Projekt der Kirchengemeinden

Eine Wanderroute auf den Spuren Martin Luthers

  • schließen

Im Lutherjahr haben Christen der Stadt Nidderau Martin Luthers 95 Thesen in die heutige Zeit übertragen. Luthers Thesen haben vor 500 Jahren die Reformation angestoßen. Die „Nidderauer 95 Thesen“ sind seit dem 31. Oktober auf 19 großen Aluminiumtafeln pro Stadtteil zu lesen. Die Tafeln bleiben bis 6. Januar in allen fünf Stadtteilen stehen.

Lukas Ohly, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Nidderau-Ostheim hat das Projekt bereits im Frühjahr 2016 geplant. Ein übergemeindlicher Ausschuss hat sich mit den inhaltlichen Themen beschäftigt. Dabei ist jede einzelne These Luthers in verschiedenen Bezugsgruppen der Nidderauer Kirchengemeinden für die Gegenwart weiterentwickelt worden.

Mitglieder der Kirchenvorstände, Frauengruppen, Konfirmanden oder der Posaunenchor Ostheim arbeiteten unterschiedlich lang an dem Projekt. „Auch Katholiken haben mitgewirkt“, sagt Ohly. Laut seiner Aussage, sind Luthers Thesen ursprünglich als Diskussionsvorschlag für eine Podiumsdiskussion seiner Zeit gedacht gewesen. Anstelle dieses Streitgesprächs sei Luther jedoch von der Obrigkeit verfolgt worden. Sein Anliegen hätten die Kirchengemeinden nun umgesetzt. 100 Teilnehmer in Redaktionskreisen nahmen an den „Nidderauer 95 Thesen“ teil.

Zu ihren Themen zählten die Buße,

Ablasshandel

, Befugnisse des Papstes, die richtige kirchliche Lehre oder die Einwände gegen die herrschende katholische Praxis. Die Thesen wurden vorab in Studienabenden vorgestellt und diskutiert. „Die Tafeln ergeben eine Wanderroute durch Nidderau. Vandalismus gab es nicht. Die Tafeln sind nicht beschmiert worden“, sagt Ohly. Am 31. Oktober seien die Nidderauer Thesen vor, nach oder während der jeweiligen Gottesdienste an die Türen der Nidderauer evangelischen Kirchen projiziert worden.

„Einige Leute hätten sich gerne eine Gegenüberstellung von Luthers Thesen und den daraus entwickelten Nidderauer Thesen gewünscht“, sagt Pfarrer Lukas Ohly. Als Themenschwerpunkt des Projektes nennt er jedoch, was Christen 2017 zu unserem Glauben sagen, inspiriert von Luthers Thesen. Vikarin Anna Imhof hat mit Teamern, Jugendlichen die konfirmiert sind, an zwei Thesen gearbeitet. „Es war schwierig für die Jugendlichen, an die Sprache Martin Luthers heranzukommen“, schildert sie. Ohly erklärt dazu, dass Luther ein Sprachästhet gewesen ist und vieles in das Lautmalerische übersetzt hat. Um die Bevölkerung über das Projekt zu informieren, ist die Sonderausgabe „Nidderauer 95 Thesen – mit Luther unterwegs“ erschienen. „Die Hefte sind als Einlieger im Nidderauer Stadtjournal in einer Auflage von 8360 Stück verteilt worden“, sagt Ohly.

Wie er festgestellt hat, hat es in den Gemeinden einen

Hunger nach Theologie

gegeben. Die Leute hätten sich nicht nur mit Luther als Pop- oder Playmobilfigur identifizieren wollen, sondern sich selbst etwas erklären wollen. „Für viele war es wichtig zu wissen, warum sie evangelisch sind. Katholiken wollten wissen, wie weit auseinander sie vom evangelischen Glauben sind“, sagt Imhof.

Pfarrer Ohly und Vikarin Imhof weisen beide darauf hin, dass das ungewöhnliche Projekt viele wissbegierige Menschen mobilisiert hat. Die Luther-Tafeln gehen von 6. Januar an wieder in den Besitz der Menschen über, die sie aufgehängt haben. Viele Christen aus den Stadtteilen, darunter auch viele Familien, haben sich diese Arbeit geteilt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare