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Nidda: Thomas Eckhardt (SPD) will in die Fußstapfen seines Vaters treten

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Am Hallenbad sollte nach Meinung Thomas Eckhardts ein Sportzentrum mit Bädern und Kunstrasenplatz entstehen. © Myriam Lenz

Zu Hause hat Thomas Eckhardt bereits als Junge durch seinen Vater erfahren, was es heißt, Rathauschef der Stadt Nidda zu sein. Nun strebt der Sozialdemokrat selbst das höchste Amt an.

Treffpunkt SPD-Bürgerbüro. Auf dem Handy poppt die Ortsangabe Wilhelm-Eckhardt-Platz auf. Thomas Eckhardt, der Sohn von Wilhelm Eckhardt, öffnet die Tür. In dem unteren Raum des Fachwerkhauses zeigt sogar die Farbe des Kühlschrankes die SPD-Zugehörigkeit. Noch besser: Von diesem Büro hat der Bürgermeisterkandidat einen direkten Blick aufs Niddaer Rathaus. Dort will er hin. Entschieden wird das bei der Wahl am 16. Januar.

Wilhelm Eckhardt war der letzte Bürgermeister der kleinen selbstständigen Gemeinde Nidda und nach der Gebietsreform, die 1971 aus 18 selbstständigen Dörfern die neue Großgemeinde schmiedete, ihr erster Rathauschef. Ihm zu Ehren bekam dieser kleine Platz in der Altstadt seinen Namen. Wie hoch ist wohl der »dem-Wilhelm-sein-Bub-Bonus«? Eher gering, schätzt der 62-Jährige. Bei manchem würde es vielleicht noch ein wenig mitschwingen.

Ziel war, eine Einheit zu schmieden

Am Küchentisch hat der junge Thomas Eckhardt die Kommunalpolitik hautnah mitbekommen. Bestimmte Tage sind ihm besonders in Erinnerung geblieben. Als zum Beispiel der Erste Stadtrat Karl Dietz überraschend starb. Sein Vater war schockiert. Die Familie saß an jenem Tag nachmittags am Tisch zusammen, sein Sohn spürte plötzlich die ganze Last und Verantwortung, die sein Vater nun trug. Auch erinnert er sich an die Zeit, als der Gebietszusammenschluss vorbereitet wurde. »Mein Vater war jeden Abend sehr lange unterwegs. Es ging darum, eine Einheit zu schmieden und die besten Entwicklungschancen zu erhalten.« Eichelsdorf wollte autark bleiben, hatte durch eine verhältnismäßig große Industrie hohe Steuereinnahmen. »Aber es bleibt ja nicht immer so«, gibt Thomas Eckhardt zu bedenken. »Sie hätten auch plötzlich mit nichts dastehen können.« In guten Zeiten bedeute der Zusammenschluss Zugeständnisse für andere, in schlechten könne der einzelne profitieren. »So findet ein Ausgleich statt, das nennt sich Solidarität. Diese fehlt ein bisschen in den Ortsteilen. Da wird teilweise gesagt, das ganze Geld fließt ja nach Bad Salzhausen. Andere sagen, wenn wir allein geblieben wären, würden wir im Geld schwimmen.« Für Eckhardt sind das unreflektierte Sprüche, die leicht zu entkräften seien. »In Bad Salzhausen wohnen zwar relativ wenige Leute und es fließt sehr viel Geld hin. Doch der Kurort übernimmt Aufgaben für die Naherholung, die man zentral ansiedeln muss. Wenn man bedenkt, wie viele Arbeitsplätze es durch die Pflege und das Gesundheitswesen gibt, ist das immens. Würde dieser Wirtschaftsfaktor fehlen, würde sich mancher umgucken.«

Das Verständnis füreinander sei, so empfindet es Eckhardt, in den vergangenen Jahren insgesamt weniger geworden. Oft hört er: »Wir zahlen ja nur die Steuern für Nidda oder Bad Salzhausen.« Das lässt er nicht gelten: Mit der Grundsteuer B würde Infrastruktur geschaffen, also ein Wert, der sich insbesondere bei dem Verkauf eines Hauses wieder auszahle. »Die Grundsteuer wird eingesetzt, um eine Wertigkeit zu erhalten, von der alle profitieren. Solche Sachverhalte darzustellen, habe ich oft probiert. Es ist mir manchmal gelungen, manchmal auch nicht. Manche Leute wollen es überhaupt nicht hören.«

Seine im Wahlkampf benannten Hauptziele hält er relativ allgemein: eine bürgernahe und freundliche Verwaltung, die gerne Herausforderungen bewältige, die Entwicklung von Wirtschaft und Gewerbe für eine Vielfalt an Jobs. Zudem der Klima- und Hochwasserschutz, angepasst an die jeweiligen Stadtteile.

Den Schwerpunkt der bürgernahen und freundlichen Verwaltung macht er an den Ortsbeiräten fest. Eckhardt ist seit einigen Jahren im Ortsbeirat der Kernstadt und seit März Ortsvorsteher.

Die Antworten aus dem Rathaus seien für die Gremien oft unbefriedigend. Dazu hatte er seinen Vorgänger gebeten, die Anträge des Niddaer Ortsbeirats einmal aufzulisten. Was wurde genehmigt, was abgelehnt? Hinzu kam eine dritte Kategorie: »ignoriert«. Eine Erklärung, wenn etwas nicht umgesetzt werden kann, sei wichtig. »Eine gute Argumentation wird in den meisten Fällen verstanden und es gibt weniger Frust.« Viele hätten jedoch den Eindruck, dass sie im Rathaus nicht so freundlich empfangen würden.

Den Antrag der Bürger-Liste, die Beiräte in den Stadtteilen zu mehr Angelegenheiten zu befragen, hält er für überflüssig. »Es steht im Gesetz, dieses Hilfsgremium zu allen wichtigen Dingen zu hören. Das ist eine Selbstverständlichkeit.« Der Antrag würde das Ganze komplizierter, nicht einfacher gestalten.

Sein weiteres Thema »bezahlbarer Wohnraum« kombiniert ureigene SPD-Werte mit seiner eigenen Fachkompetenz. Eckhardt absolvierte nach dem Abitur ein Ingenieurstudium an der heutigen Technischen Hochschule Mittelhessen im Fachbereich Energie- und Wärmetechnik, ist seit 2003 Leiter des Betriebs Gebäudeenergiesysteme bei der Ovag und dort auch Energiemanagementbeauftragter.

Die Wohnungsbaugesellschaft in Nidda bewirtschafte rund 300 Wohnungen unterschiedlicher Standards, entsprechend variiere die Höhe der Mieten. »Auch Wohnungen mit niedrigerem Standard werden gebraucht«, unterstreicht Eckhardt. »In Zukunft muss man noch einiges in die energetische Sanierung reinstecken und nachbessern.«

Eckhardt könnte sich vorstellen, dass die Wohnungsbaugesellschaft mit Förderungen neue Wohnungen baut.

Bedarf: Bezahlbares Wohneigentum

Vor ein paar Jahren hatte er als Stadtverordneter, das war er von 2001 bis 2020, einen Antrag eingebracht. Der beinhaltete den Vorschlag einer Doppelhausbebauung für junge Familien. Also erst mieten, jedoch mit der Option, die Immobilie später zu kaufen. Das sollte man ausprobieren, sagt Eckhardt. »Man könnte so zum Wohneigentum, das für viele heute unbezahlbar ist, verhelfen. Es ist auch eine Altersvorsorge.« Doppel- oder Reihenhäuser seien energetisch sinnvoll und deren Betriebskosten erschwinglich.

»Der Konservative wird vielleicht sagen, dass an einem Einfamilienhaus gar nichts vorbeigeht. Doch die Nachfrage ist da, da kann man auch mal andere Modelle anbieten.« Der Landverbrauch sei bedenklich. Zum Teil könne man noch über Nachverdichtungen reden, dem Bauen in der zweiten Reihe, wo es passe und die Grundstückseigentümer das mittragen.

Übereinstimmung mit Susanne Repp

Während seiner langjährigen Parlamentszeit war er Vorsitzender des Umweltausschusses, des Haupt- und Finanzausschusses, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und auch stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher sowie Mitglied in verschiedenen Fachausschüssen. Seine Frau Monika sitzt für die Sozialdemokraten im Magistrat.

Die Niddaer Genossen unterstützen Thomas Eckhardt, es kam zu einer Art Wahlparty mit Politikprominenz aus der Region. Zu einer offiziellen Partei-Nominierung reichte die Zeit allerdings nicht mehr. Und dabei hatte Thomas Eckhardt schon vorher mit dem Gedanken gespielt, als Bürgermeister zu kandidieren.

