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Schwerterklirren am Schlosshof

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Von: Inge Schneider

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Die drei siegreichen Teams des Gruppenwettbewerbs am Nachmittag: 1. Platz: Decima Medieval Fight Club Norddeutschland (Mitte), 2. Platz: Sword Gymn München (links), 3. Platz: Nassauer Löwen (rechts). Im Vordergrund, liegend: Patrick Kuzniak, Teamcaptain der Deutschen Eisenliga. © Inge Mueller

Nidda (im). Das Geklirr von Schwertern, Langwaffen und Hellebarden, mitreißende Ansagen von Jonas Freese, Pressesprecher der Deutschen Eisenliga, begeisterter Applaus der Zuschauer und beste Stimmung unter den Kämpfern aus ganz Deutschland: Der Wettkampftag in historisch gerüstetem Vollkontakt auf Schloss Nidda war ein voller Erfolg.

Die ursprünglich als WM-Qualifikation ausgeschriebenen Einzelkämpfe sowie der mittelalterliche »Buhurt« als Gruppenkampf am Nachmittag - allesamt unter Leitung von Teamkapitän Jan Kuzniak, dem »Jogi Löw der Eisenliga« - kamen beim Publikum bestens an: Alle Generationen, darunter Einheimische, Familien und Begleiter der Teilnehmer sowie Gäste aus der Ukraine, die aus den unmittelbar benachbarten Notunterkünften herbeikamen, erlebten einen Tag voller Spannung, engagierten Kampfgeschehens und großer Wiedersehensfreude nach etlichen Monaten.

Turnier statt WM-Qualifikation

»Die Idee einer WM-Qualifikation mussten wir leider ad acta legen«, erläuterte Schlossherrin Dr. Nicole Friedersdorf, selbst Vollkontaktkämpferin und gemeinsam mit ihrem Mann Axel Ausrichterin dieses zweiten internationalen Turniers auf Schloss Nidda.

»Die für Juni auf Burg Hämeenlinna in Finnland angesetzte Weltmeisterschaft der International Medieval Combat Federation IMCF wurde leider abgesagt. Aber das tut der Begeisterung hier vor Ort keinerlei Abbruch. Die Pandemie hat bei uns allen Trainingsdefizite hinterlassen, und so nutzen wir den Tag zur engagiert betriebenen Übung und zum Wiedersehen in der großen Familie der Deutschen Eisenliga.« Dieser Verband für historisch gerüsteten Vollkontakt entspriicht mit seinen 14 Vereinen und Clubs in etwa der Bundesliga.

Fünf dieser Gruppen waren in Nidda anwesend: der Decima Medieval Fight Club Norddeutschland, der im Gruppenkampf den ersten Platz belegte, die Sword Gymn München auf Platz zwei, die Nassauer Löwen mit Teilnehmern aus dem gesamten Bundesgebiet auf Platz drei sowie die Wardogs aus der Eifel und Ranstäk Frisia aus dem Friesland.

Ukraine prägend für junge Sportart

Schmerzlich vermisst wurden einzig die Gefährten und die bewährten Waffen- und Rüstungsschmiede aus der Ukraine. »Das Land ist in vieler Hinsicht prägend für den Vollkontakt, sowohl was qualitativ hochwertige und authentische, historische Waffen und Rüstungen angeht als auch die Ausrichtung der ersten internationalen Wettkämpfe bei dieser noch jungen Sportart ab 2010 auf Burg Chotyn«, verdeutlichte die Schlossherrin. Auch wichtige Anfänge der 2013 in Köln gegründeten IMCF lägen in dem vom Krieg jetzt so schwer betroffenen Land, sodass man sich ausschließlich ans Kampfreglement des IMCF halte, nicht an das des zweiten Weltverbands HMBIA (Historical Medieval Battle International Association), zu dessen Gründungsmitgliedern Russland gehöre.

»Sport und Politik sollten eigentlich nicht miteinander verknüpft werden«, brachte Friedersdorf zum Ausdruck, »in diesem Fall aber machen wir bewusst eine Ausnahme.« Sie freue sich deshalb sehr, neben den Anbietern von Speis und Trank auch einen Stand mit Schmuck und Rüstungsteilen aus Lemberg/Lwiw in der Ukraine im Schlosshofareal begrüßen zu können.

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