Flüchtlingsunterkunft

Geflüchtete bauen sich kleines Café

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Die ehemalige Lagerhalle im Nidderauer Stadtteil Heldenbergen ist notdürftig gedämmt. Ein durchgängiger Oberlichtstreifen sorgt für Lichteinfall. 59 geflüchtete Männer zwischen 18 und 50 Jahren leben dort in Wohneinheiten, die durch Trennwände in Leichtbauweise voneinander abgegrenzt sind. Die sanitären Anlagen sind unzureichend. Privatsphäre gibt es nicht, Räume zum Lernen und für Gäste fehlen. Jetzt dient das neue "New Café" in der Unterkunft als Begegnungsraum und Rückzugsort.

Der dringende Wunsch nach einem Rückzugsort kristallisierte sich aus Gesprächen heraus, die die Flüchtlingshilfe Nidderau und das Bündnis "Nidderau hilft" im vergangenen Frühjahr mit den Geflüchteten führten. Unterstützung bei der Befragung leistete die Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik. "Die Männer wünschten sich einen Ort, wo sie Gäste empfangen können", sagt Rolf-Dieter Baer von der Flüchtlingshilfe und weist darauf hin, dass der Verein die Auflösung der Gemeinschaftsunterkunft fordert.

In einem Anschreiben an die Stadt vom Oktober hat Vorsitzende Kirsten Ohly dies so formuliert: "Die Infrastruktur in der Liebigstraße ist nicht als Wohnunterkunft geeignet. Die Wohnsituation verletzt die Menschenrechte der Geflüchteten, erschwert die Integration, fördert Resignation und Aggression und führt zu Sicherheitsproblemen". Die Flüchtlingshilfe spricht sich für eine dezentrale Unterbringung aus. "Die Wohnsituation ist ein großes Problem. Es gibt zu wenig kleine bezahlbare Wohnungen. Der Bau von Sozialwohnungen wird aktuell angekurbelt", sagt Holger Nix von der Fachdienstleitung Kinder-und Jugendförderung/Flüchtlingsbetreuung der Stadtverwaltung. 1,2 Millionen Euro sind laut Nix im Doppelhaushalt für den Sozialwohnungsbau eingestellt und verschiedene Flächen als Baugebiete bereits im Gespräch.

Gelernter Malermeister

Hakim Khadini, Ahmad Eshemeri und Jawad Kurami verfolgen das Gespräch im 30 Quadratmeter großen "New Café" mit Interesse. Dessen Bau und die Einrichtung mit Sesseln, Stühlen, Tischen und einem Regal dauerte drei Samstage und zwei Montage. Das Café ist durchgehend geöffnet, jedoch nur montags von 17 bis 21 Uhr bewirtschaftet.

Edeltraud Ay, ehemalige Hausverwalterin der evangelischen Kirche Windecken, übernimmt diese Aufgabe. Sie bietet Kaffee, Kekse und einmal monatlich Obst an. Jawad hat bei der Gestaltung der Wände mitgeholfen. Der 30-Jährige aus Afghanistan ist gelernter Malermeister. Er lebt seit vier Jahren in Deutschland und ist auf Jobsuche.

Eine Wand hat er mithilfe von Schablonen mit bunten Punkten verziert. Sie stehen für Lebensfreude. Auch das Motiv einer Kaffeetasse ist zu sehen. Jamad freut sich auf viele Gespräche im Café. Auch deutsche Männer sind willkommen. Die Wandfarbe hat der Hagebaumarkt Hack gespendet. Die Flüchtlingshilfe Nidderau leistete finanzielle Unterstützung und die evangelische Kirche Windecken sponserte 500 Euro.

Demnächst sollen noch eine Stromleitung verlegt, Lichtinseln installiert und die Außenwände des Cafés gestrichen werden. Dann ist Jawad erneut gefordert. Zwei bis drei Mitglieder der Flüchtlingshilfe und vier Flüchtlinge haben die Holzkonstruktion des Cafés gemeinsam gebaut. Baer besorgte Werkzeuge, wie eine Wasserwaage, Bohrmaschine, Kapp- und Gehrungssägen, Akkuschrauber und Stichsägen. "Ein kurzer Einführungskurs in Werkzeugkunde war notwendig", sagt er. Jawad und

Ahmad kannten viele der Werkzeuge. Ahmad hat beim Verlegen des Laminatbodens geholfen. Er absolviert seit einem Jahr eine Ausbildung als Maler- und Lackierer. Die Einrichtung einer Fernsehecke ist für die Zukunft geplant. Auch sie soll dem Gesprächsaustausch mit Gästen wie Mahdi Hossein dienen. Der 29-Jährige aus Afghanistan hat in der Gemeinschaftsunterkunft gelebt und ist nun in Ostheim zu Hause.

Deutschkurs mit Pinsel

"Ich komme jede Woche und habe viele Freunde hier", sagt er. Auch Yussuf Awmnse aus Somalia lebt nicht in der Unterkunft. Der 46-Jährige stellt sich jedoch regelmäßig als Dolmetscher zur Verfügung. Jawad weist auf der gegenüberliegenden Wand auf ein florales Motiv hin. Das hat er wie ein Foto dokumentiert, im Rahmen des Deutschkurses mit Pinsel und Farbe von einer Stehleiter aus gemalt. Betreut werden er und die geflüchteten Männer aus verschiedenen Nationen täglich von fünf Sozialarbeitern. Zusätzlich ist eine Security-Kraft vor Ort.

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