Lebendiges Denkmal

400 Jahre alt, 24 Meter hoch und fünf Meter Umfang: Die Friedenslinde ist 60 Jahre alt

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"Wartbeemsche" wird die imposante Sommerlinde in Nidderau liebevoll von älteren Windeckern genannt. Am 29. November 1958, 13 Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges, wurde in der Nachbarschaft die "Friedenslinde" gepflanzt.

Den Namen "Friedenslinde" trägt der Baum, nachdem der letzte Kriegsgefangene Heinrich Muth 1953 heimgekehrt ist und die Rückkehr weiterer Vermisster nicht mehr zu erwarten war. Einen Rückblick auf die Anpflanzung gab Silva Herrmann, Vorsitzende der Heimatfreunde Windecken. Etwa 50 Personen versammelten sich bei einstelligen Temperaturen und eisigem Wind am Wartbaum.

Herrmann berichtet von einer bewegten Geschichte des Baumes, mit mehrfachem Bangen um seine Existenz. So hatte dessen Vitalität bei der Nährstoffaufnahme nachgelassen. In den 1950er Jahren strapazierte der Bau der nahe gelegenen Bundesstraße die Wurzeln des Naturdenkmals. Ende der 1970er Jahre hatten Kinder ein Feuer gelegt. "Die Heimatfreunde Windecken haben 2003 die Baumpatenschaft übernommen und sich 2005 mit öffentlichen Aktionen gegen einen 20-prozentigen Rückschnitt des Baumes engagiert", sagte Herrmann. Dieser Eingriff hätte den Todesstoß für den Baum bedeutet.

Sie wies auch darauf hin, dass bei der Anpflanzung der Friedenslinde 1958 eine zweite Linde in die Erde gesetzt wurde, welche die Nachfolge des Wartbaumes antreten sollte. Unter beide Bäume wurden für die Nachwelt Urkunden in Sektflaschen eingelegt und diese in Tonröhren in die Erde gebracht. Am 11. Mai 2003 geschah das Unfassbare. Bis heute unbekannte Täter sägten die Ersatzlinde für den Wartbaum derart an, dass diese gefällt werden musste. Das Umfeld um den Wartbaum wird heute auf Kosten des Vereins der "Heimatfreunde Windecken" von Mitarbeitern des städtischen Bauhofes gepflegt. Frieden unter Nachbarn

Steinmetz Wilhelm Lotz arbeitete in einem ein Tonnen schweren und drei Meter langen Sandstein die Inschrift "Wartbaum – gepflanzt um 1600" ein. Schirmherr Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) dankte den Heimatfreunden für die Idee, an die Anpflanzung der Friedenslinde zu erinnern. "Der Ort ist Heimat und Symbol aus eigener Anschauung. Der Baum strahlt etwas aus, das man kaum in Worte fassen kann", sagte Schultheiß. Der Ort spreche über Krieg und Frieden und die Friedenslinde selbst stehe für Frieden unter Nachbarn. Die Hohe Straße in unmittelbarer Nachbarschaft sei ein wichtiger Anlaufpunkt mit großer Resonanz geworden.

Alexander Waitz von der Reservistenkameradschaft Nidderau machte darauf aufmerksam, dass die Linde bereits bei den Germanen als heiliger Baum galt. In vielen Orten steht laut Waitz noch heute eine Dorflinde. Unter dem Wartbaum sind zu Maibeginn Tanzfeste gefeiert worden. Die Sängervereinigung Windecken feiert nicht nur den Vatertag am Wartbaum, sondern Wilfried Ben Abt hat eigens für die Gedenkfeier die Kantate "Friedenslinde" arrangiert. Diese wurde vom Männerchor der Sängervereinigung Nidderau-Windecken vorgetragen. "Schon nach dem 30-jährigen Krieg wurden anlässlich des Westfälischen Friedens Linden gepflanzt, um die Bedeutung des Friedens hervorzuheben", sagte Waitz. Zeichen der Hoffnung

Er erinnerte daran, dass der Wartbaum auf historischem Grund steht, dort wo Kaiser und Fürsten die exponierte Lage der Warte an der Hohen Straße nutzten, um Truppen zu entsenden, Angriffe zu planen oder Manövern beizuwohnen. Es sei ein Ort, an dem man gefallener Soldaten erinnere. Die Friedenslinde bezeichnete Waitz als ein Zeichen der Hoffnung, dass es nie wieder Krieg gebe und der Frieden ewig bewahrt sein möge.

"Als Kriegsgefangene zurückkamen, gab man ihnen drei Erbsen zu essen, mehr konnten sie nicht vertragen. Behalten Sie das im Kopf, wenn Sie Flüchtlingen aus Krisengebieten begegnen", sagte Pfarrerin Heike Käppeler von der evangelischen Kirchengemeinde Windecken. Sie sprach gemeinsam mit Pfarrer Ifeanyi Emejulu von der katholischen Kirchengemeinde Windecken über die Auswirkungen von Konflikten, Konfrontationen und Krisen. Ihr gemeinsamer Tenor: Einen Krieg kann man nicht gewinnen, nur verlieren.

Rubriklistenbild: © Georgia Lori

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