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Liebig-Therme wird abgerissen

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Das Ortsbild von Bad Salzhausen wird sich in den nächsten Jahren verändern. Die Therme (links) wird abgerissen. © pv

Die Stadt Nidda wird die Therme in Bad Salzhausen schließen. Sie wird genau wie das Hallenbad in der Kernstadt 2024 abgerissen. Dies sind Entscheidungen von enormer Bedeutung für die Stadtentwicklung. An beiden Standorten wird Neues entstehen.

Zu einer historischen Doppel-Entscheidung haben sich die fünf Parteien in der Stadtverordnetenversammlung durchgerungen: Die Stadt Nidda wird die Therme in Bad Salzhausen am 30. September für immer schließen. Sie wird 2024 genauso wie das Hallenbad in Nidda abgerissen. Danach entstehen bis 2027 an gleicher Stelle andere Bauten: ein kleines Vital-Gesundheits-Salzerlebniszentrum in Bad Salzhausen. Und die Minimallösung eines Hallenbades in Nidda. An beiden Standorten baut die Stadt Blockheizkraftwerke, die Strom und Wärme liefern.

Letzter Badetag am 30. September

Der letzte Badetag endet am Freitag, 30. September, 22 Uhr. Dann wird der Hausmeister die Justus-von-Liebig-Therme schließen. Sie wird abgerissen. Die Stadt Nidda kann sie sich nicht mehr leisten.

Die 1981 eröffnete Therme am Kurpark ist nämlich eine Energieschleuder. Das Sole-Wasser kommt kalt aus der Nibelungen- und der Roland-Krug-Quelle. Der Gasbrenner erwärmt es auf 33 Grad, damit sich die jährlich etwa 50 000 Besucher im Innen- und Außenbecken wohlfühlen. Obwohl es seit Kurzem »nur« noch auf 31 Grad gebracht wird, beziffert Bürgermeister Thorsten Eberhard die Energiekosten für dieses Jahr auf etwa 400 000 Euro. Mindestens eine zusätzliche Million für Gas und Strom müsste die Stadt 2023 wegen der allgemeinen Teuerung aufbringen.

Hinzukommt das reguläre Betriebsdefizit der Therme, das laut Eberhard in diesem Jahr auf gut eine Million Euro wächst. Ab 2023 würde es auf 1,6 Millionen steigen, wenn man die Therme weiterbetriebe. Zusätzlich stünde dann die Sanierung des verwinkelten Ziegel-Gebäudes an. Sie würde viel mehr als die zuletzt taxierten vier Millionen Euro kosten, sagte der Bürgermeister am Donnerstag beim Treffen mit den Fraktionssprechern im Kurhaus-Hotel.

Gemeinsam verkündeten sie ihr Fazit: Die Therme ist nicht mehr zu retten. Auch die Konkurrenz der in Bad Nauheim und Bad Vilbel entstehenden, hochmodernen Groß-Thermen würden der Liebig-Therme bald den Garaus machen.

Thorsten Eberhard: »Eigentlich weiß jeder, dass der Weiterbetrieb keinen Sinn mehr macht.« Jahrelang habe man in der Stadt mit diesem Beschluss gezögert. »Es ist wie bei einem Intensivpatienten, dem man nicht mehr helfen kann. Aber keiner traut sich, den Stecker zu ziehen.«

Nun haben sich die Politiker getraut. Seit dem Frühjahr berieten die Vertreter von CDU, SPD, Bürger-Liste, den Grünen und der Links-Partei in vertraulichen Runden mit Verwaltungsleuten über Lösungen. Dass dabei nichts nach außen sickerte, beweist nach Eberhards Meinung ein neues, großes Vertrauen zwischen den Fraktionen in Nidda. Es gebe einen »unglaublichen Konsens«, lobte der CDU-Fraktionschef Hagen Puttrich.

Bei der Pressekonferenz sprachen alle lieber über den »Neuanfang für Bad Salzhausen« (Eberhard) als über den Abriss-Beschluss für Therme und Hallenbad. Die Bodenplatte der Therme soll Fundament eines Wellness-Zentrums bleiben. Das spart Baukosten, so der Grüne Marcus Stadler. Auch die Sauna bleibt vom Abriss verschont und wird weiterbetrieben. Der Magistrat hat einen Planungsauftrag vergeben, berichtet der Bürgermeister. »Uns schwebt ein Vital-Gesundheits-Salzerlebniszentrum vor. Wir wollen Salz erlebbar machen.« In dem Holzbau mit Niedrigenergie-Standard könnten Kurgäste künftig in der warmen Sole und Schlammbädern sitzen. Eine Salzgrotte soll es geben und eine schöne Gastronomie, die man auch vom Kurpark aus erreichen kann.

Strom und Wärme sollen von einem neuen Blockheizkraftwerk kommen, mit dem die Stadt auch die gut 50 Wohneinheiten im geplanten Neubaugebiet West an der Berstädter Straße versorgen will. 2023 soll die Bauplanung fertig werden. Für 2024 peilt die Stadt den Abriss an. Pünktlich zur Landesgartenschau 2027 plant sie die Eröffnung. Dieses Großereignis lässt Thorsten Eberhard auf bis zu 50-prozentige Landeszuschüsse für die noch nicht kalkulierbaren Baukosten hoffen.

Unklar sei noch, ob und wie viele Läden im neuen Wellness-Zentrum entstehen. Und wie lange die bestehenden offen bleiben. Dass sie bald schließen müssen, wissen die Betreiber von Gottmanns Salzstubb, vom Eiscafé, vom Friseurgeschäft und vom Accessoire-Laden »Welt der schönen Dinge«. Die »Modestube am Park« hat ihren Ausverkauf schon beendet.

Zukunft der Arbeitsplätze

Die städtische Physiotherapie-Praxis in der Therme wird dauerhaft schließen, hieß es am Donnerstag. Sie sei defizitär. Insgesamt beschäftigt die Stadt in der Therme 31 Menschen, rechnete Personalleiter Michael Obleser vor. Man wolle möglichst viele Arbeitsplätze erhalten - »aber es wird nicht für alle gelingen«. Zehn Personen sind noch geringfügig und befristet in der Therme beschäftigt. Für vier Bedienstete habe man schon Jobs gefunden. Es werde auch möglich sein, einige Thermen-Leute in den städtischen Kitas einzusetzen. Und auch die Kliniken vor Ort seien an Personal mit medizinischer Qualifikation interessiert.

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