Monate war die Keltenwelt am Glauberg für Besucher geschlossen. Die gesamte Ausstellung baute man für eine Sonderschau zum erstmals stattfindenden Archäologie-Jahr mit hessenweiten Ausstellungen und Aktionen um. Die Zentralschau ist auf dem Glauberg zu sehen. Und ihr Titel »Eine neue Zeit bricht an« wirkt gleich in mehrfacher Hinsicht bezeichnend und fast schon prophetisch, wie Landesarchäologe Prof. Dr. Udo Recker zum Start in der Keltenwelt erklärte.

»Als Keltenwelt-Direktorin Dr. Vera Rupp 2018 zum Planungsstart für das Archäologie-Jahr diesen Titel für die Ausstellung vorschlug, hatte sie gewiss anderes im Sinn, als das, was dann kommen würde«, so Recker. Sie dachte sicherlich an das bahnbrechende der Epoche, mit der sich die Ausstellung beschäftigt - die Einführung von Eisen als Werkstoff und den damit verbundenen ungeheuren Schub für die gesellschaftliche Entwicklung. Vielleicht auch an die von Wissenschaftsministerin Angela Dorn in ihrem digitalen Grußwort beschriebene komplette Neuinszenierung der Keltenwelt. Dann kamen aber die enormen Einschränkungen und Herausforderungen der Corona-Pandemie, die auch die Ausstellungsmacher hart traf. Sie führte unter anderem zur Verschiebung des Archäologie-Jahrs.

Und schließlich kam der 24. Februar. »80 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg erleben wir in Europa wieder Krieg und Vertreibung mit unzähligen Opfern«, so Recker. Und fragte, ähnlich wie Ministerpräsident Volker Bouffier in seinem zuvor ebenfalls digital gezeigten Grußwort, ob eine Feier zu einer Ausstellungseröffnung angemessen sei, wenn einige Hundert Kilometer weiter östlich Menschen einen sinnlosen Tod sterben? Auch die Keltenwelt sei unmittelbar vom Krieg betroffen, pflege sie doch enge Beziehungen zu Kollegen im russischen Sibirien. Aber auch wenn es in Russland mutige Wissenschaftler gibt, die diesen unmenschlichen Krieg verurteilen, sei man sich sofort im Klaren gewesen, jegliche Zusammenarbeit einzustellen, so Recker, der dezent aber eindeutig mit blauem Hemd, gelber Krawatte und blau-gelbem Einstecktuch seine Position zum Krieg klarstellte.

Eindrucksvolle Exponate

Bereits zuvor hatte Direktorin Vera Rupp auf die besonderen Herausforderungen bei der Planung unter Corona-Bedingungen hingewiesen, die von allen viel abverlangt habe. Dennoch zeigte sie sich überzeugt, dass allen Beteiligten etwas Außergewöhnliches gelungen sei. »Ein Thema, an dem man hessenweit forscht, können wir nun mit umfangreichen neuen Erkenntnissen der Öffentlichkeit präsentieren«, so Rupp. Dafür gebühre dem Team ein großer Dank.

In einem anschließenden Rundgang erläuterten Dr. Julia Koch, die federführend an der Ausstellungsgestaltung beteiligt war, und Keltenwelt-Pressesprecher Lars Corsmeyer die eindrucksvollen Exponate. Die neu gestalteten Ausstellungsräume beherbergen neben bekannten Ausstellungsstücken, wie etwa der Statue des Keltenfürsten, auch eine ganze Anzahl von Funden, die bislang noch nicht zu sehen waren. Daneben gibt es auch Leihgaben anderer Museen und Zusammenführungen von Funden einer Grabung. »Wir zeigen hier zum Beispiel das reichhaltige Grab des Glauberger Keltenfürsten in der Anordnung, wie man es damals entdeckt hat«, erklärt Corsmeyer.

Dabei will die Ausstellung einen umfassenden Einblick in das Leben eines Volks bieten, das in unserer Region in der Zeit von etwa 800 vor Christus bis zur Zeitenwende lebte. Und das Informationsangebot ist breit gestreut. Es reicht von der Ernährungsweise der Kelten mit so seltenen Funden wie Koriandersamen, der in der Region nicht wächst, also importiert wurde, bis zur Erkenntnis, dass Wild nur selten auf dem Speiseplan stand, man also nicht mehr von der Jagd abhängig war.

Der damaligen Technik ist ein Bereich gewidmet, etwa mit der ältesten Brücke Hessens, die knapp 2300 Jahre alt ist, oder der fast schon industriellen Herstellung von Salz auf einem großen Salinenareal bei Bad Nauheim. Aber auch Bereiche wie Münzwesen, medizinische Versorgung und Begräbnissitten sowie Jenseitsvorstellungen finden Berücksichtigung. Wobei Julia Koch anmerkt, dass hier noch vieles im Verborgenen liegt: »Wir wissen beispielsweise nicht, warum bei den Körperbestattungen des Fürsten vom Glauberg und eines Kriegers bei Ober-Wöllstadt auch Leichenbrand gefunden wurde, also Tote verbrannt und mit ins Grab gegeben wurden. Unklar ist auch, in welchem Verhältnis die verbrannten Toten zu den Bestatteten standen.«

So lädt Udo Recker zum Abschluss seiner Rede dazu ein, die Welt der Kelten mit eigenen Augen zu erleben. »Die Kelten hinterließen keine schriftlichen Zeugnisse. Wir waren also bislang auf fremde Quellen, vor allem der Römer, angewiesen, die diese nur als Krieger und Barbaren beschrieben. Wie viel Wahrheit Kriegspropaganda allerdings besitzt, erleben wir aktuell in besonderem Maße. Machen Sie sich also ein eigenes Bild.«

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cwo_CWOkelten2_110322_4c © Carsten Woitas
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Schweifender Blick: Bruchstück einer der monumentalen Steinstatuen des Keltenfürsten. © Carsten Woitas
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An zahlreichen Terminals gibt es zu den Funden auch digitale Informationen oder 3-D-Darstellungen, etwa von am Computerbildschirm rekonstruierten Gebäuden, wie Keltenwelt-Pressesprecher Lars Corsmeyer zeigt. © Carsten Woitas

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