„Weltklassik am Klavier“

Ekaterina Litvintseva gibt Bach, Mozart und Rachmaninow zum Besten

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Ekaterina Litvintseva verbrachte ihre Kindheit und Jugend am nördlichen Polarkreis. Im Winter blickte sie auf die wie gemeißelt erscheinenden Eisbrocken, im Sommer erlebte sie die Farbenpracht der Tundra. Dieses Leben prägte ihren Sinn für Klarheit und Farben – auch am Klavier. In welcher Weise, zeigte sie in der Reihe „Weltklassik am Klavier“. Im Bürgerhaus Ostheim spielte sie Werke von Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart und Sergej Rachmaninow.

Das Konzert eröffnete die begabte Pianistin mit der feinen Partita Nummer 3 in a-Moll BWV 827 von Bach: Ekaterina Litvintseva zeichnet sich durch eine Leichtigkeit aus, die nicht oft in anderen Werken von Bach zu hören ist.

An den Keyboardstil von Bach erinnerte der darauffolgende erste Satz von Mozarts Sonate in B-Dur KV 281. Der Mittelsatz Andante Amoroso und besonders das abschließende Rondo beeindruckten durch Anmut. Das Rondo in D-Dur öffnete sich mit einem spielerischen Thema.

Den zweiten Teil des Programms bestritt die 31-Jährige mit den Morceaux de Salon, Opus zehn von Sergej Rachmaninow. Die sieben eleganten Stücke zeigen den russischen Komponisten auch als Meister der kleinen Form. Litvintseva brachte die Botschaft dieser Stücke selbstbewusst auf den Punkt. Melodisch und mit poetischer Leichtigkeit durchdrang sie die große Dichte der Tongeflechte.

Die Innigkeit in ihrem Spiel ist von einem tiefen Ergründen und Nachempfinden geprägt sowie einer unbändigen Spiellust. Auf den Tasten erzählt sie laute und leise Geschichten nach, geprägt von ihrer Kindheit am nördlichen Polarkreis.

„Es gibt keine Bäume. Die Weite wird sichtbar und das Gefühl von großen Räumen spürbar“, sagt die Pianistin später in der Garderobe. Sie versuche immer im großen Bogen mit viel Tiefe zu spielen, nie langweilig zu werden und den Blick auf das Ganze zu haben und zu behalten. Rachmaninow, einer der meistgespielten russischen Komponisten in Deutschland, ist ihr Lieblingskomponist.

Mit ihm ist sie groß geworden. Sie sagt, sie verstehe seine Musik intuitiv. Litvintseva empfindet Rachmaninows Musik so, als hätte er diese für sie geschrieben. Sie selbst pflegt einen konservativen Stil beim Spiel. „Es ist mir wichtig, dass alles, was ich spiele, einen Sinn hat, dass ich mit der Musik etwas erzähle“, sagt sie.

Für das Klavier als Instrument hat sie sich schon im Alter von fünf Jahren entschieden, weil ihre ältere Schwester Evgenya Klavier gespielt hat. Litvintseva wurde 1986 in Magadan in Russland geboren und erhielt dort ihre musikalische Ausbildung. Mit 16 Jahren studierte sie in Moskau, später in Köln und

Würzburg.

Mit zehn Jahren gewann sie ihren ersten Preis bei einem Wettbewerb. Sie trat in namhaften Konzertsälen auf, wie im Konzerthaus Berlin, der Bethovenhalle Bonn oder der Hamburger Musikhalle.

Mittlerweile hat Litvintseva vier CDs eingespielt. Es sind Klavierkonzerte von Mozart und Chopin sowie des jungen und späteren Rachmaninow. Der Pianist erlebte Erfolg und Ablehnung. Er komponierte, wie er fühlte: direkt und unverstellt, der Intuition gehorchend.

Nächstes Weltklassik-Konzert

Das nächste Konzert der „Weltklassik am Klavier“ findet am 9. September (Sonntag) um 17 Uhr im Bürgerhaus Ostheim statt. István Lajko präsentiert Werke von Mozart, Tschaikowsky und Pletnev und die Dornröschen Suite. Reservierungen: E-Mail: info@weltklassik.de, Telefon: (02 11) 93 65 090.

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