Nidderaus „Schlüsselrappler“

Bühne frei für die Narren

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Nicht leicht haben es Nidderauer „Schlüsselrappler“ in der diesjährigen Kampagne. Mit dem Tod ihres Vorsitzenden Harald Nehrig am 19. Januar ist auch ein Stück Substanz und Tradition des Karnevalsvereins verloren gegangen. Der 58-Jährige fehlt an allen Ecken und Enden. Dennoch hat der Verein eine stimmungsvolle Prunksitzung mit knapp 20 Programmpunkten auf die Beine gestellt.

Von der Trauer um Harald Nehrig in den eigenen Reihen spüren die knapp 450 Gäste in der ausverkauften Willi-Salzmann-Halle nichts. Die 100 Akteure auf und hinter der Bühne haben ihr Bestes gegeben – so hätte sich Nehrig die Prunksitzung gewünscht. „Sieben verschiedene Gruppen quer durch alle Altersklassen haben mitgewirkt“, sagt Kassierer Stefan Reis.

Befreundete Karnevalisten aus Eichen, Erbstadt und Mühlheim haben Abordnungen geschickt. „Wir freuen uns und sind bereit für die schöne Faschingszeit“, ruft das Kinderprinzenpaar aus Erbstadt Lena I. und Sören I. dem närrischen Publikum zu. Unterstützung erhalten „Die Schlüselrappler“ aus Büdingen. Matthias Drehsen mimt in der Bütt einen Konsument und das Büdinger Tanz-Duett Amy Scholz und Leonie Weber, die erstmals auf der Bühne in Nidderau stehen, überzeugen mit einem Paartanz.

Singen und lachen und jeden in gute Stimmung bringen, das ist seit Jahrzehnten der Anspruch der Schlüsselrappler. Für die bunten Darbietungen mit viel Witz und Unterhaltungswert und die temporeichen Showtänze, gespickt mit originellen Ideen und Kostümen, sind sie bekannt. „Eigentlich“, sagt Sitzungspräsident Karlheinz Leß, „wollten wir in diesem Jahr den neuen US-Präsidenten Donald Trump einladen, doch hier kommen nur seriöse Leute hin.“ Gemeint sind damit Protokollerinnen wie Daniela Leß, Büttenredner wie Drehsen und Michael Hahn, Philipp Giusti, Christopher Visione oder Susanne Lind und Susanne Betz.

Protokollerin Daniela Leß berichtet gleich zu Beginn, was die Menschen in der Welt und in Nidderau beschäftigt. „Den Amis wohl der Kittel brennt, sie wählten Trump als Präsident, ein alter Mann mit Scheiß-Frisur und auch nicht besonderer Figur“, stellt Leß fest und erhält Applaus.

Thematisch schlägt sie einen Bogen von der Pressefreiheit unter dem türkischen Präsident Erdogan und dem Böhmermann-Skandal bis hin zur Parkplatz-Kabbelei am neu eröffneten Nidder-Forum und dem vergessenen Termin der Stadt zum Empfang der Karnevalsvereine am 11. November. Für temporeiche Abwechslung sorgen die sieben „Rainbow Dancers“ in der „Windecker Puppenstube“, mit einem Mix aus Gardetanz und Unterhaltungsshow. Die erste Rakete des Abends geht an Michael Hahn als „Familienoberhaupt“. Im Plauderton erzählt Hahn von seinen Erfahrungen als Chef der Familie, seinen Erlebnissen am Computer und seinem Kampf mit „Kohlehydranten“.

15 Tänzer der „Konfettis“ entführen mit ihrem Showtanz in die Welt von Harry Potter. Auch sie erhalten vom Publikum eine Rakete. Konsument Drehsen hat nicht nur Arbeit mit vielen angelieferten Paketen sondern auch Pech vor dem Bildschirm: „Jetzt streift se gleich ihr Hösche ab, da reißt die Online-Verbindung ab!“. Auch er wird als neuer Redner in der Windecker Narhalla mit einer Rakete gefeiert. Turbulent wird es mit der hervorragend choreografierten „Western-Show“ der „Chicas“.

Büttenrede, Showtanz und Gesang wechseln sich auch im zweiten Teil der Prunksitzung ab. Sitzungspräsident, Elferrat und Publikum erleben die „Spanish Horror Nights“ von den „Explosions“, stimmen dem 17-jährigen Philipp Giusti in seiner Büttenrede „Genauso isses!“ zu oder haben Spaß mit dem „Dappesje“ alias Christopher Visione, der über Windeckens Grenzen hinaus bekannt ist.

Isabell Happel lässt in ihrer Musikshow Schlager aufleben und das Männerballett erinnert an „Bat-Man“. Lind und Betz entführen zum Loch Ness. „Tolle Stimmung. Die Tanzgruppen und Hahn waren klasse“, sagt Frank Lippert aus Windecken. „Ich war schon oft hier, weil die Schlüsselrappler so gut sind und bestes Männerballett bieten“, sagt auch Volker Rausch aus Windecken. „Mir gefällt alles“, lobt Johanna Pollok aus Bruchköbel. Maria Hoffmann aus Bruchköbel erinnert sich mit Stolz: „Meine Tochter Ann-Kathrin Hoffmann stellte mit Alexander Kraus das Prinzenpaar 2016 in Windecken“.

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