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Historische Maschinenteile haben dank Hermann Sauthoff in der alten Wagnerei neuen Platz und Verwendung gefunden.

Denkmal

Ehepaar saniert alte Wagnerei in Ostheim

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Beate und Hermann Sauthoff wohnen und arbeiten in einem denkmalgeschützten Anwesen. Sie haben die alte Wagnerei im Ortsteil Ostheim mit Liebe zum Detail wieder hergerichtet.

Vor fünf Jahren haben Beate und Hermann Sauthoff ihr Anwesen in der Sepp-Herberger-Straße, die zuvor Hintergasse hieß, gekauft. „Das Fachwerkhaus ist Baujahr 1870, die auf dem Gelände befindliche, 50 Quadratmeter große Wagnerei ist jünger“, berichtet das Ehepaar. Die Geschichte des Anwesens und seiner Bewohner zu recherchieren, ist durch mehrere Vorbesitzer und fehlende Quellen eine Mammutaufgabe. Kosten- und vor allem arbeitsintensiv ist die Sanierung und Modernisierung des als Ensemble geschützten Anwesens mit dem 1000 Quadratmeter großen Garten.

„Wir waren anfangs blauäugig, es kommt mehr Arbeit auf einen zu, als man denkt. Wir lieben aber unser altes Fachwerkhaus, haben den Kauf nie bereut“, betont das Ehepaar. Sie wussten, dass sie ein Unikat gekauft haben, dessen Sanierung und Erhalt ihren vollen Einsatz fordert. „Die ersten drei Jahre waren wir von morgens bis abends vollauf im Haus und Garten beschäftigt“, sagt Beate Sauthoff. Elektrik, Heizung und das Dach decken übernahmen Fachbetriebe. Alles andere ist Aufgabe der Eigentümer. „Unser Haus war komplett verputzt. Wir haben das Fachwerk frei gelegt und gesehen, dass das Holz darunter vermodert war.“

Balken und Fenster wurden ausgebessert und neu gestrichen. Die zwischen Erdgeschoss und erstem Stock rundum verlaufenden Zierleisten hat Beate Sauthoff ebenfalls selbst von Hand bearbeitet, ausgebessert und gestrichen. „Die Klappläden hatten zuletzt einen grauen Anstrich. Wir haben fünf Farben abgeschliffen und in Blau wie unser Hoftor gestrichen.“ Acht neue Klappläden will sie diesen Winter noch streichen. Teilweise noch restauriert werden müssen die alten Holzfenster. Das Kopfsteinpflaster im Hof hat sie gereinigt und Stein für Stein sorgsam wiedereingesetzt. „Wir sind noch nicht ganz fertig, müssen Teile noch begradigen.“

Isolieren will der Hausherr in den kommenden Wochen das Dach. Bereits abgeschliffene Wangen und Blenden an Balken und Decken sollen einen weißen Anstrich erhalten. Auch der Wohnbereich hat individuellen Zuschnitt. Dort, wo sich heute die Landhausküche befindet, befand sich einsein Hühnerstall. Der alte, liebevoll restaurierte Küchenschrank aus den 1950er Jahren, stammt vom Sperrmüll. Dazu passt die alte Kaffeemühle ihrer Mutter. Die Holztreppe wartet noch auf eine rundum Verschönerung. Erneuert sind bereits alle Türen „da konnte man mit der Hand durchgreifen“ und Holzböden. Sie wurden alle abgeschliffen, teils mit einem neuen Untergrund ver-sehen.

Der 63-Jährigen „tut es weh, etwas Altes wegzuwerfen.“ Und so bemalt sie alte Einmachgläser, füllt sie mit Wachs und verkauft sie in ihrer vor drei Jahren eröffneten Kreativ-Hobby-Stube oder auf Märkten als Kerzen-behälter. So wie die vom eigenen Obst im Garten hergestellte Marmelade, Brotaufstriche, Sirups oder den Kräutertee. Aus Weißdornfrüchten bastelt sie Ketten und aus altem Holz werden Schilder, Vogelhäuschen und Ziergegenstände. „Ich mahle unser Mehl selbst und backe unser Brot nach einem 40 Jahre alten Rezept“, sagt die Hausfrau.

In der Hofeinfahrt präsentiert sie alles auf einem alten Leiterwagen. Der stammt aus einer Oberurseler Wagnerei, den sie mit einem Zellstoff-Dach schmückte. So sind ihre Waren zu der auch selbstgeschneiderte, Kinderbekleidung gehört, geschützt. Aus alten Dachlatten entsteht gerade der neue Gartenzaun. „Uns wird es nicht langweilig. Wir haben die Arbeitsstunden nicht gezählt. Unser Ziel ist der Erhalt und die Pflege von Haus, Inneneinrichtung und Mobiliar wie Schränken und einem alten Kinderbett. Wir restaurieren und verschönern das Vorhandene“ sagt Beate Sauthoff voller Überzeugung.

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