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Ein Stück des ehemaligen Dillmann-Geländes in Eichen soll mit Kohlenstoffen, Kobalt und Nickel verunreinigt sein. Es geht um einen kleinen Teil des Areals, auf dem sich die Feuerwehr ansiedeln will.

Verunreinigung

Bodenbelastung, die Staub aufwirbelt

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Was ist dran an einer Bodenbelastung des Grundstücks in Eichen, auf dem die Feuerwehr ihr neues Domizil finden soll? Nichts, betont Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) und schüttelt den Kopf über die Vorwürfe des Christdemokraten Thomas Warlich.

Kurz vor dem Stadtteil Nidderau-Eichen erschließt sich ein schönes Bild, überflutete Wiesen drei- bis viermal pro Jahr. „Es ist Hochwassergebiet“, strahlen drei ältere Herrschaften am Wegesrand, die sich noch gut an ausgedehnte Schlittschuhläufe als Kinder erinnern können. Nicht weit hinterm Ortseingang geht es in die Straße Am Junkernwald. Ein schmales Sträßchen, auf dem eine Halle steht, in der die Feuerwehr beheimatet werden soll. Auf dem großen Baugrundstück, das früher die Gärtnerei Dillmann beherbergte, baut ansonsten noch die Deutsche Reihenhaus AG (Köln).

Auf 4400 Quadratmetern des 7700 Quadratmeter großen Areals entstehen die Reihenhäuser, der Rest ist für die Feuerwehr gedacht. Und hier, auf diesem Flecken, soll sich laut dem Christdemokraten Thomas Warlich eine Art Umweltskandal zutragen. Zum Missfallen von Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD), der meint, Warlich wolle grundlos eine „große Geschichte aufpuschen“. Der Kauf des Grundstücks durch die Stadt war umstritten gewesen: zum einen aus finanziellen Gründen, zum anderen, da es Hinweise auf Umweltlasten gab.

Und die seien noch nicht beseitigt, sagt Warlich, wobei er sich auf einen E-Mail-Wechsel mit einem Mitarbeiter des Regierungspräsidiums Darmstadt (RP) bezieht, den er persönlich führte. Das RP berichtete darin von leichten Verunreinigungen des Grundwassers mit Nickel, Kobalt und Kohlenwasserstoffen, gemessen an drei Messstellen, die deshalb um sechs weitere Messstellen ergänzt werden sollten. Laut Warlich ist das bedenklich, denn laut Kaufvertrag ist der Verkäufer – die Dillmanns – nur für die Dauer von drei Jahren dafür verantwortlich, die Umweltlasten zu beseitigen. Anschließend gehe die Verantwortung zulasten der Stadt. „Und es sind seit Unterzeichnung des Kaufvertrages bereits zehn Monate vergangen“, gibt er zu bedenken.

Auf Anfrage beim RP ist zu erfahren, dass die Verunreinigung sich jedenfalls nicht auf das Areal der Deutschen Reihenhaus AG bezieht. Das bekräftigt auch Reihenhaus-Pressesprecher Achim Behn. „Das kann sich nicht um unser Grundstück handeln, wir haben einen kompletten Bodenaustausch gemacht.“ Im Altlastenkataster gebe es keinen Vermerk, alles sei mit dem Umweltamt Darmstadt des RP abgesprochen und gutachterlich begleitet worden. „Wir haben den Boden abgetragen, mit Geotextil abgedeckt und mit 35 Zentimeter frischem Boden aufgefüllt“, unterstreicht er. Und auch Markus Dillmann von der Gärtnerei winkt ab. Wie er bestätigt, muss der Verkäufer „die geringfügigen Belastungen“ auf seine Kosten behandeln.

Dillmann: „Hierzu stehen wir über ein Fachbüro mit dem RP Darmstadt in Kontakt. Es werden sämtliche Vorgänge eng miteinander abgestimmt, und es ist durch die Geringfügigkeit zu keinem Zeitpunkt von einer Gefährdung für Mensch und Tier auszugehen.“ Dies sei schon mehrfach durch das betreuende Ingenieurbüro mitgeteilt worden, auch der CDU. „Im Übrigen bezieht sich die geringfügige Belastung nur auf eine kleine Fläche hinter dem zukünftigen Feuerwehrhaus Richtung Süden, weitab von den Rohbauten.“ Zunächst solle eine weitere Probeentnahme erfolgen, um Vergleichswerte zu erhalten. Nach deren Auswertung werde das weitere Vorgehen mit dem RP besprochen.

„Dies könnte zur Folge haben, dass weitere Messstellen eingerichtet werden müssen, um den genauen Herkunftsort zu lokalisieren. Es könnte auch genauso gut vom Nachbargrundstück eingeströmt sein, die Grenzen liegen dort sehr nahe beieinander.“ Fristen, wie sie im Kaufvertrag vereinbart wurden, seien üblich. An einem weiteren Vorwurf der CDU in punkto Umweltbelastung in Eichen sei laut Rathauschef Schultheiß ebenfalls „nichts dran“. Hier geht es um den Aushub, der im Zuge der Bauarbeiten für den Multifunktionsanbau an der Turnhalle in Eichen gelagert und laut Warlich nur mit einer lückenhaften Plane abgedeckt worden sei. Das störe besonders, da nebenan eine Kita liege. Schultheiß: „Es ist Z2-Boden, natürliche Belastungen. Es wurde abtransportiert, fertig!“

Gefahr für die Kita habe laut dem Bodengutachter zu keiner Zeit bestanden. Mehrkosten durch die Entsorgung auf einer Sonderdeponie in Höhe von 60 000 Euro, die Warlich beanstandet, wären so oder so entstanden: „Es sind nicht vermeidbare Kosten.“ Und noch etwas stört Warlich in Eichen. Es besteht ein Arbeitskreis, der sich mit der Gestaltung des Multifunktionsstätte befasst, der aber nicht öffentlich tage. „Es sollte kein Geheimbund sein“, moniert Warlich. Ein Vorwurf, den zumindest die Vertreter der SPD Nidderau zurückweisen, auch der Ortsvorsteher Sam Pfeifer. Vertreter aller wichtigen Personengruppen seien in dem Kreis dabei, auch die Vereine.

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