Mittelalter wird lebendig

So war das Altstadtfest in Windecken

  • schließen

Das Windecker Altstadtfest ist seit 1988 eine feste Größe in dem Nidderauer Stadtteil und erfreut sich großer Beliebtheit. Am Wochenende fand es bereits das 19. Mal in der „Goude Stubb“, dem Windecker Marktplatz statt. Veranstalter waren die Windecker Vereine, die ein buntes Rahmenprogramm auf die Beine stellten. Auf der Nidderinsel hatte der Förderverein Lebendiges Mittelalter Büdingen sein Zeltlager aufgeschlagen. Vom Marktplatz bis zur Nidderinsel luden mittelalterliche Stände zum Kaufen und Schauen ein.

Anlässlich der Verleihung der Stadt- und Marktrechte an Windecken vor 730 Jahren , stand nicht nur das Mittelalter im Fokus der Veranstaltung, sondern auch das frühe Windecken, das Archäologin Heike Lasch im Garten am Hexenturm zum Leben erwecken will. Im Hexenturmgarten ist ein Gebäude wie aus der Jungsteinzeit geplant. Bereits vor über 7000 Jahren siedelten erste Menschen auf Nidderauer Gemarkung. Auf der Basis eines Grundrisses von Ausgrabungen in der Neuen Mitte, entsteht die verkleinerte Rekonstruktion eines Wohngebäudes aus der Zeit der Bandkeramiker, also der Zeit etwa um 5000 vor Christus. „Wir haben bereits über 200 ehrenamtliche Stunden für das Projekt geleistet“, informiert Lasch auf der Bühne das Publikum.

Marko Appel, Vorsitzender vom Förderverein Lebendiges Mittelalter Büdingen betont, dass in Büdingen Geschichte gelebt wird und auch die Nidderauer die Schwerter während des Festes schwingen dürfen. Ein Schwertkampf vor dem Brunnen am Marktplatz ist geplant. „Wir leben das Leben im Mittelalter vor, wer möchte, kann mit uns in dieses Zeitalter eintauchen“, sagt Appel. Erster Stadtrat Rainer Vogel (Grüne) bedankt sich bei den vielen Helfern. „Die Vereine bieten viele Spezialitäten an, was gut für die Vereinskasse ist und vielleicht auch die ein oder andere Mitgliedschaft bringt“, sagt Vogel.

Marktmeister Karl-Heinz Schmaltz weist auf die neue Vorsitzende der Vereinsgemeinschaft Alexandra Schneider hin. Vorbereitungen für das Fest haben Appel und etwa 20 Mitstreiter bereits eine Woche zuvor getroffen. Zelte und Accessoires brachten sie vorab nach Windecken und lagerten diese beim Ski-und Wanderclub Windecken zwischen. Wie Appel erklärt, sind unter den Mitstreitern auch befreundete „Ritter“ aus Gelnhausen. Im Lager auf der Nidderinsel erleben Besucher eine Zeitreise in das Hoch-und Spätmittelalter, begegnen Bogenschützen, Rittern oder einem Schmied. „Wir sind keine Historiker, die das Lager originalgetreu nachbauen, sondern wir haben Spaß an dieser Lebensweise“ beschreibt Appel die Motivation der Vereinsmitglieder.

Zelte sagt er, hätten sich früher nur höher gestellte Herrschaften leisten können. Die aufgeschlagenen Zelte sind mit Teppichen und Sitztruhen ausgestattet. Geschlafen wurde auf Fellen oder im Feldbett. Vor jedem Zelt stehen Wappen als Erkennungszeichen von Rittern. Sie sind auch auf

Wappenrock und Helm

zu finden. Die Fantasiewappen im Lager sind nach heraldischen Regeln gestaltet. Auch drei Pferde gehören zum Lagerleben und werden besonders von Kindern aufmerksam beobachtet. Appel erzählt, dass er sich sehr für Historie interessiert. „Mit dem Schulunterricht habe ich die verschiedenen Epochen verfolgt. Ich habe Florett und Degen gefochten und mich schließlich der Schwertkampfgruppe des Mittelaltervereins angeschlossen“, sagt er mit Blick zu den Bogenschützen.

Kinder schießen unter Anleitung auf Attrappen von Tieren und verbuchen einige Erfolgserlebnisse. Appel erzählt, dass die Bogenschützen in Büdingen seit diesem Jahr eine eigene Bogenbahn auf dem Gelände des Schützenvereins haben. Der 120 Mitglieder starke Verein bietet dort an zwei Tagen pro Woche öffentliches Training an. Schwerter, Schilde, Armbrüste und Lanzen für Kinder baut Kazik Gmys aus Polen bereits seit rund 30 Jahren. „Die Nachfrage ist groß, besonders von Jungs“, sagt Gmys.

Er besucht jährlich 20 Mittelalter-Märkte in Deutschland und angrenzenden europäischen Ländern. Der achtjährige Jeremy aus Windecken ist mit Schwert und Schild ausgestattet, ist auf der Suche nach einem Jungen, den er zum Kampf herausfordern kann. Sabine von Malotky aus Frankfurt vertreibt Felle von Schafen, Kaninchen und Ziegen. Sie werden in Polen gegerbt. Auch Seifen aus Rosmarin und Patschuli oder Energie-Amulette und irische Hochzeitsringe sind an den Ständen erhältlich.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare