1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis

Nidda Solidarisch hofft auf Solidarität

Erstellt:

Kommentare

myl_Niddasolidarisch_310_4c_1
Nidda Solidarisch ist eine Organisation und ein Aufruf zugleich, den »Querdenkern« nicht das Feld zu überlassen. © Myriam Lenz

Die Gruppe gründete sich im Februar. Seitdem wurde den Engagierten mehrmals Gewalt angedroht. Ihren Kampf gegen rechte Auswüchse hat dies allerdings nicht gebremst.

Seit Februar dieses Jahres taucht Nidda Solidarisch in Social-Media-Kanälen wie Facebook, Twitter, Instagram und auch in der Öffentlichkeit auf. Zu dieser Zeit trafen sich auch in Nidda montags immer mehr Leute am Marktplatz, um gegen die Corona-Maßnahmen zu demonstrieren. Für Klaus, der eigentlich anders heißt, aber seine Identität hüten will, war das nicht mehr tragbar. Er nahm Kontakt zur Antifa Bildungsinitiative (Antifa BI) in Friedberg auf. Deren Netzwerk half, vor Ort Gleichgesinnte zu finden. Mittlerweile sind sie zu fünft. Sie veranstalteten zwei Mahnwachen und beteiligten sich an weiteren Veranstaltungen, suchten den Kontakt zu den Parteien.

Wer marschiert auf den Demos mit?

Die Beobachtung der Montagsdemos ist ihnen wichtig. Wer marschiert dort mit? Sind es Anthroposophen oder knallharte Nazis? Die Mitglieder werteten mithilfe der Antifa BI Fotos aus. Ihnen sind viele Gesichter von AfD- oder NPD-Versammlungen bekannt.

NPD-Funktionäre wie Daniel Lachmann wurden einige Male in Nidda gesehen. Ein Teilnehmer lief mit AfD-Plakaten vor seinem Bauch und auf seinem Rücken mit. Einer zeigte ungeniert den Hitlergruß. Und viele andere, die in der Telegram-Gruppe immer betonten, sie seien ja nicht rechts, dann aber regelmäßig Aussagen oder Videos von eben solchen Gruppen posteten. Klaus nennt ein Zitat aus der Wetterauer Telegram-Gruppe: »Menschen, die nicht arbeiten, haben kein Recht zu leben.« Und es gab keinen Widerspruch. »Das tut weh, wenn man so was liest. Ich würde das schon als rechtsradikal bezeichnen«, sagt Karin, die sich ebenfalls bei Nidda Solidarisch engagiert. »Keiner sollte mit gutem Gewissen zu einer Demo gehen, zu der die NPD oder die AfD aufruft. Das ist mehr als naiv«, ergänzt Klaus.

Für Klaus sind die »Querdenker« für rechtsradikales Gedankengut offen. Sie würden die geforderte Freiheit nur für sich in Anspruch nehmen. Für Karin, die gesundheitlich angeschlagen ist, trägt die Kernforderung der »Querdenker« Faschismus in sich, wenn sie indirekt sagten, »ich bin mehr wert als du«. Auf Facebook bitten die Administratoren von Nidda Solidarisch die Bürger, weiterhin einen Mund-Nasen-Schutz zu nutzen.

Breiter Zuspruch, aber trotzdem allein

Irgendwie finden es fast alle gut, dass Nidda Solidarisch etwas gegen diese Strömung macht. Fast alle Ladenbesitzer erlaubten ihnen, Plakate aufzuhängen. Einige hatten aber auch Angst. Ein Friseur, der regelmäßig gegen die Corona-Maßnahmen demonstrierte, reagierte wütend, beschimpfte und bedrängte Klaus.

Und trotz des breiten Zuspruchs stehen sie ziemlich allein da. Die Bereitschaft der Bürger, sich dazuzustellen, sei verhalten. Betroffene von der Pandemie blieben bewusst den Mahnwachen fern, um sich zu schützen. Zum Teil sei aber auch eine Verharmlosung der Situation der Grund.

Mit Sorge denken sie an den Herbst. Die »Querdenker«-Szene werde sich auf die Energieproblematik und die Inflation als neues Thema einschwören. »Bei jeder größeren sich anbahnenden Krise bekommen die Aufwind«, sagt Karin. Sie würden eine gesellschaftliche Unterströmung aufspüren, sie stärken und nach oben bringen. Klaus verweist auf eine neue AfD-Bewegung »Schüler gegen links«, die bundesweit agiert und zu der laut ihren Informationen auch ehemalige Schüler aus Nidda gehören.

Beide diskutieren: Sind die »Querdenker« Opfer russischer Propaganda? Wie weit lässt man sie mit dieser Feststellung aus der Verantwortung? Sind Blockheizkraftwerke, die die Niddaer Grünen feiern, nicht ein Verrat an den eigenen Werten, weil Holz nicht klimaneutral ist? Es gebe doch schlaue Energielösungen, die jedoch noch nicht vorgesehen seien. Da würden die Nazis draufhüpfen.

Sollten wieder Demonstrationen stattfinden, wird Nidda Solidarisch wieder auftauchen. Dazu müssten es jedoch mindestens 40 Leute sein. Die Gruppe hofft darauf, dass sie aus der Politik mehr Unterstützung erhält. Die gemeinsame Resolution des Stadtparlaments vom Februar 2022 und die verabschiedete Allgemeinverfügung sind ihrer Ansicht nach ein zahnloser Tiger, nicht ausreichend, um wirkungsvoll gegen »Querdenker« vorzugehen. Klaus und Karin erinnern an einen geplanten Aufmarsch der NPD 2009 in Friedberg und Nidda, der durch eine beherzte Blockade der Bürger am Bahnhof verhindert wurde. Diese resolute Haltung beeindruckt sie und sie sei auch heute notwendig.

Auch interessant

Kommentare