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Baugebiete entpuppen sich als archäologische Fundgrube

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Von: Georgia Lori

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Auf dem künftigen Parkgelände Grünstreifen Allee Süd IV in Windecken haben Archäologen einige Grabbeigaben aus der Eisenzeit geborgen. Morgen will sich Nidderaus Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) vor Ort über den Stand der Ausgrabung informieren.

Die Archäologin Heike Lasch und die Professorin für vor-und frühgeschichtliche Archäologie, Britta Ramminger, werden über zwei neue Grabfunde der älteren Eisenzeit berichten. Die Funde gehören zu dem bekannten Gräberfeld Allee Süd IV. Das Gräberfeld der ausgehenden Bronze- und frühen Eisenzeit mit 28 Gräbern und einer Tierbestattung konnte nahezu komplett ausgegraben werden (die FNP berichtete).

Ein Großteil der Gräber blieb laut Archäologen weitestgehend ungestört, da die Pflugtiefe im Untersuchungsgebiet maximal 25 bis 30 Zentimeter Tiefe betragen habe und nicht 50 Zentimeter. Spuren vorgeschichtlicher Besiedlung waren bereits in vorangegangenen Bauabschnitten entdeckt worden. Im vierten Bauabschnitt hatte die Stadt die Erschließungsarbeiten im Bereich der Baustraßen Ende 2008 und Anfang 2009 auf freiwilliger Basis in Absprache mit den Denkmalbehörden archäologisch begleiten lassen. Urnengräber und Brandschüttungen kamen zutage.

2800 Jahre altes Grab

Die aktuelle archäologische Untersuchungsfläche befindet sich zwischen der Umgehungsstraße und der Allee Süd. Zu den bisherigen Funden zählen nicht nur die gepflasterte historische Weggabelung, sondern auch eine Feuerstelle mit Steinsetzung sowie ein eisenzeitliches Grab um 800 vor Christus mit Grabbeigaben. Die Grabbeigaben konnten nun mit zum Teil nur geringer personeller Besetzung geborgen werden. „Es handelt sich dabei um zwei Schalen, einen mittelgroßen Topf, ein Töpfchen sowie drei Kegelhalsgefäße, die zum Teil eine Bemalung mit Graphit aufweisen“, sagt Lasch.

Scherben eines weiteren Gefäßes hätten noch nicht zugeordnet werden können. Außerdem habe sich in einer der Schalen ein mondsichelförmiges, eisernes Messer befunden. Ein eiserner Fund, vermutlich ein mindestens 80 Zentimeter langes Schwert, sei im Erdblock geborgen worden. Diesem Fundstück müsse sich ein Restaurator annehmen. „Wir wissen jedoch nicht, wer die Kosten tragen kann“, sagt Lasch. Der Fund stamme aus der älteren Eisenzeit, der Hallstattzeit, um etwa 800 vor Christus.

Charakteristisch für die Eisenzeit sind kunstvoll geschmiedete Werkzeuge und Waffen, die aus hartem Eisen gefertigt wurden. Eisen wurde aus Erzen gewonnen und im Gegensatz zur Bronze geschmiedet statt gegossen. Im 8. Jahrhundert vor Christus ist auch in Mitteleuropa Eisen verwendet worden. Durch den Handel entstand eine neue Oberschicht. Laut archäologischen Erkenntnissen erstreckt sich eine frühkeltische Siedlung der Hallstattkultur (750 bis 500 vor Christus) vom neuen Rathaus nach Norden vermutlich bis zur Bertha-von-Suttner-Schule. Grabhügel in den Wäldern zwischen Eichen, Ostheim und Windecken, meist um 1900 ausgegraben, erhielten zahlreiche Bestattungen jener Epoche.

Weitere Bauplätze geplant

Seit 1990 gibt es in Nidderau eine wissenschaftlich betreute archäologische Sammlung, welche die Neufunde aus den Baugebieten aufnimmt. 1998 begann Nidderau mit dem ersten Projekt Allee Süd I als Wohnviertel mit 24 Hektar Fläche. Allee Süd II umfasst 20 Bauplätze. 2005 erfolgte der erste von zwei Bauabschnitten für Allee Süd III mit zehn Hektar Fläche. Bei der Allee Süd IV entstehen 70 Bauplätze zwischen Windecken und Heldenbergen. Entlang der Lärmschutzwand Allee Süd IV erfolgt die Anbindung für den zweiten Bauabschnitt Allee Süd IV mit mindestens 30 Bauplätzen.

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