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Wildzaun Symbolbild

Bei der Rettung in Gefahr

Jagdpächter plädiert für Wildzäune

Wildunfälle sind gerade im Winter keine Seltenheit, denn wegen der frühen Dunkelheit und der Suche nach Futterstellen müssen Reh, Wildschwein & Co oftmals lange Wege gehen. Davon wissen vor allem Förster und Jäger ein Lied zu singen.

"Gerade im Winter werde ich oftmals mitten in der Nacht von der Polizei angerufen und muss dann in mein Jagdrevier fahren, weil ein Tier auf der Straße von einem Auto angefahren wurde", berichtet Heinz Ross. Er ist der Jagdpächter des Junkerwald-Reviers zwischen Eichen und Ostheim und genau wie seine Jagdpächterkollegen zur Beseitigung toter oder verletzter Wildtiere in seinem Revier verpflichtet.

Keiner der Jäger ist von dieser zusätzlichen Aufgabe begeistert. "Die Tiere sind durch das Anfahren oftmals nur schwer verletzt worden und müssen dann lange leiden, bis wir vor Ort sind und sie erlösen können. Außerdem werden diese Tiere auf unsere Abschussquote angerechnet, auch wenn deren Fleisch anschließend nicht mehr verwertbar ist", zählt Ross die Gründe auf, weshalb auch er für das verstärkte Anbringen von Wildzäunen ist.

Sinnvoll wäre das seiner Ansicht nach hauptsächlich an Straßen, die durch reine Wald- oder zumindest stark bewaldete Gebiete führen. Zwar hätten die Straßenmeistereien zur Vermeidung von Wildunfällen in der Vergangenheit blaue Reflektoren an den vielen Straßenrändern angebracht. Doch große Wirkung hätte diese nicht.

Förster und Jäger geraten beim Retten selbst in Gefahr

"Unser Ruf nach den Wildzäunen hat neben dem Tierschutz aber auch noch einen zweiten Aspekt; und das ist der Schutz unseres eigenen Lebens", macht Ross deutlich. Da die Jagdpächter vor allem nachts zu Wildunfällen gerufen würden, müssten sie fast immer unter dem Scheinwerferlicht ihrer Autos die Tierkadaver von der Straße entfernen.

Dabei komme es regelmäßig zu kritischen Situationen auf der Straße, weil andere Verkehrsteilnehmer die Lage falsch einschätzen und viel zu dicht – und vor allem viel zu schnell – an der Unfallstelle vorbeifahren würden. "Nicht nur einmal musste ich mich nur durch einen Sprung in den Straßengraben vor einem möglichen Anfahrunfall retten", ärgert sich Ross noch immer über das oft rücksichtslose Fahren einiger Verkehrsteilnehmer.

Gefahrenstelle Eisenbahnstrecke

In seinem Jagdrevier gibt es aber noch eine zweite Gefahrenstelle: die Eisenbahnstrecke. Auch hier komme es fortwährend zu Kollisionen mit Wild. Allerdings dürfe er als Jäger nicht einschreiten: Tote Tiere seien hier Sache der Bahnpolizei. "Selbst wenn die Tiere noch leben, darf ich die Bahntrasse nicht betreten, sondern muss auf das Eintreffen der Bundespolizei warten. 

Und das kann manchmal Stunden dauern", sagt Ross und zählt mehrere Vorfälle auf, bei denen die Tiere noch gelebt hätten. Würde er hier für den erlösenden Schuss sorgen, würde er eine Strafe riskieren. In vielen Briefen habe er die Bahn daher aufgefordert, die Bahntrassen doch großräumig von Büschen und hohem Gras freischneiden zu lassen, erzählt Ross. Lange sei dieser Wunsch ungehört verklungen. Bis zum vergangenen Sommer, als Brandgefahr drohte. "Seither sind die Wildunfälle an der Bahnstrecke auch deutlich zurückgegangen."

Hohe Dunkelziffer

Wie viele Wildunfälle sich tatsächlich Jahr für Jahr ereignen, ist unklar. Laut den Versicherungsgesellschaften sollen es 2017 mehr als 275 000 gewesen sein, bei denen 2984 Personen zu Schaden kamen. Dass diese Zahl stimmt, zweifelt Ross an: "Da die Unfälle meist nachts passieren, ist oftmals Alkohol bei den Autofahrern im Spiel. Und dann melden die den Zusammenstoß nicht, sondern fahren einfach weiter."

Sein Ratschlag daher: nachts im Wald langsam fahren. Und noch eine Bitte hat der Jagdpächter: "Hunde sollten im Wald nicht frei laufen dürfen." Denn hätten sie erst einmal die Fährte eines Wildtieres aufgenommen, jagten sie das Wild erbarmungslos. Und da im Wald oftmals Schonungen zur Aufzucht von Bäumen umzäunt seien, gerieten Tiere in ihrer Panik in diese Zäune – "und brechen sich dabei dann oftmals entweder das Genick oder ihre Läufe".

von Jürgen W. Niehoff

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