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Fakten und Gespür fürs Dorf kombinieren

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Projektstart in der Neuen Dorfmitte Wallernhausen: Die Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung, Klaus Karger (4. v. l.) und Bernd-Uwe Domes (r.) stellen die Pläne vor. FOTO: PM © PM

Ein Projekt der Wirtschaftsförderung und der Justus-Liebig-Universität hilft Dörfern, sich fit für die Landesgartenschau zu machen

Wallernhausen (red). Altes bewahren, Neues entwickeln. Welche Ideen können das Besondere, das Einzigartige des Heimatdorfs herausstellen und würdigen? Oft wird das Außergewöhnliche vom Alltäglichen überdeckt. Ein Blick von außen kann helfen.

Aus diesem Grund bietet die Wirtschaftsförderung Wetterau in Zusammenarbeit mit der Justus-Liebig-Universität unter Leitung von Prof. Dr. Christian Diller ein neues Projekt an, das sich speziell an Dörfer und kleine Gemeinden richtet. Es geht darum, den Blick für das Potenzial eines Dorfes zu weiten.

Bernd-Uwe Domes und Klaus Karger, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung, hatten unlängst in die Neue Dorfmitte nach Wallernhausen eingeladen, um das Projekt vorzustellen. Unter anderem waren Vertreter von Ortsbeiräten, des Vereins Oberhessen, des Freundeskreises der Landesgartenschau sowie vom Wetteraukreis dabei.

Raumbasierte Analysen

Studierende aus dem Masterstudiengang Wirtschaftsgeografie, Mobilität und Raumentwicklungspolitik werden sich jeweils in den Wintersemestern 2022/23 und 2023/24 mit der Struktur, den Chancen und Möglichkeiten der Dörfer in der Region beschäftigen und versuchen, eine Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis zu schlagen. Diller: »Dabei werden auch vertiefende Kenntnisse zum Stadt- und Regionalmarketing vermittelt und raumbasierte Analysen mit geografischen Informationssystemen durchgeführt.« Ein Ziel des Projekts ist es, die Dörfer für die Landesgartenschau 2027 fit zu machen. Von daher richtet sich der Aufruf an die Orte aus den elf Kommunen, die Teil der Landesgartenschau sein werden.

Wie viele Dörfer dann tatsächlich je Semester in den Genuss der fachlichen Expertise kommen, ist noch nicht ganz klar. Die Wirtschaftsförderer gehen davon aus, dass insgesamt etwa 20 bis 25 Studierende an dem Studiengang teilnehmen und in Gruppen von drei bis vier Studenten die ausgewählten Orte besuchen. Möglich wäre auch, dass zwei oder drei Nachbarorte zusammengefasst werden.

Zu Beginn wird es mit den Vereinen, den Bürgern und den Ortsbeiräten eine Dorfbegehung geben, um grundsätzliche Ziele zu erörtern. Die gesammelten Informationen werden an der Universität bearbeitet. Danach werden weitere Termine vereinbart, Interviews geführt und Ideen gesammelt. Am Ende arbeiten die Studierenden für jeden Ort nachhaltige Projektideen aus, die auch und gerade für die Landesgartenschau, aber auch darüber hinaus, interessant sein können.

Martin Langlitz vom Fachdienst Kreisentwicklung beim Wetteraukreis machte deutlich, dass dieses Projekt eine große Chance für die Dörfer ist. »Vor allem sollten sich die Orte, die bisher noch keine konkrete Vision haben, nicht abschrecken lassen«, verdeutlichte Langlitz. Durch einen Blick von außen können, im Zusammenspiel mit dem lokalen Know-how der beteiligten Dörfer, möglicherweise Themen und Projekte identifiziert und entwickelt werden, an die zuvor noch nie gedacht worden sei. Die Kreisverwaltung wird das Projekt sowohl mit Daten als auch mit Ansprechpartnern aktiv unterstützen.

Treffpunkt für alle Generationen

Jürgen Stelter, Vorsitzender vom Freundeskreis Landesgartenschau, aber auch Mitglied im Ortsbeirat von Ober-Schmitten, hatte exemplarisch für sein Dorf zwei Projekte mitgebracht. Unter anderem sollen unter dem Motto »Erlebbare Nidda« neue Attraktionen entstehen. Zudem könnte der ehemalige Kirchweihplatz zu einem Treffpunkt für alle Generationen werden. Auch Kai Könnecke, Ortsvorsteher von Wallernhausen, berichtete über die Idee des klimafesten Dorfes. Vor dem Hintergrund der dramatischen Überflutungsgeschichte Wallernhausens soll dieses Projekt das Dorf auf die zukünftigen Herausforderungen des Klimawandels vorbereiten. Hierzu wurden bereits thematische Arbeitskreise gegründet. Gleichzeitig soll das »Klimafeste Dorf« auch Vorbild für weitere Dörfer sein.

Florian Herrmann, Projektmanager beim Verein Oberhessen und damit für die Organisation der Landesgartenschau mitverantwortlich, skizzierte zudem die immensen Herausforderungen, denen die Organisatoren in den nächsten fünf Jahren begegnen. Es gibt Kernelemente, die zum Pflichtprogramm gehören. »Das soll und kann aber nicht alles sein«, sagte Herrmann. Denn darüber hinaus gebe es von den Kommunen genannte Projekte, mittlerweile etwa 90 an der Zahl, die das Besondere in Oberhessen herausstellen sollen. In der dritten Phase gehe es darum, die Veranstaltung an vielen Orten über einen langen Zeitraum lebendig zu gestalten, um allen ein halbes Jahr das Gefühl zu geben, dass tatsächlich eine Landesgartenschau stattfindet. »Hier soll richtig Betrieb sein, hier sollen Feste gefeiert werden«, erklärte Henrike Strauch, Bürgermeisterin von Glauburg und Vorsitzende des Vereins Oberhessen.

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