Nun musste Eckhardt die Termine für seine Stadtrundgänge hurtig organisieren und vorwiegend im Dunkeln durch die Dörfer laufen. Hätte er sich nicht einen früheren Zeitpunkt gewünscht? Eigentlich nicht, sagt er. Vielleicht vier Wochen vorher und besseres Wetter, ergänzt er wenig später. Die Dörfer ohne Vegetation und die dunklen Ecken beispielsweise an Schulwegen zu entdecken, sei auch wichtig, sagt er. Es sei immer schön, wenn man mindestens zwei Kandidaten habe und betont nochmals, dass er ja für alle Bürger da sein wolle.

Thomas Eckhardt und seine Konkurrentin Susanne Repp von der Bürger-Liste (BL) sprechen sich beide für ein Sportzentrum Oberhessen aus. Während die SPD gerne ein Familienbad hätte, favorisieren Eckhardt und Repp ein an die vom Wetteraukreis geplante Drei-Felder-Turnhalle angegliedertes Sportbad mit Einbeziehung des Freibads.

Eckhardt ist selbst Rettungsschwimmer. Mit einer Schwimmhalle hätte man etwas für die DLRG, deren Schwimmabteilung dahindarbe. »Denen ist der Boden unter den Füßen weggezogen worden. Klar, könnten die Kinder zum Schwimmenlernen irgendwo hingefahren werden, es muss aber für jeden leicht erreichbar sein. Die Anzahl der Kinder und Jugendlichen, die schwimmen können, geht zurück.« Schwimmen zu lernen, stehe auch für eine gewisse Lebensqualität, und sorge dafür, dass die Kinder eine Beschäftigung hätten.

Ist damit die Therme in Bad Salzhausen fallengelassen? »Das kann sein. Es kann nicht zu einem Wünsch-Dir-was« werden.« Für die Justus-von-Liebig-Therme müssen verlässliche Zahlen vorliegen, um die Wirtschaftlichkeit zu hinterfragen. Zudem muss man wissen, wie viele Leute die Therme nutzen.«

Eckhardt berichtet von der Arbeitsgruppe, die vor etwa zehn Jahren einen Konsens erarbeitet hatte: ein Ganzjahresbad in Niedrigenergiebauweise. Auf acht bis elf Millionen Euro wurden die Kosten damals geschätzt.

»Es wird jahrelang von der Bürger-Liste bekämpft und negiert. Dann kommt ein populistischer Antrag. Eigentlich sollte man sich freuen, dass man jetzt ein Bad haben möchte und damit eine Kehrtwende stattgefunden hat. In der Sache ist das gut.« Irgendwie passt die Bäderfrage zu einem seiner Lieblingstitel »Smoke on the water«.

Was ist seiner Meinung nach heute notwendig, um den Gordischen Knoten zu lösen, um die Gespräche neu zu beginnen?

»Der Bürgermeister müsste das Heft in die Hand nehmen, erst einmal Einzelgespräche führen.« Wenn jemand dichtmache, müsse man sich aus der Gruppe andere Gesprächspartner suchen, die in der Lage wären, die Blockadehaltung aufzuweichen. »Ich glaube schon, dass man, wenn man inhaltlich gut diskutiert, auch zu einem Konsens kommt.« Der Bau der Turnhalle durch den Wetteraukreis sei eine Riesenchance für die Sportstadt Nidda, die Schulen sowie die Vereine, die für die Kinder und Jugendlichen viel böten. Vielleicht könnte das noch mit einem Kunstrasenplatz ergänzt werden, um eine zuverlässige Verfügbarkeit der Sportmöglichkeiten zu gewährleisten.

Statt Handballspiel lieber Angeln

Hans-Peter Seum, heutiger Bürgermeister, ist sein Schulkamerad gewesen. Beide hatten im Gymnasium den Sportleistungskurs belegt. Seum war eher der Fußballer, er der Handballer. Heute lässt er seinen Sohn und seine Tochter spielen, sitzt als Sekretär am Spielfeldrand und konzentriert sich eher aufs Angeln, seinen Teich im Garten oder das Kochen. Risotto zum Beispiel, das mit Hühnerbrühe langsam und Schritt für Schritt aufgekocht wird. Mit guten Zutaten, Geduld und ständigem Rühren gelinge das. Wie im echten Leben.

Was hätte wohl sein Vater heute am Küchentisch über seine Kandidatur gesagt? Eckhardt lacht und vermutet folgenden Satz: »Hast du Dir das auch gut überlegt?«

Der Sohn bekräftigt: Das hat er. Es sei schließlich ein 24/7-Job. »Die Aufgabe fordert dich voll, deswegen habe ich auch so lange überlegt zu kandidieren. Bürgermeister zu sein, bedeutet einen 100 prozentigen Einsatz.«

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