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Constantin Faatz (links) und Torsten Eurich zeigen die Pläne für die Photovoltaik-Anlage auf der ehemaligen Deponie "Am Gänsling" in Windecken. Die voraussichtliche Errichtung ist für das erste Quartal 2019 terminiert.

Nachbarn in Sorge

Baubeginn in der Straße "Am Gänsling" ist Anfang 2019

Nidderau setzt auf Sonnenenergie. Die Kommune will alle städtischen Flächen auf ihre Eignung für Solarmodule überprüfen. Auf der ehemaligen Deponie "Am Gänsling" in Windecken soll ab 2019 sogar schon gebaut werden. Die Anwohner fürchten um den schönen Blick aus ihren Häusern. Die Verantwortlichen versuchen zu beruhigen.

Die Sonne scheint, es ist einer der wärmeren Herbsttage in der sonnenreichsten Stadt Hessens, Nidderau. Constantin Faatz geht mit großen Schritten auf die grün bewachsene Fläche der stillgelegten Deponie "Am Gänsling" in Windecken zu. Der stellvertretende städtische Fachbereichsleiter für Umwelt ist zum "Gänsling" gekommen, um dort den Elektroingenieur Torsten Eurich zu treffen. Dessen Firma Next Energy aus Brachttal wird an diesem Ort eine Fotovoltaikanlage errichten, voraussichtlich im ersten Quartal 2019.

Unter den Bewohnern der angrenzenden Eisenacher Straße und des Dresdner Rings hatte dies zuletzt für Unruhe gesorgt (die FNP berichtete). Sie befürchten, dass ihre bisherige Sicht in die Natur gestört wird. Bislang trennen nur der Feldweg, ein Grünstreifen und eine hohe, breite Hecke die Hausgrundstücke und die ehemalige alte Deponie voneinander.

Vor allem beanstanden die Nachbarn, erst auf Nachfrage über die geplante Fotovoltaikanlage informiert worden zu sein. Erster Stadtrat Rainer Vogel (Grüne) hatte sie aufgrund ihrer Kritik dann zu einem Treffen eingeladen. Auch mit dabei: Ingenieur Eurich. "Anschließend waren die Leute beruhigt", sagt er heute. Eurich will "auf eine breite Akzeptanz hinarbeiten."

Bei Anwohnerin Claudia Lipp trifft er damit auf Skepsis. Sie stört, dass sie erst gemerkt habe, dass hinter ihrem Haus etwas vor sich geht, als sie ein Next-Energy-Auto dort habe herumfahren sehen. "Daraufhin haben wir uns umgehört", sagt Lipp. Niemand habe etwas gewusst. "Dann hat jemand bei der Stadt nachgefragt, worauf es hieß: ›Ist beschlossen – wird gemacht."

Fotovoltaik sei für sie in Ordnung, aber es sei schade, sie "direkt vor die Nase gesetzt zu bekommen". Würden die Pläne allerdings entsprechend der Versprechen der Stadt umgesetzt, mit Hecken-Sichtschutz – "dann ist es für mich in Ordnung, dann schaue ich nicht direkt drauf". Aber ob es tatsächlich so wird, wisse sie nicht. Nachbarin Patrizia Stadick fühle sich am meisten betroffen. "Wir schauen vom ersten Stock momentan direkt aufs Feld." Gegen Fotovoltaikanlagen hat auch sie grundsätzlich nichts, sie habe selber Module auf dem Dach. Sie beklagt die Kommunikationspolitik der Stadt: "Es geht mir um das Nicht-Transparente. Man hat nichts Schwarz auf Weiß."Zur Sorge bestehe allerdings kein Anlass, erklären Faatz und Eurich erneut.

Wie Faatz unterstreicht, sei die Sache öffentlich kommuniziert gewesen: Er weist auf den Beschluss des Nidderauer Parlaments von November 2016 hin. Seinerzeit entschieden die Stadtverordneten, kommunale Flächen für die Ausstattung mit Fotovoltaikmodulen zu prüfen. Im März dieses Jahres informierte Faatz im städtischen Umweltausschuss über die Pläne für die ehemalige Deponie (die FNP berichtete). Im April und Juni beschloss der Magistrat die Zusammenarbeit mit "Next Energy".

Geplant sind laut Eurich Module von circa 2,20 Metern Höhe, die hinter der Hecke liegen werden. Die Module sollen relativ weit auseinanderstehen, womit nur ein Teil der Fläche damit abgedeckt sei, die voraussichtlich Schafe beweiden sollen. "Die gesamte Deponiefläche ist 7,7 Hektar groß", erläutert Eurich. Davon bedecke die Anlage 1,34 Hektar mit Modulen, "das ist ein Verhältnis von 17 Prozent". Umzäunt würden 2,9 Hektar, die Module überdeckten mithin 46 Prozent der umzäunten Fläche. Eurich will genau mit den Bedürfnissen der Anlage arbeiten.

"Wir belassen einen ausreichenden, vier Meter breiten und überwiegend vier bis fünf Meter hohen Heckenstreifen zu der Wohnbebauung. Die Anwohner werden durch die Hecke gar nicht durchsehen können." Im nördlichen Bereich blieben Baumstrukturen erhalten, um Rückzugsräume für Tiere zu gewährleisten. Alles sei mit der Naturschutzbehörde abgesprochen. Vollkommen unsichtbar werde die Anlage gleichwohl nicht sein, aber: "Die Sichtbelastung ist in den meisten Fällen von der Wohnbebauung nicht gegeben."

Lediglich während der Erstellung der Anlage, ergänzt Erster Stadtrat Vogel, errichte Next Energy einen Zaun neben dem Heckenstreifen in Richtung Osten. "Hier müssen sie den Bewuchs mulchen, um den Zaun zu stellen. Dieser Streifen wird dann in den nächsten drei bis vier Jahren einwachsen und der Zaun irgendwann auch nicht mehr zu sehen sein."

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