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Schüler fragen den Film-Produzenten

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Die Schüler warten auf den Film »Träume sind wie wilde Tiger«. Ganz rechts sitzt Produzent Clemens Schaeffer. © Elfriede Maresch

Drei Jahrgänge des Lucius-Internats schauen den Film Träume sind wie wilde Tiger von Clemens Schaeffer an. Die Jugendlichen und er haben eine Gemeinsamkeit.

Nidda (det). »Ist das ein Film mit echten Menschen?« Neugierig waren die 30 Jugendlichen der Jahrgangsstufen 5, 6 und 7 aus dem Internat Lucius (Echzell), als sie ins Lumos-Kino kamen. Nicht nur, weil der Film »Träume sind wie wilde Tiger« unter Gleichaltrigen spielt. Gekommen war auch der Produzent des Films, Clemens Schaeffer - ein Gesprächspartner, von dem vieles über die Arbeit am Filmset zu erfahren war.

Er ist auf besondere Art mit dem Internat Lucius verbunden, hat dort selbst Abitur gemacht. »Vor einigen Jahren war Schaeffer schon einmal zu Besuch mit seinem Film ›Bach in Brazil und wie damals »will er seiner ehemaligen Internatsschule etwas zurückgeben«, war von Vera Kissner vom Team der Schulleitung zu erfahren. Begleitet wurden die Jugendlichen von den Lehrkräften Lutz Pauli und Dale Wood, der im Internat auch Darstellendes Spiel unterrichtet. Eindrücke aus dem Film sollen im Unterricht weiterbearbeitet werden.

Der Junge Ranji hat einen großen Traum

Der zwölfjährige Ranji, Fan der Bollywood-Filme, lebt mit seiner Familie in Mumbai. Unbedingt will er mit seinem großen Idol, dem Superstar Amir Roshan, vor der Kamera stehen, will genauso singen und tanzen. Sein skurriler Großvater bestärkt ihn darin - immerhin hat der einmal in der Komödie »Der Schuh des Manitou« als Häuptling »Listiger Lurch« mitgespielt. Aber dann kommt alles anders: Ranjis Vater hat in Deutschland Arbeit gefunden, vom bunten Menschengewimmel Mumbais geht es in ein graues deutsches Hochhaus und ausgerechnet im Flieger unterwegs erfährt Ranji, dass für einen neuen Roshan-Film junge Akteure gesucht werden.

Sein einziger Trost in Deutschland ist das Skypen mit seinem Großvater, der ihn unnachahmlich aufmuntert: »Man muss weg, um wieder zurückzukommen!« und »Ideen sind wie Pupse, sie müssen raus!« In der Schule ist Ranji als Neuer ganz unten in der Hackordnung, er wird ausgelacht, angerempelt und bekommt schließlich sein Handy abgenommen. Damit ist die letzte Verbindung nach Indien, zum Großvater und zum Bollywood-Casting unterbrochen - ist es das Ende seines großen Traums?

Der Film wäre keine echte Culture Clash-Komödie, wenn es da nicht eine Wende, nein, ein Wunder gäbe: Ranjis Mitschülerin Toni, scheinbar cooles Mitglied der Mobbing-Gruppe, hat selbst einen großen Traum, will ihre in Trennung lebenden Eltern versöhnen. Ranji und Toni werden Freunde und müssen einen turbulenten Kampf gegen Hindernisse gewinnen, ehe die Träume wahr werden - Action pur.

Der Regisseur Lars Montag hat Ideen

Dazu ertönen eingängige Lieder (»Ich helf mir selbst«), temperamentvolle Choreografien, eingeblendetes Finger-Theater und tanzende Cartoon-Figuren, die farbig aufleuchten: Regisseur Lars Montag hat sich viel einfallen lassen und die beiden jungen Hauptdarsteller Shan Robitzky als Ranji, Annlis Krischke als Toni sind absolut überzeugend. Auch Nebenrollen, etwa Tonis weltfremder Künstler-Vater (Simon Schwarz), das Hausmeister-Ekel (Herbert Knaup) und die Ausgeflippte auf Suche nach einem Guru (Nina Petri) sind mit Vollblutdarstellern besetzt. Es ist ein Film, der Erwachsenen ebenso wie Jugendlichen Spaß macht.

Das Vergnügen war auch der Echzeller Gruppe anzumerken und unbefangen kamen die Jugendlichen mit Clemens Schaeffer ins Gespräch: »Drehen Sie auch Horrorfilme?« Er konterte: »Da bin ich zu schreckhaft«. Sie wollten die Filmkosten wissen (3,5 Millionen), die Aufnahmezeit (sieben Drehtage in Indien, 30 in Deutschland) und den Schulbesuch der Kinderstars während der Drehtage. Da konnte Schaeffer gleich von der Dreharbeit im Corona-Schatten berichten: »Hinter der Kamera waren alle in Masken. Die Kinderdarsteller hatten Schulbefreiung, in diesem Fall waren das Homeschooling und die digitalen Hausaufgaben praktisch. Bei Langzeit-Drehs werden Lehrer am Set angestellt.« Die Frage, »Wie kommt man zu einem Casting?«, durfte nicht fehlen. Schaeffer berichtete darüber hinaus von Agenturen, Wartelisten und vom Spiel des Zufalls: »Ein halbes Jahr haben wir einen guten Darsteller für Ranji gesucht und erst dann Shan Robitzky gefunden, der 30 Minuten von der Agentur entfernt wohnte.«

Schon früh vom Filmmetier infiziert

Und auch nach Schaeffers eigenem Weg zum Film wurde gefragt: Nach dem Abitur kam er in Kontakt zur Berliner Firma Neue Filmproduktion (NFP). Schaeffer: »Da war ich schon infiziert.« Es folgten Stationen als Kaufmann für audiovisuelle Medien, die ungewöhnliche Studienkombination BWL und Geschichte, während er kontinuierlich bei NFP weiterarbeitete, etwa am großen deutsch-kanadischen »Dietrich Bonhoeffer«-Film.

Der Produzent beschrieb, wie viele vor und hinter der Kamera an einem Film mitwirken: »Ein so großes Team aus ganz verschiedenen Leuten auf einen Punkt bringen, damit es ein guter Film wird - das ist die Aufgabe des Produzenten.«

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