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Martin musiziert mit Martin

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Von: Harald Schuchardt

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Aus den Solisten Martin Bierwirth (l.) und Martin Schnur wird ein kongeniales Duo. © Loni Schuchardt

Niddatal (har). In der Wetterauer Musikszene sind Martin Schnur und Martin Bierwirth schon so etwas wie »Urgesteine«. Beide machen seit Jahrzehnten Musik, doch zusammen aufgetreten sind sie noch nie - bis am Abend des Fronleichnamstages.

»Wir wissen nicht, was heute Abend passiert«, meinte Tom Meusert, der zusammen mit Jo Pollack und zwei weiteren Mitstreitern den »Wetterraum« im Hofgut Wickstadt gemietet hat. Schon vor 20 Jahren war der einstige Kuhstall zu einem Atelier umgebaut worden.

Der große Raum ist für Meusert eine Mischung aus »Öffentlichkeit und Privatheit.« Nur durch Mundpropaganda sowie per E-Mail wird zu den Veranstaltungen eingeladen. »Der ›Wetterraum‹ ist für uns ein Wohnzimmer. Heute gibt es ein Wohnzimmerkonzert mitten in einer Ausstellung«, erklärte Meusert.

Gezeigt werden aktuell Fotografien, Einliniendrahtobjekte und Tier-Mensch-Skulpturen von Gerhard Schmitthenner, darunter - passend zum Abend - ein Gitarrist mit Rattenkopf. Zwei exzellente Gitarristen - und natürlich auch Sänger - das sind Martin Bierwirth - bekannt als Kopf der Büdinger Band »Querbeet« - und der Wetterauer Kulturpreisträger Martin Schnur allemal.

Pollack ist es zu verdanken, dass die beiden sich auf das Experiment eines gemeinsamen Konzerts eingelassen haben. »Wir haben uns einmal getroffen, kaum geprobt, aber viel gelacht«, sagte Bierwirth.

Schnur meinte nur: »Wir haben keinen Plan.« Und so begann der Abend mit »Flaschendrehen«. »Wir ermitteln jetzt, wer anfängt«, sagte Meusert. Die Flaschenspitze landete bei Martin Schnur, der mit »Wammer so schwetzt«, einem seiner vielen »Wetterauer Mundartsongs«, begann.

Sofort spielte Bierwirth spontan mit. Daran sollte sich den ganzen Abend nichts ändern. Bierwirth eröffnete seinen Part mit »Heute hier, morgen dort« von Hannes Wader. Schnur spielte und sang ebenso lautstark mit wie die Besucher, die zu einem großen Chor mutierten. Und aus den zwei Solisten wurde ein Duo, bei dem einer einen Song vorgab und der andere einfach mitmachte. »Ich wollte gar nicht so vieles in Mundart singen«, meinte Schnur nach seinen beiden Versionen von »Awwends uffm Dorf« (Abends im Dorf).

Ein Fan der oberhessischen Mundart ist auch Bierwirth, der Songs der legendären Mundartgruppe »Fäägmehl« ebenso sang wie den »Riwwelkuche-Blues« in dem der Text von »Backe, backe Kuchen« eingearbeitet wurde.

»Jetzt ist Schluss mit oberhessisch, ich spiel jetzt was, das alle verstehen. Ich singe Englisch«, meinte Bierwirth, griff mit »To love somebody« oder »House of the rising Sun« tief in die Oldie-Kiste

»Es ist erstaunlich, wir haben zusammen aufgehört«, meinte Bierwirth, der auch als Blues-Harp-Spieler überzeugte und es bei einer Gitarre beließ, während Schnur fünf Saiteninstrumente dabeihatte, einschließlich einer von ihm gebastelten »Flamenco-Gitarre« mit einem auf die Gitarre installierten Handrührer.

Den zweiten Konzertteil eröffnete Meusert mit einer »intensiven« Lesung des »Erlkönig«, da Schnur ihm tags zuvor erzählt habe, dass er Goethes Klassiker vertont habe - auf die Melodie des »The Kinks«-Hit »Lola«.

Das Duo begeisterte auch mit »The Boxer« von Simon & Garfunkel. Da wurden die beiden auch gesanglich das perfekte Duo. »Ich will jetzt auch mal Englisch singen«, meinte Schnur spontan und überraschte mit einer wunderbaren leisen Version von »What a wonderful World.« Das Konzert endete, wie es begann, mit »Flaschendrehen«. Schnur sang seinen »Danke-Abschiedssong« gefolgt von Bierwirths Version von »Nach Hause gehen wir nicht« von Frank Zander. Doch es war noch nicht Schluss. Mit seinem »Margarine-Song« brachte Schnur in der Zugabe noch einmal alle zum Mitsingen. Fazit: Die beiden Martins haben sich nicht gesucht, aber gefunden. Jo Pollack sei Dank.

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Eine Tier-Mensch-Skulptur von Gerhard Schmitthenner. © Loni Schuchardt
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Tom Meusert liest aus dem »Erlkönig«. © Loni Schuchardt

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